Der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) kritisiert Karl Lauterbachs Vorschlag zur geplanten Krankenhausreform erneut scharf. Der Bundesgesundheitsminister will die bisher üblichen Fallpauschalen an vielen Stellen durch sogenannte Vorhaltepauschalen ablösen. Ein solches Abrechnungssystem führe jedoch nicht zu weniger ökonomischem Handeln in den Kliniken, sondern setze starke Fehlanreize und berge die Gefahr der Unterversorgung, warnt der PKV-Verband in einem aktuellen Gutachten.
Nachrichten
Linke: Höhere Rentenbeiträge statt Aktienrente
Für eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung kommt die FDP-Aktienrente zu spät, stattdessen sollte der Beitragssatz angehoben werden. Das fordert die Bundestagsfraktion der Partei Die Linke in einem Antrag. Die Abgeordneten sprechen sich außerdem für die Abschaffung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge und eine Überführung der Mittel in die Rentenversicherung aus. Und: Der maximale Beitragssatz soll steigen. Das Rentenniveau soll auf „lebensstandardsichernde“ 53 Prozent angehoben werden.
Industrie will mehr Captives in Deutschland
Das Interesse an der Selbstversicherung war bei deutschen Unternehmen lange nicht so hoch wie zurzeit. Die Hürden zur Gründung einer Captive sind allerdings hoch. Dazu kommt, dass Deutschland als Standort für neue Captives praktisch keine Rolle spielt, anders als Luxemburg, Irland oder Malta. Das würde der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) gerne ändern und plant, das Gespräch mit der Politik zu suchen. Auftrieb geben die vor Kurzem in Frankreich eingeführten Erleichterungen für Captives.
Rückversicherer bekommen Konkurrenz
Mit Alpine Re und Mereo Advisors schicken sich laut Medienberichten gleich zwei neue Rückversicherungs-Start-ups an, von den hohen Preisen im Markt zu profitieren. Mit prominenter Unterstützung von Branchengrößen wollen sie jeweils 1 Mrd. Dollar von Investoren einsammeln. Ratingagenturen warnen davor, dass ein Zufluss frischen Kapitals in den Markt die Preise ab 2025 wieder aufweichen könnte.
Scor bleibt bei Naturkatastrophen vorsichtig
Nach hoher Schadenbelastung in den vergangenen Jahren ist dem Rückversicherer Scor die Lust an Naturkatastrophenrisiken sichtlich vergangen. Im kommenden Jahr wollen die Franzosen wieder etwas mehr Kapazitäten bereitstellen, versprachen der neue Vorstandsvorsitzende Thierry Léger (Bild) und Jean-Paul Conoscente, Chef der Schaden- und Unfallrückversicherung, beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo. Frequenzschäden im Bereich der sogenanten Secondary Perils sollen künftig vor allem Sache der Erstversicherer sein. Für 2024 erwartet Scor weiter steigende Preise in der Rückversicherung.
Munich Re: Wir lieben Naturkatastrophendeckungen
Noch nie gingen die Meinungen der Rückversicherer so weit auseinander, was den richtigen Umgang mit Naturkatastrophenrisiken angeht. Während einige Anbieter die Gefahren wegen der hohen Volatilität am liebsten gar nicht mehr in den Büchern haben wollen, bauen andere ihr Geschäft fleißig aus, um von den hohen Preisen in dem Bereich zu profitieren. Auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat große Lust das Geschäft, betont Vorstand Thomas Blunck – wie auch auf Cyberrisiken. Nicht geheuer sind dem Rückversicherer dagegen der Haftpflichtmarkt in den USA.
Marokko-Beben trifft Rückversicherer kaum
Am Freitag wurde Marokko von einem heftigen Erdbeben erschüttert. Über 2.000 Menschen starben durch die Erdstöße südlich von Marrakesch, zahllose Häuser und Kulturdenkmäler stürzten ein. Das Beben wird dennoch nicht zu einem Großschaden für die Versicherungs- und Rückversicherungsbranche führen. Die Versicherungsdurchdringung in dem Land ist gering. Es gibt zwar staatliche Katastrophenfonds, aber die sind mit vergleichsweise schmalen Mitteln ausgestattet.
Große Bühne für Rückversicherer
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Das traditionelle Rückversicherungstreffen „Rendez-Vous de Septembre“ in Monte Carlo und der Capital Markets Day der Deutschen Familienversicherung
Gothaer regelt Kurtenbach-Nachfolge
Leute – Aktuelle Personalien Der Kölner Versicherer Gothaer hat Alina vom Bruck zur designierten Nachfolgerin des langjährigen Lebensversicherungs-Vorstands Michael Kurtenbach ernannt. Sie soll den Chefposten im Juli 2024 antreten, wenn Kurtenbach sich in den Ruhestand verabschiedet. Außerdem: Der Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht tritt überraschend zurück, und die Axa XL hat einen neuen Chief Client Officer. Neues gibt es außerdem bei dem Maklerpool Fonds Finanz, dem Lebensversicherer Swiss Life, dem Rückversicherer der Vienna Insurance Group und dem amerikanischen Branchenverband RAA.
Mauthe: Industrieversicherungs-Preise bleiben hoch
Die Preissteigerungen in der Industrieversicherung fallen nicht mehr so drastisch aus, wie in den Vorjahren, das Niveau der Prämien werde aber noch auf Jahre hoch bleiben, prognostizierte Hans-Jörg Mauthe vom Industrieversicherer Allianz Commercial auf der Jahreskonferenz des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW). GVNW-Chef Patrick Fiedler widersprach. In zwei Jahren werde es wieder einen weichen Markt geben. Einig waren sich beide Seiten darin, dass der Branche mehr Diversität gut täte.
Dräger: Es gibt keinen Weg zurück aus der Captive
Klimawandel, Energiewende, digitale Transformation – die deutsche Industrie steht vor zahlreichen Herausforderungen. Diese können nur mithilfe massiver Investitionen in Innovation bewältigt werden. Industrieversicherer sollen das unterstützen, indem sie Risiken mit maßgeschneiderten Policen absichern. Nicht immer funktioniert das, berichtet Stefan Dräger, Chef des Medizinprodukte- und Sicherheitshersteller Dräger, auf der Jahrestagung des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft. Massive Prämienerhöhungen und geringere Deckungsstrecken könnten Dräger dazu bringen, über Alternativen zum Versicherungsschutz, etwa eine Captive, nachzudenken.
Fitch: Bessere Aussichten für Rückversicherer
Die Ratingagenturen sehen die Rückversicherer wieder in einem positiveren Licht. Fitch hat den Ausblick für die Branche von „neutral“ auf „improving“ hoch gesetzt. Zuvor hatte bereits Konkurrent Standard & Poor’s sie mit einer besseren Bewertung versehen. Grund sind die besseren Ertragsaussichten durch weiter steigende Preise. Fitch glaubt, dass die Rückversicherer davon auch im kommenden Jahr noch profitieren werden. 2025 könnte der Markt durch den Zufluss von Kapital allerdings wieder aufweichen, fürchten die Analysten.











