Herbert Frommes Kolumne Viele Versicherer und ihr Gesamtverband beschweren sich laut über die Qual, regelmäßig Solvenz-Berichte erstellen zu müssen. Das sei teuer, binde viel Managementkapazität und habe wenig Aussagekraft. Und wenn der Bericht dann mit viel Arbeit erstellt sei, lese kaum jemand ihn. Sie verlangen die Abschaffung oder auf jeden Fall die Verschlankung des Werkes. Ich glaube nicht, dass sich die Branche damit einen Gefallen tut. Mit dieser Art Transparenz sollten sie eigentlich gut leben können. In anderen Ländern geht die Politik viel robuster zu Werke: In Großbritannien sollen alle Schaden- und Unfallversicherer demnächst Zahlen zur Schadenfrequenz, zur Akzeptanz […]
Allgemein
Lohrmanns Verunsicherung CCLXXXI
An dieser Stelle nimmt sich unser Zeichner Konrad Lohrmann jeden Freitag ein Thema aus der Branche vor. Heute: D&O-Spezialisten gewinnen stark an Glaubwürdigkeit im Konzern.
HDI setzt auf automatisierte Cyber-Analyse
Der Industrieversicherer HDI Global setzt ab sofort ein Programm zur Analyse von Cybergefahren von Unternehmen ein. Cysmo wurde vom Hamburger IT-Beratungs- und Softwarehaus PPI entwickelt. Die Onlineanalyse soll in wenigen Minuten potenzielle Angriffspunkte aufzeigen, ohne dafür in die IT-Systeme einzudringen. Damit kann die Talanx-Tochter Unternehmenskunden zeigen, wie es um ihre Cybersicherheit bestellt ist. Matthias Müller, Mitglied der Geschäftsführung von PPI, warnt Cyberversicherer, bei Schäden zu restriktiv vorzugehen – sie würden sonst auf Dauer verlieren.
Munich Re beteiligt sich an KI-Forschungszentrum
Künstliche Intelligenz bleibt bei der Munich Re ein gefragtes Thema. Der Rückversicherer hat jetzt einen Anteil am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) erworben und wird damit gleichberechtigter Gesellschafter neben Microsoft, Google, SAP, VW, BMW und Bosch und anderen Unternehmen. Mit dem Einstieg beim DFKI wollen die Münchener laut Vorstand Torsten Jeworrek den Anspruch unterstreichen, eine Führungsrolle für künstliche Intelligenz in der Assekuranz zu übernehmen. Die Munich Re will bei der Entwicklung moderner Technologien stets vorne mitmischen, um möglichen Umsatzeinbrüchen im Kerngeschäft entgegenzuwirken.
SV und Sompo wollen Bauern gegen Dürre versichern
Ende 2018 hatten sich die SV Sparkassenversicherung und der Industrie- und Rückversicherer Sompo International zusammengetan, um innovative Lösungen für die deutsche Agrarwirtschaft zu entwickeln. Jetzt haben der öffentliche Versicherer und die Bermuda-Gesellschaft ein erstes Produkt auf den Markt gebracht: Eine parametrische Ernteausfallversicherung, die Landwirten eine bezahlbare Absicherung gegen Wetterextreme wie Trockenheit oder Frost bieten soll. Damit reagieren die beiden Versicherer auf die Diskussion um eine Dürreversicherung, die nach dem Hitzesommer 2018 aufgeflammt war.
Hanse Merkur greift in der Schweiz an
Die Hanse Merkur verkauft über ihre neue Liechtensteiner Tochter Hanse Merkur International AG ab sofort unter ihrer Marke Reiseversicherungen in der Schweiz. Die Finanzmarktaufsicht des Fürstentums hat der in Vaduz ansässigen Gesellschaft Anfang Januar 2019 die erforderliche Genehmigung erteilt. Bisher hatte die Hanse Merkur Reisepolicen in der Schweiz ausschließlich über einen lokalen Partner angeboten – die Schweizer Niederlassung des schwedischen Versicherers Solid Försäkring. Als Risikoträger fungierte dabei die Liechtensteiner Advigon Versicherung, die seit 2016 zur Hanse Merkur-Gruppe gehört.
Von der Automobilbranche lernen
Autohersteller produzieren ihre Fahrzeuge nur zu 25 Prozent selbst, 75 Prozent stammen von Zulieferern. Für Wolff Graulich, Vorstand beim Digitalversicherer Element, ist das ein Weg, den auch Versicherer einschlagen sollten. Element könne Versicherern dabei helfen, innovative Produkte zu entwickeln. Da das Unternehmen ein White Label-Anbieter ist und nicht unter eigenem Namen auftritt, macht es Versicherern nicht direkt Konkurrenz. Graulich erwartet, dass vor allem kleine und mittelgroße Versicherer bald solche Partnerschaften eingehen.
Dem Excel-Sheet den Kampf ansagen
Neue Technologien werden in der Industrieversicherung noch viel zu wenig eingesetzt, kritisiert Marcus Reichel, Risikomanager beim Baustoffhersteller Knauf. Die Versicherer nutzen vorhandene Daten zu wenig zum Nutzen der Kunden, sagte er auf der Euroforum Haftpflicht-Konferenz in Hamburg. Außerdem werde immer noch zu viel mit Excel-Dateien gearbeitet, das führe zu vielen Fehlern. Die öffentliche Ankündigung einiger Versicherer, die Prämien in der D&O-Versicherung zu erhöhen, hält er für den falschen Weg.
GVNW mit neuem Geschäftsführer
Leute – Aktuelle Personalien Reiner Siebert, ehemaliger Vorstand des Lufthansa-Versicherers Delvag, wird neuer zweiter Geschäftsführer des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW). Der 62-Jährige übernimmt die Position von Rüdiger Auras, der den Verband Ende 2018 verlassen hat und zum Großmakler Aon gewechselt ist. Siebert wird den Verband, der die deutsche Industrie in Versicherungsfragen vertritt, gemeinsam mit Geschäftsführer Jörg Henne leiten.
Mehr Proportionalität bei Solvency II gefordert
Experten sehen eine Reihe von Stellschrauben für eine Entlastung kleinerer Versicherer bei den Berichts- und Meldepflichten unter Solvency II. Die Meldung für das vierte Quartal sollte ersatzlos entfallen, sagte Maxym Shyian von der aktuariellen Beratungsgesellschaft MSK in Berlin. Außerdem könnten die jährlichen Solvency II-Berichte (SFCR) seiner Ansicht nach deutlich knapper gehalten werden, im derzeitigen Umfang gingen sie an den Interessen der Adressaten vorbei. Auch GDV-Präsident Wolfgang Weiler hatte sich auf der Jahrespressekonferenz des Verbands beklagt, dass das Interesse an den Berichten gering, der Aufwand aber hoch sei.
Friendsurance bündelt Bancassurance
Weil das Insurtech Friendsurance immer mehr Anfragen von Banken erhält, die seine White Label-Lösungen zur Versicherungsverwaltung nutzen wollen, hat das Berliner Unternehmen jetzt die Marke Friendsurance Business ins Leben gerufen. Darunter will der 2010 gegründete Online-Makler künftig seine Bancassurance-Aktivitäten bündeln. Bisher kooperiert das Unternehmen mit der Deutschen Bank und einem weiteren Partner, den Friendsurance aber noch nicht nennen will. Geschäftsführer und Mitgründer Tim Kunde will diesen Bereich ausbauen – auch international.










