Der Verkauf von Cyberdeckungen bleibt bislang hinter den Erwartungen der Versicherer zurück. Jetzt macht eine Studie der Unternehmensberatung KPMG der Branche Mut: Die Deckungen haben demnach das Potenzial, die Kfz-Versicherung als größte Sparte der Schaden- und Unfallversicherung abzulösen. Bis 2036 könnte das Prämienvolumen in Deutschland auf bis zu 20 Mrd. Euro steigen, so die Prognose. Das größte Wachstum sieht KPMG dabei nicht im Industriegeschäft, sondern im Privatkunden- und Kleingewerbe-Segment.
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Scor wächst in den USA
Der französische Rückversicherer Scor hat das Beitragsvolumen, das im Januar zur Erneuerung stand, in der Schadenrückversicherung um 5,4 Prozent gesteigert. Das Wachstum kommt vor allem aus den USA. Schaden- und Unfallchef Victor Peignet sagte, damit sei man auf Kurs, um die angepeilte Schaden-und Kostenquote sowie das erwünschte jährliche Beitragswachstum zu erreichen. Bei den Preisen musste Scor einen durchschnittlichen Rückgang um 0,6 Prozent hinnehmen. Peignet sagte, Preisdisziplin der Marktführer sei entscheidend, um unprofitable Bereiche ins Verdienen zu bringen.
Signal Iduna warnt vor Digital-Hype
Der mittelgroße Versicherer Signal Iduna will die Zusammenarbeit mit Insurtechs weiter ausbauen, sieht aber gleichzeitig Gefahren im Trend zur Digitalisierung der Gesellschaft. Nicht alles, was technisch machbar sei, sei auch wünschenswert, sagte Vorstandschef Ulrich Leitermann. An der Begrenzung des Online-Vertriebs will der Versicherer festhalten – nur bei wenigen Produkten wie der Reisekrankenversicherung will er den Direktabschluss ermöglichen, während auch bei der Kfz-Versicherung der Verkauf nur über Agenten und Makler möglich ist. Mit den Zahlen für 2016 ist Leitermann „einigermaßen zufrieden“. Der Sponsor des Stadions von Borussia Dortmund ist besorgt wegen der Fan-Krawalle gegen Anhänger des Rivalen RB Leipzig.
Munich Re setzt auf Innovation
Der Rückversicherer Munich Re muss sich weiter mit sinkenden Preisen im Kerngeschäft Rückversicherung herumschlagen. Das Unternehmen setzt für die Zukunft stark auf Innovationen und neue Geschäftsmodelle wie die Auswertung von Big Data, die sich eher in Gebühreneinnahmen als in Prämieneinnahmen auswirken. 2016 erzielte der Konzern geringere Prämieneinnahmen, auch der Gewinn liegt deutlich unter dem von 2015. Dennoch erhöht die Munich Re die Dividende, um Anleger gewogen zu halten.
Cyber: Schlechte Vorbereitung, viel Misstrauen
Viele Unternehmen in Deutschland sind schlecht auf Cyber-Angriffe vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Versicherers Hiscox. 62 Prozent der befragten deutschen Unternehmen stuft Hiscox als „Cyber-Anfänger“ ein, deutlich mehr als in den USA und Großbritannien. Dabei wurde mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen 2016 attackiert. Wenn Firmen keine Cyber-Police kaufen, hat das laut der Studie zwei Gründe: Entweder sie glauben, die Policen seien für sie nicht relevant, oder sie bezweifeln, dass der Versicherer im Schadenfall zahlen würde.
Verbände: Aufsicht soll Innovationen fördern
Die Vereinigung europäischer Versicherungsverbände fordert Aufsichtsregeln, die innovative digitale Geschäftsmodelle stärker fördern. Derzeit gebe es hier viele Hindernisse, heißt es in einem aktuellen Positionspapier der Vereinigung Insurance Europe. Als Beispiel nennt der Verband Vorgaben der Vermittlerrichtlinie IDD zum Online-Vertrieb. Fintechs und traditionellen Versicherern müsse es möglich sein, außerhalb der Grenzen des regulatorischen Regelwerks neue Ideen zu testen, so die Vereinigung. Auf diesem Weg könnten auch Stellen identifiziert werden, an denen bestehende Regeln Innovationen behindern.
Run-off: Darag rechnet mit Milliarden-Deals in 2017
In diesem Jahr wird in Europa erstmals ein mittelgroßer Versicherer einen Run-off Deal mit einem Volumen über 1 Mrd. Euro abschließen, erwartet der Run-off-Spezialist Darag. Insgesamt werde das Volumen der Transaktionen in der europäischen Schadenversicherung 2017 auf bis zu 8 Mrd. Euro anwachsen. 2016 gaben Versicherer Nichtleben-Bestände für insgesamt 4,4 Mrd. Euro in die Abwicklung. Arndt Gossmann, Vorstandsvorsitzender der Darag, stellt sich auf neue Konkurrenz ein. 2016 seien Anbieter bereits mit Kampfpreisen auf den Markt vorgedrungen.
Vitality: Mehr als Grünzeug und Körner
Endlich mal nicht mehr über Todesfall-Absicherung und Finanzierungsrisiken sprechen, sondern über ein neues Lebensgefühl und saftige Rabatte für Sport und Spaßartikel – so versucht die Generali-Tochter Dialog, ihre Makler für das neue Vitality-Programm zu begeistern. Schon mit der Ankündigung von Vitality sorgte die Generali für Aufregung und heftige Diskussionen. Der Versicherungsmonitor hat eine Veranstaltung der Dialog für ihre Makler besucht. Diskussionen gibt es auch hier genug – und am Ende sind längst nicht alle überzeugt.
Hannover Rück hebt Gewinnziel an
Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück hebt sein Gewinnziel für 2017 um 50 Mio. Euro auf mehr als 1 Mrd. Euro an. Unternehmenschef Ulrich Wallin begründete den Schritt mit dem erfolgreichen Abschluss mehrerer einträglicher Verträge aus der Personenrückversicherung. In der Schaden-Rückversicherung hat die Gesellschaft in der Januar-Erneuerungsrunde unter dem Strich zugelegt, weil die Nachfrage nach sogenannten strukturierten Rückversicherungsverträgen deutlich angezogen hat. Mit solchen Verträgen lässt sich der Kapitalbedarf unter Solvency II reduzieren.
Cyber: Die Bestandsaufnahme
Robert Parisi ist einer der weltweit führenden Experten für die Cyberversicherung. Als Senior Vice President und Chef der Sparte beim Makler Marsh in New York kennt er die Entwicklung des Marktes wie kein anderer. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor erläutert Parisi, wie sich der Markt entwickelt, warum die Preise nach unten gehen, welche Sorgen sich Versicherer und Kunden machen und was er ihnen rät, wenn sie sich zum ersten Mal mit diesem Geschäftsfeld befassen.









