So hoch die Nachfrage nach Cyberversicherungen derzeit ist, so schwierig ist es für Unternehmen, Deckung zu bekommen – sofern sie die inzwischen hohen Standards der Versicherer hinsichtlich der IT-Sicherheit nicht erfüllen. Nachdem die Versicherer in den vergangenen zwei Jahren Prämien erhöht, Kapazitäten verknappt und Bedingungen verschärft haben, sollten sie jetzt nicht wieder in ein lascheres Underwriting zurückfallen, forderte Fabian Willi, Cyberversicherungsexperte bei der Swiss Re, auf einer Handelsblatt-Konferenz. Das würde dazu führen, dass die Kapazitäten letztlich sinken und es nicht zu dem erhofften weiteren Wachstum in der Sparte kommt.
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Offene Wunden in der Industrieversicherung
Kommentar Die vergangenen Erneuerungsrunden in der Industrieversicherung haben Spuren hinterlassen. Zwar bemühen sich die Anbieter, verlorenes Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen, aber die Zusammenarbeit läuft immer noch nicht gut. Auch die Aussicht auf weiter steigende Prämien bei den kommenden Verhandlungen hilft nicht. Die Versicherer sollten den Unmut ihrer Kunden ernst nehmen. Eine Chance für persönliche Gespräche bietet das Symposium des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft in zwei Wochen.
Rückversicherungskapital sinkt erstmals seit 2012
Günstige Marktbedingungen wie niedrige Zinsen, höhere Investmentgewinne und steigende Prämien haben dafür gesorgt, dass das weltweite Rückversicherungskapital in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Doch damit ist laut der Ratingagentur A.M. Best nun Schluss. In diesem Jahr wird das traditionelle Rückversicherungskapital erstmals wieder sinken, und zwar deutlich. Grund ist, dass sich die Marktbedingungen seit Anfang 2022 grundlegend geändert haben.
Marsh: Preissteigerungen schwächen sich weiter ab
Die Preise in der Industrieversicherung steigen zwar weltweit weiter. Allerdings hat sich das Wachstum deutlich verlangsamt. Laut dem Marsh Global Insurance Market Index legten die Prämien für Erneuerungen im zweiten Quartal um 9 Prozent zu. Das war das 19. Quartal in Folge mit steigenden Preisen, sagte John Doyle, Chief Operating Officer bei Marsh & McLennan, bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Das Maklergeschäft lief gut, auch eine drohende Rezession bereitet dem Unternehmen keine Sorgen.
Makler beklagen aufreibende Erneuerungen
Anfang Juni und Juli findet die dritte große Erneuerungsrunde in der Rückversicherung statt. Hohe Schäden, die stark gestiegene Inflation und Unsicherheit über die Folgen des Klimawandels sorgten dieses Jahr für äußerst schwierige Gespräche, berichten die Makler Aon und Gallagher Re. Besonders in Florida und Australien war die Risikobereitschaft der Rückversicherer deutlich reduziert. Die verlangten Preise stiegen stark. Letztendlich hätten aber die meisten Kunden die nötige Absicherung erhalten.
Aon: Cyber-Markt immer noch schwierig
Für ihre Cyberdeckungen mussten Unternehmen in den vergangenen Jahren immer mehr zahlen. Dieser Trend setzte sich auch im ersten Quartal fort, so der Großmakler Aon in einem aktuellen Bericht. Allerdings verlief der Preisanstieg weniger rasant als zuletzt. Der Krieg in der Ukraine und Sorgen vor Angriffen durch russische Hacker sorgten dafür, dass die Anbieter zurückhaltend blieben und weniger Kapazität bereitstellten.
Ukraine: Schäden durch feststeckende Schiffe
Zahlreiche Frachtschiffe sitzen seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine im Schwarzen Meer fest. Den Versicherern drohen hier hohe Schäden. Einige Schiffe wurden bereits von Raketen getroffen. Das Hauptrisiko ist aber ein anderes. Ab einer gewissen Dauer – häufig zwölf Monate – können die Reeder ihre Schiffe gegenüber den Versicherern als Totalverlust erklären. Sorgen bereiten den Reedern und Versicherern auch die Crewmitglieder. Sie zu evakuieren ist schwierig – und teuer.
Cyber: Das Ringen um den Kriegsausschluss
Sollte es im Zuge des russischen Kriegs in der Ukraine zu Angriffen russischer Hacker auf westliche Unternehmen oder Staaten kommen, könnten Cyberversicherer versuchen, sich auf den Kriegsausschluss in ihren Policen zu berufen. Das wird laut der Ratingagentur DBRS Morningstar aber nicht leicht. Denn sie müssten dafür nachweisen, dass die Täter staatliche Akteure waren oder zumindest in staatlichem Auftrag handelten. Die Versicherer haben allerdings zuletzt ihre Ausschlussklauseln noch einmal verschärft.
Teure Erneuerungen in der Reeder-Haftpflicht
Bei den Vertragserneuerungen in der Schiffshaftpflichtversicherung, die in wenigen Tagen zu Ende gehen, zeichnen sich deutlich Preiserhöhungen für die Reeder ab. Die reedereigenen P&I Clubs drängen nach Jahren technischer Verluste auf Preiserhöhungen. Dazu kommen deutlich höhere Kosten für die Rückversicherung der Clubs auf die Schiffseigner zu. Die Preise werden auch in den kommenden Jahren weiter steigen, erwartet die Ratingagentur A.M. Best in ihrem aktuellen Branchenbericht.
Cyberpreise gehen weiter durch die Decke
Während sich die Preiserhöhungen für industrielle Sach- und Haftpflichtdeckungen immer weiter abschwächen, ist bei Cyberpolicen das Ende der Prämienzuschläge noch nicht absehbar. Laut dem Makler Marsh haben sie im vierten Quartal 2021 erneut stark zugelegt. In den USA schossen die Preise sogar um durchschnittlich 130 Prozent in die Höhe. Entspannung zeichnet sich dagegen auf dem europäischen D&O-Markt ab.
D&O: Preiserhöhungen für Kunden beste Lösung
Managerhaftpflichtversicherer, die ihre Profitabilität verbessern müssen, sollten lieber auf höhere Prämien setzen, anstatt die Kapazität zu verknappen oder den Deckungsumfang stark einzuschränken, sagte Armin Beier-Thomas vom Makler Krose auf der Euroforum Haftpflichtkonferenz. Die Preise müssten aber angemessen bleiben, betonte er. Nach zwei Jahren steigender Preise und stark geschrumpfter Kapazitäten ist immer noch unklar, wie sich der D&O-Markt weiter entwickeln wird.
Ende des harten Haftpflichtmarktes absehbar
Kunden, Makler und Versicherer waren sich auf der Euroforum-Haftpflichtkonferenz einig: Die Phase steigender Preise und sinkender Kapazitäten wird in wenigen Jahren wieder zu Ende sein. In den nächsten zwei bis drei Jahren sieht die Welt für die Kunden wieder deutlich besser aus, erwartet etwa Thomas Haukje von Nordwest Assekuranzmakler. Stefan Horvath von der Axa rechnet damit, dass die Preise bei der übernächsten Erneuerung der Verträge in eine andere Richtung gehen werden. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Das US-Geschäft bleibt aufgrund steigender Haftungsrisiken weiter schwierig.
Wer vom Dual Pricing-Verbot in UK profitiert
Seit dem 1. Januar dürfen britische Versicherer Bestandskunden keine schlechteren Preise anbieten als Neukunden. Die Ratingagentur A.M. Best sieht das von der Finanzaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) angeordnete Verbot des sogenannten Dual Pricing für Privatkunden insgesamt positiv. Die Analysten erkennen aber auch Risiken. Am besten positioniert sieht A.M. Best Anbieter mit einer starken Marke und mit hohem Wiedererkennungswert, die in mehreren Sparten aktiv sind.
Die Hausaufgaben der Kreditversicherer
Die Kreditversicherer müssen noch viele Hausaufgaben machen, wenn sie auch in Zukunft relevant bleiben wollen, glaubt Burkhard Wittgen, Vorstandsmitglied bei Aon Credit Solutions. So fehle den Anbietern der Überblick, wie viel von ihren Exposures die Kunden tatsächlich nutzen. Mit diesen Informationen hätten die starken Limitkürzungen wie sie in der Corona-Krise vor Einführung des staatlichen Schutzschirms drohten, abgewendet werden können, sagte er bei einer Veranstaltung des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft. Momentan ist die Situation trotz Auslaufen des Schirms und einem erwarteten Anstieg der Insolvenzzahlen relativ entspannt.













