Medienanalyse Angesichts rückläufiger Erträge und niedriger Kapitalrenditen stehen die deutschen Lebensversicherer unter beträchtlichem Druck, die hohen Garantieren vergangener Tage zu erwirtschaften. Das bringt manche Anbieter dazu, Kunden mit Altverträgen zur Kündigung aufzufordern. Dabei steht besonders das Talanx-Tochterunternehmen Neue Leben im Brennpunkt der Kritik. Der Versicherer wolle Kunden loswerden, die hochverzinste Altverträge haben, kritisiert der Marktwächter Finanzen. Daneben wird auch das Thema Run-off immer interessanter für manche Lebensversicherer. Die BaFin prüft Bestandübertragungen allerdings sehr genau.
Allgemein
Kabinett winkt Betriebsrentengesetz durch
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ohne wesentliche Änderungen beschlossen. Er soll die Verbreitung der bAV bei Geringverdienern und kleineren Unternehmen erhöhen. Unter anderem ist vorgesehen, dass Firmen für Betriebsrenten nicht haften müssen. Das gilt aber in erster Linie nur für tarifgebundene Unternehmen, wie die Grünen scharf kritisieren. Die vorgesehenen Möglichkeiten zur Ausweitung der Regelungen auf nichttarifgebundene Unternehmen reichen nach Ansicht der Partei nicht aus.
Munich Re: Gewerkschaftszoff um Aufsichtsrat
Die Gewerkschaften NAG und Verdi streiten um die Wahl der Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat der Munich Re. Verdi glaubt, dass die NAG-Vertreterin unberechtigt in dem Gremium sitzt und hat die Wahl angefochten. Jetzt hat die NAG aber einen kleinen Erfolg vor dem Arbeitsgericht München erreicht – das Anfechtungsverfahren wurde ausgesetzt. Möglicherweise erledigt sich die ganze Sache dadurch, dass 2018 ohnehin neu gewählt wird.
Führungsteam für Ergo Mobility Solutions benannt
Leute – Aktuelle Personalien Ergo hat ein vierköpfiges Führungsteam benannt, das Ergo Mobility Solutions leiten wird, die neue Tochter für internationale Kooperationen mit der Automobilindustrie und dem Fahrzeughandel. Zur Geschäftsführung gehören künftig Philipp Grosse Kleimann, Thorsten Liebert, Michael Müller und Jürgen Thiele. Sie berichten an Karsten Crede, Vorstand von Ergo Digital Ventures. Außerdem wird der bisherige Geschäftsführer von Marsh Frankreich Jochen Körner (Bild) Chief Risk & Specialities Officer von Marsh Deutschland.
Aktuar versus Pricing Specialist
Meinung am Mittwoch Die Digitalisierung eröffnet Versicherern eine Vielzahl von Chancen. Jedes Unternehmen muss eine passende Strategie entwickeln und diese auch umsetzen. Der Engpass sind hier nicht die Technik oder die Kosten. Es geht in erster Linie darum, die Mitarbeiter zu mobilisieren – die heutigen und die zukünftigen. Um junge Talente zu finden, müssen Versicherer umdenken. Das fängt bei der Berufsbezeichnung an – ein Pricing-Spezialist klingt attraktiver als ein Aktuar – geht aber noch viel weiter.
Terrorüberfall trifft auch Versicherer
Der schreckliche Terrorangriff auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am Montagabend mit bislang zwölf Toten und 48 Verletzten wird auch Auswirkungen auf Versicherer haben. Für die Personenschäden muss nach Meinung von Experten im Prinzip der polnische Versicherer des Lkw aufkommen, auch wenn der Wagen von einem Terroristen entführt wurde, wie die Ermittlungsbehörden bislang annehmen. Der GDV sieht dagegen die Verkehrsopferhilfe in der Pflicht. Für die Sachschäden treten die Sachversicherer der Unternehmen auf dem Weihnachtsmarkt ein, könnten aber den Kfz-Versicherer in Regress nehmen. Der Terrorversicherer Extremus erwartet ebenfalls Schäden aus dem Angriff.
A.M. Best: Pandemien und Zinsschock drohen
Die US-Ratingagentur A.M. Best hat die Zukunftsaussichten der globalen Versicherungswirtschaft analysiert. Schön ist das Ergebnis nicht. Zu den größten Risiken gehören mögliche Pandemien und die schwierigen Kapitalmärkte angesichts globaler Turbulenzen und angesichts der Zinsentwicklung – sowohl ein Andauern der Niedrigzinsen als auch Zinserhöhungen sind bedrohlich. A.M. Best glaubt, dass manche Versicherer ihre Schadenreserven bald wieder erhöhen müssen, nachdem sie jahrelang mit Hilfe der Auflösung von Reserven ihre Gewinne gestützt haben. Doch es gibt auch Chancen.
HUK-Coburg: Heitmann wird neuer Chef
Leute – Aktuelle Personalien Bei der HUK-Coburg zieht sich Vorstandssprecher Wolfgang Weiler Mitte kommenden Jahres in den Ruhestand zurück und übergibt den Chefposten an Klaus-Jürgen Heitmann. Er war bisher für das Kompositgeschäft des erfolgreichen Kfz-Versicherers verantwortlich. Heitmanns Aufgaben im Vorstand der HUK-Coburg übernimmt der bisherige Generalbevollmächtigte Jörg Rheinländer.
CSR – auch ein Thema für Versicherer
Legal Eye – Die Rechtskolumne Die EU zielt mit der Richtlinie 2014/95/EU zur Corporate Social Responsibility (CSR) vom 22. Oktober 2014 auf die Stärkung des Verantwortungsbewusstseins der großen Unternehmen für die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Gesellschaft ab. Größere Firmen von öffentlichem Interesse, zu denen auch die meisten Versicherer gehören, sollen unter anderem eine jährliche Erklärung zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung abgeben. Der deutsche Gesetzgeber steht mit der Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht kurz vor dem Abschluss. Deshalb wird es Zeit, ein Augenmerk auf die neuen Bestimmungen zu […]
Vernetzte Autos: Regelungsbedarf bei Haftung
Der Hamburger Anwalt für IT-Recht Philipp Kramer warnt vor einer unklaren Haftungssituation bei vernetzten Autos. Im schlimmsten Fall drohe Verbrauchern, dass sie auf einem Schaden durch einen Hackerangriff sitzen bleiben, behauptet er. Das könne passieren, wenn Fahrer eine Schadsoftware herunterladen, die einen Angriff ermöglicht. Nehmen solche Fälle zu, könnten Versicherer die Leistung aufgrund grober Fahrlässigkeit kürzen, glaubt Kramer. Nötig sei eine klare Regelung, inwiefern die Hersteller für Schäden verantwortlich sind, zu denen es im Zuge der zunehmenden Vernetzung kommen kann.
Stress statt Weihnachtsfeier
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Das Bundeskabinett berät voraussichtlich über das Betriebsrentenstärkungsgesetz.
Stresstest: Unangemessene Arroganz
Herbert Frommes Kolumne Die deutschen Versicherer reagieren mit scharfer Kritik auf den Stresstest der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa, der in Zusammenarbeit mit nationalen Aufsichtsbehörden erfolgte. Im Kern sagen GDV und Aktuarvereinigung, dass die testenden Behörden keine Ahnung vom Thema haben. Das ist kein sehr kluges Verhalten der Branche. Sie unterschätzt den politischen Charakter der Tests und der nachfolgenden Debatte. Die Versicherer lagen mit ihren langfristigen Zinserwartungen jahrzehntelang lang völlig daneben und gingen auf dieser Basis Milliardenverpflichtungen ein. Sie sollten deshalb vorsichtig damit sein, Aufsichtsbehörden „ökonomisch nicht begründbare Annahmen“ vorzuwerfen.











