Wohl in kaum einer Sparte ist die Deckungslücke so groß wie in der Cyberversicherung. Dennoch werde das Kapazitätsangebot vor allem aufgrund der Kumul-Problematik weiter nur in Maßen wachsen, erwartet Scor-Chef Thierry Léger. Der französische Rückversicherer muss derzeit seine Lebensrückversicherung sanieren. Ob es nach dem Halbjahresverlust für schwarze Zahlen am Jahresende reichen wird, ist noch unklar.
Nachrichten
Munich Re: Branche hat in der US-Haftpflicht versagt
Beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo sind die steigenden Schäden in der US-Haftpflichtversicherung ein großes Thema. Rück- und Erstversicherer haben in dem Bereich in den vergangenen Jahren einiges falsch gemacht, glaubt die Munich Re. Den Anbietern sei es nicht gelungen, Schaden- und Inflationstrends richtig einzuschätzen, monierte Vorstand Stefan Golling. Zudem hätten sie viel zu lange einen weichen Markt toleriert. Das könne nicht so weitergehen.
Makler fordern mehr Unterstützung für Ukraine
Die Makler- und Beratungskonzerne Aon und Marsh McLennan fordern von der globalen Erst- und Rückversicherungsbranche mehr Engagement, was die Unterstützung der Ukraine angeht. Insbesondere gehören pauschale Risikoausschlüsse abgeschafft, fordern die beiden Konkurrenten in einem konzertierten Aufruf an die Branche. Oft würden Ukraine-Risiken sowie Risiken mit Bezug zu Russland und Weißrussland in einen Topf geworfen werden, kritisieren sie.
Soziale Inflation führt zu Kapazitätsengpässen
Der Trend zu immer höheren Schadenersatzurteilen vor Gericht treibt die US-Haftpflichtschäden immer weiter in die Höhe. Unternehmenskunden müssen in der Folge nicht nur mehr für ihre Haftpflichtversicherungen zahlen, sondern leiden auch unter schrumpfenden Kapazitäten, zeigt eine Studie des Rückversicherers Swiss Re. Die sogenannte soziale Inflation ist vor allem in den USA ein Problem, aber auch in Großbritannien, Australien, und Kanada und einigen europäischen Ländern auf dem Vormarsch, berichten die Swiss Re-Experten Jérôme Jean Haegeli (links) und Gianfranco Lot beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo.
Hendriks verlässt Aon
Leute – Aktuelle Personalien Der Großmakler Aon verliert nach Informationen des Versicherungsmonitors einen langjährigen Geschäftsführer. Michael Hendriks verlässt das Unternehmen nach knapp 20 Jahren. Außerdem: In Andreas Bergler hat der Rückversicherungsmakler Guy Carpenter einen erfahrenen Senior Broker für sich gewonnen. Personelle Neuigkeiten gibt es auch im Vorstand des Münsteraner Maklerpools PMA, der Kommunikationsabteilung des Industrieversicherers MSIG Insurance Europe sowie dem Underwriting-Team von US-Versicherer Markel.
Munich Re: „Die KI wird immer Fehler machen“
Künstliche Intelligenz (KI) wird in immer mehr Unternehmen genutzt und auch für kritische Entscheidungen eingesetzt. Deswegen erwartet der Rückversicherer Munich Re, dass bald erste Schäden aus Sammelklagen auftreten könnten, weil die KI Fehler gemacht hat. Sie sind in traditionellen Policen nicht explizit abgedeckt, was zu Unsicherheiten über den Versicherungsschutz führen kann – Stichwort „Stille KI“. Auch Ausschlüsse auf Seiten der Versicherer sind zu erwarten, glaubt Alexandra Matthews von Munich Re.
GVNW: Datenplattform sucht Geldgeber
Die vom Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) initiierte Datenaustauschplattform für die Industrieversicherung steht vor einer entscheidenden Hürde. In den kommenden Monaten müssen der GVNW und seine Mitstreiter genügend Geldmittel für den Aufbau der Plattform einwerben. Der Verein, der die Plattform betreiben soll, soll bis zum Jahresende gegründet werden. Die Hauptlast bei der Finanzierung sollen die Versicherer tragen.
Die Woche in Bildern 36/2024
Woche in Bildern Die Bergung der vor Helgoland gesunkenen zweigeteilten „Verity“, der entgleiste Güterzug vor der mexikanischen Stadt Juárez , die vielleicht größte schwimmende Solaranlage Deutschlands auf dem Cottbuser Ostsee, der massive Erdrutsch in dem kalifornischen Küstenort Rancho Palos Verdes und der durch den Taifun „Yagi“ ausgelöste Erdrutsch auf den Philippinen: In unserer Woche in Bildern stellen wir Eindrücke der vergangenen sieben Tage zusammen.
AIG-Manager Lillelund wird AGCS-Chef
Exklusiv Thomas Lillelund, zurzeit Europachef bei AIG, soll nach Informationen des Versicherungsmonitors Chef des Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) werden. Die Allianz wollte dazu nicht Stellung nehmen. Bis Anfang August war Petros Papanikolaou CEO der AGCS. Er wurde abberufen, bleibt aber im Konzern. Aktuell führt Chris Townsend, Vorstandsmitglied der Allianz SE und dort für die Industrieversicherung zuständig, zusätzlich die AGCS.
Knackpunkt risikobasierte Prämie
Eine Versicherungspflicht für Hausbesitzer gegen Naturgefahren wäre aus juristischer Sicht ein erheblicher Eingriff. Ein solcher Schritt müsste gut begründet und die Ausgestaltung etwa im Hinblick auf die Prämienkalkulation angemessen sein, sagte Christoph Küppers von Hogan Lovells International LLP auf einer Veranstaltung in Berlin. Christian Otto vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sprach über den Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Extremwetterereignissen.
Haftpflicht: Keine Prämieneinsparungen wegen PFAS
Nach einigen Jahren des harten Marktes zeigen sich in der industriellen Haftpflichtversicherung wieder Entspannungstendenzen bei den Preisen. Darüber waren sich Expertinnen und Experten beim Spartendialog Haftpflichtversicherung auf dem Symposium des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft einig. Allerdings gibt es Ausnahmen. Für Gesprächsbedarf zwischen Industrie, Maklern und Versicherern sorgen die sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS und die EU-Regulatorik.
Aon: Delle im Service
Exklusiv Dass immer mehr deutsche Unternehmen lieber im Ausland investieren und Produktionsstätten dorthin verlagern, bekommen auch Makler immer stärker zu spüren. Sie kommen mit dem Service kaum noch hinterher und müssen ihre Auslandsnetzwerke aufstocken. Auch der Großmakler Aon will sechs Stellen in der Auslandskoordination anbauen, berichten Deutschlandchef Kai-Frank Büchter (Bild rechts) und Vize Hartmuth Kremer-Jensen im Interview mit dem Versicherungsmonitor. Außerdem reden sie über künstliche Intelligenz, die neue Datenplattform des GVNW und ESG-Versäumnisse der Versicherer.
Lloyd’s: Kein Spielraum für einen weichen Markt
Exklusiv In der Industrie- und auch der Rückversicherung sehen Experten schon erste Anzeichen für einen weichen Markt. Burkhard Keese, Finanzchef beim Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s, widerspricht. Solange die Investoren nicht ausreichend entlohnt wurden und kein frisches Kapital in den Markt fließt, sieht er keine Abwärtstendenz bei den Preisen – jedenfalls keine, die Lloyd’s bereit wäre, mitzumachen, erklärt er im Interview mit dem Versicherungsmonitor.
Buberl: Raus aus Preiserhöhungsspirale
Versicherer und ihre Industriekunden müssen angesichts neuer systemischer Risiken wie Cyber oder Pandemien viel mehr Geld und Energie in präventive Maßnahmen stecken statt sich auf der einen Seite über steigende Preise zu ärgern oder auf der anderen Seite mit Ausschlüssen zu reagieren. Das sagte Axa-Chef Thomas Buberl auf dem Symposium des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft in München. Eine gute Lösung sieht er in Public-Private-Partnerships zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft.













