An dieser Stelle nimmt sich unser Zeichner Konrad Lohrmann jeden Freitag ein Thema aus der Branche vor. Heute: GDV will Run-off umbenennen
Archiv ‘Lebensversicherung’
Prudential zerlegt sich selbst
Der größte britische Versicherer Prudential teilt sich auf in zwei Unternehmen. Das Geschäft mit Lebensversicherungen und der Vermögensverwaltung in Großbritannien und Kontinentaleuropa betreibt künftig die M&G Prudential. Die rasch wachsenden Unternehmensteile in Asien, den USA und Afrika arbeiten künftig als Prudential weiter. Beide Konzerne sitzen in London und sind dort an der Börse gelistet. Aktionäre erhalten im Zuge der Transaktion Anteile an beiden Firmen. Ganz nebenbei gab die Prudential den Verkauf eines Lebensbestandes mit 12 Mrd. Pfund Kapitalanlagen an Rothesay Life bekannt.
Lebensversicherern drohen hohe Prämieneinbußen
Die meisten Experten sehen im Niedrigzinsumfeld die größten Herausforderungen für die Lebensversicherer. Die demografische Entwicklung wird die Anbieter aber vor noch größere Herausforderungen stellen, glaubt der Berater KPMG. Die Branche wird durch die Bevölkerungsschrumpfung bis 2030 rund 6 Mrd. Euro Prämieneinnahmen verlieren, bis 2060 sogar 15 Mrd. Euro. Den Versuch, das rückläufige Altersvorsorgegeschäft mit dem verstärkten Verkauf von Biometrie-Policen zu kompensieren, hält das Unternehmen nicht für zielführend. Die Versicherer müssen ihre kapitalbildenden Produkte entschlacken, auch der Vertrieb muss einfacher werden, fordert KPMG.
Kfz: Allianz legt wieder zu
Die Allianz Deutschland ist erstmals seit Langem in der Kfz-Versicherung wieder gewachsen. Dank des neuen Tarifs gewannen die Münchener 150.000 neue Kunden hinzu. Mit 8,5 Millionen versicherten Fahrzeugen ist die Allianz allerdings noch Meilen vom Konkurrenten HUK-Coburg entfernt, der für Ende 2017 mit 11,5 Millionen versicherten Autos rechnet. Trotz starker Prämienzuwächse in der Sach- und der Lebensversicherung sanken das operative Ergebnis und der Gewinn der Allianz Deutschland. Schuld waren unter anderem hohe Naturkatastrophenschäden.
Insurtechs und Lebensversicherer
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Allianz Deutschland-Zahlen, KPMG-Studie zur Zukunft der Lebensversicherung und Versicherungsmonitor Breakfast Briefing zu Insurtechs.
Abwickler bieten für Generali Leben
Im Gegensatz zur Munich Re-Tochter Ergo, die ihre Verkaufspläne nach öffentlicher Kritik wieder beerdigt hat, wagt die Generali einen weiteren Schritt in Richtung externer Run-off. Nach Informationen des Versicherungsmonitors und der Süddeutschen Zeitung haben die Abwicklungsspezialisten Frankfurter Leben, Viridium und Athene Angebote gemacht. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über das Interesse von Athene und Viridium berichtet.
Swiss Life mit mehr Gewinn
Die Schweizer Swiss Life hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr um 9 Prozent auf rund 1 Mrd. Franken gesteigert. Die Aktionäre sollen von einer um 2,50 Franken höheren Dividende profitieren. Bei den selbstgesteckten Zielen im Rahmen des Reformprogramms „Swiss Life 2018“ sieht sich der Versicherer auf Kurs. In Teilen liegt er bereits über den Erwartungen. In Deutschland profitiert Swiss Life von einem Sondereffekt und gesunkenen Kosten.
Run-off: Die Frage ist nicht ob, sondern wann
Das Geschäft mit Verkäufen geschlossener Lebensversicherungsbestände könnte bald deutlich an Fahrt aufnehmen. Aufkäufer wie Frankfurter Leben und Viridium sehen mehr Interesse bei Versicherern, geschlossene Portfolien abzugeben. Viridium-Chef Heinz-Peter Roß (Bild) würde gerne schneller bei Übernahmeangeboten zuschlagen. Doch noch hat das Thema Run-off in Deutschland ein Imageproblem, sind sich die Diskussionsteilnehmer bei der SZ-Fachkonferenz zum Thema Run-off in Hamburg einig. Athene-Chefin Ina Kirchhof sieht Vorteile in einer strengen Kontrolle durch die Aufsicht BaFin und empfiehlt den engen Dialog mit der Behörde.
Commerzbank: ZZR-Belastung steigt weiter
Die Belastungen aus der Zinszusatzreserve (ZZR) werden für deutsche Lebensversicherer noch bis 2023 weiter ansteigen. Davon geht der Analyst Michael Haid von der Commerzbank aus. Das gilt auch bei einer Abschwächung der ZZR-Berechnung, die von der Branche für dieses Jahr erwartet wird. Haid geht davon aus, dass die meisten Lebensversicherer auch in einem andauernden Niedrigzinsumfeld überleben werden, teilweise durch Konsolidierung. Die Abwicklungsgesellschaften im Markt werden die Konsolidierung der Branche zusätzlich vorantreiben, glaubt er.
Diskussionen um den Run-off
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Run-off-Konferenz der SZ und Swiss Re-Bilanzpressekonferenz.
Hoffnungslos im Run-off verheddert
Herbert Frommes Kolumne Die deutsche Versicherungswirtschaft verheddert sich gerade auf das Schönste in der Diskussion über den möglichen Run-off von Lebensversicherungsgesellschaften und ihren Verkauf. Während der GDV und die großen Anbieter argumentieren, dass der Run-off als eine Option möglich sein muss, attackieren kleine und mittlere Anbieter alle Konzerne, die solche Pläne verfolgen oder verfolgt haben. Dabei wird es auf beiden Seiten der Debatte etwas bizarr. Das hängt damit zusammen, dass die deutschen Lebensversicherer seit Jahrzehnten ihre Verträge ideologisch überhöhen.
Mittelgroße Lebensversicherer gegen externen Run-off
Der Verkauf von stillgelegten Lebensversicherungsbeständen stößt bei mittelgroßen Versicherern auf wenig Gegenliebe. Das Thema sei bislang vor allem von Aktiengesellschaften und großen Unternehmen vorangetrieben worden, sagte Gothaer-Vorstand Michael Kurtenbach auf einer Veranstaltung der Ratingagentur Standard & Poor’s in Frankfurt. Auch Swiss Life Deutschland-Finanzvorstand Daniel von Borries und Alte Leipziger-Chef Walter Botermann äußerten sich skeptisch.
Der digitale Sachversicherer One startet
Mit One geht nach Ottonova, Element und Friday ein weiterer digitaler Versicherer an den Start. Das Insurtech der Wefox-Gruppe hat prominente Unterstützung: Zu den Investoren zählen unter anderem der US-Schauspieler Ashton Kutcher (Bild), sowie die deutschen Sängerinnen Lena Meyer-Landrut und Sarah Connor. Zunächst verkauft der Versicherer Hausrat- und Haftpflichtpolicen in Deutschland. Im Verlauf dieses Jahres sollen noch Unfall- und Risikolebensversicherungen dazukommen. Außerdem will One in weitere Länder expandieren.
GDV sieht Aufklärungsbedarf zu Run-off
Der Versichererverband GDV zeigt sich mit dem Geschäftsverlauf 2017 zufrieden. Die Beiträge legten spartenübergreifend um 1,7 Prozent zu und stiegen damit stärker als vom Verband erwartet, sagte GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Er kritisierte die aktuelle Debatte über den Verkauf von Versicherungsbeständen als unsachlich und kündigte einen stärkeren Austausch darüber mit der Politik an. Die hatte vor einem Vertrauensverlust gewarnt. Von der kommenden Regierung wünschte sich Weiler eine Regulierungspause. Die geforderte Erleichterung bei der Zinszusatzreserve dürfte bald kommen, sagte er.












