Versicherer
Corona: So kommen Versicherer ihren Kunden entgegen
Viele Menschen leiden in der Corona-Krise unter finanziellen Engpässen. Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmer spüren die wegbrechenden Umsätze, und viele Angestellte haben Gehaltseinbußen infolge von Kurzarbeit oder wegfallenden Zweitjobs. Vor allem die vergleichsweise hohen monatlichen Beiträge für Lebens-, Kranken- und Berufsunfähigkeitspolicen erweisen sich in der aktuellen Situation schnell als problematisch. Eine Reihe von Versicherern hat ihren Kunden bereits zugesagt, je nach Versicherungsart die Beiträge auf Antrag zu stunden oder ihnen anderweitig entgegenzukommen. Dazu zählen Allianz, Debeka, HDI, R+V und VGH. Einige Gesellschaften arbeiten noch an entsprechenden Lösungen.
Südvers rechnet mit Sammelklagen nach Corona
Wenn Geschäftsführer Florian Karle derzeit in seinem Büro beim Makler Südvers sitzt, ist er ziemlich allein. Neun von zehn Mitarbeitern sind aktuell im Homeoffice. Auf die Handlungsfähigkeit des Unternehmens habe das aber keinen Einfluss. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor berichtet er außerdem, was er selbst aktuell am meisten vermisst, wie Risikomanagement bei Unternehmen an Bedeutung gewinnt und warum er Sammelklagen im Bereich Betriebsunterbrechung erwartet.
Kreditversicherer: Bund gibt 30 Mrd. Euro Rückdeckung
Die Bundesregierung will deutschen Kreditversicherern und damit ihren Kunden mit einer Rückdeckungsversicherung von 30 Mrd. Euro unter die Arme greifen. Das bestätigten hochrangige Branchenvertreter dem Versicherungsmonitor auf Nachfrage. Der Staat verhindert damit, dass reihenweise Lieferanten nicht mehr in der Lage sind, ihre Waren auszuliefern. Die Zustimmung der EU-Kommission steht noch aus.
BaFin-Frist drängt Reiseveranstalter
Der Reiseveranstalter TUI und die Rewe-Tochter DER suchen unter Zeitdruck nach einer Lösung, um ihren Insolvenzschutz für Pauschalreisen abzusichern. Bis zum 28. April muss der Deutsche Reisepreis-Sicherungsverein (DRS), über den der Schutz läuft, ein Finanzierungskonzept bei der BaFin vorlegen. TUI und DER erwägen daher, ihre Beteiligung am DRS auszuweiten. Alternativ kommt eine Lösung über Rückversicherer infrage. Offenbar hatte TUIs Ankündigung, wegen der Corona-Krise Staatshilfen zu beantragen, die Lage verschärft. Die Pauschalreise-Betriebserlaubnis der TUI sei nicht in Gefahr, betonte der Konzern.
Coya-Vorstandsfrau wechselt zu SDA
Leute – Aktuelle Personalien Einmal Insurtech und (fast) zurück: Laura Kauther, bislang im Vorstand des Berliner Digitalversicherers Coya tätig, wechselt ebenfalls in Vorstandsposition zur Service-Plattform SDA, an der unter anderem die Allianz, die Signal Iduna und die Debeka beteiligt sind. Sie ist ab sofort für die Geschäftsentwicklung, Marketing und Vertrieb zuständig. Die Aktuarin hat auch reichlich Erfahrung in der traditionellen Versicherungswirtschaft, sie war vor Coya zehn Jahre lang bei der Zurich.
Mäßige Beitragssteigerungen, maue Transparenz
In den vergangenen 20 Jahren haben die privaten Krankenversicherer (PKV) in der Vollversicherung ihre Beiträge für Angestellte im Schnitt um 3,76 Prozent pro Jahr angehoben, bei den Beamten waren es 2,94 Prozent. Das zeigt der aktuelle Map-Report zum PKV-Rating. Allerdings rücken immer weniger Anbieter ihre Daten für die Untersuchung heraus. Die mangelnde Transparenz der Branche wird zum Dauerärgernis für die Macher des Map-Reports. Nach ihrer Einschätzung wird sich die Corona-Krise kaum auf die PKV-Beiträge auswirken.
Gastronomen und Hoteliers schreiben Brandbrief
Durch die behördlich angeordnete Schließung von Restaurants und Hotels aufgrund der Corona-Krise sind die Umsätze der Inhaber von einem Tag auf den anderen radikal eingebrochen. Umso größer ist der Ärger über Versicherer, die den Schaden durch die Betriebsschließung nicht ausgleichen wollen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein hat 20 Versicherer angeschrieben und aufgefordert, Farbe zu bekennen – bisher mit gemischtem Erfolg.
Ärzte: PKV in die Pflicht nehmen
Niedergelassene Ärzte fordern, dass sich die privaten Krankenversicherer (PKV) an Stützungsmaßnahmen für Praxen beteiligen, die durch die Corona-Krise finanzielle Einbußen erleiden. Es mache keinen Sinn, im ambulanten Bereich lediglich die gesetzlichen Krankenkassen heranzuziehen, finden die Ärzte. Zudem sei die Begrenzung der PKV-Hilfen auf den Krankenhaussektor nicht gerecht. An der Finanzhilfe für die Kliniken beteiligt sich die PKV mit insgesamt 290 Mio. Euro.
HUK-Coburg erwartet „spürbaren Rückgang“
Die Pandemie-Krise wird wahrscheinlich bei Deutschlands größtem Autoversicherer HUK-Coburg 2020 zu einem spürbaren Rückgang im Kfz-Neugeschäft führen. Das sagte Konzernchef Klaus-Jürgen Heitmann in einer Telefonkonferenz zum Jahresergebnis. Gleichzeitig werde der rückläufige Verkehr zu weniger Schadenmeldungen in der Sparte führen. Die HUK-Coburg konnte 2019 ihre führende Position in der Kfz-Versicherung halten. Die Zahl der versicherten Fahrzeuge stieg von 12 Millionen auf 12,4 Millionen.
Corona-Roundup: MSK, Partner Re, ABI
Die Corona-Epidemie hat komplexe Folgen für die Versicherungswirtschaft, deshalb sind die Gesellschaften gut beraten, sie genau zu analysieren. Das empfiehlt Meyerthole Siems Kohlruss (MSK). Die Beratungsgesellschaft sieht auch positive Nebeneffekte wie weniger Unfallschäden. In Frankreich hält Versicherer Covéa an der Übernahme von Partner Re fest, wohingegen der Rückversicherer Scor die Begebung einer neuen Katastrophenanleihe vertagt. In Großbritannien wiederum betont der Versichererverband ABI, dass die umfassende Versicherung von Betriebsunterbrechungen in Folge von Epidemien nur unter Beteiligung des Staats funktionieren kann.
AGCS ernennt erstmals Chief Data Officer
Leute – Aktuelle Personalien Der Allianz-Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) ernennt erstmals einen Chief Data Officer. Ali Shahkarami, 46, (Bild) übernimmt die neue Position zum 1. April. Er wird für die Entwicklung und die Umsetzung der Daten-Strategie des Unternehmens verantwortlich sein, teilt AGCS mit. Außerdem: Die Berliner Ideal verliert Vorstand Arne Barinka und die Munich Re muss einen neuen Compliance-Chef suchen. Klaus Zehner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der SV Sparkassenversicherung, geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Ralph Eisenhauer.
Provinzial-Fusion soll sich schnell rechnen
Exklusiv Die Gesamtkosten der Fusion der beiden Provinzial-Gesellschaften in Münster und Düsseldorf sollen sich auf bis zu 232 Mio. Euro belaufen, aber durch Kostensenkungen und höhere Erträge in fünf Jahren eingespielt worden sein. Das geht aus den Fusionsdokumenten hervor, die dem Versicherungsmonitor vorliegen. Fusionsbedingt sollen in sieben Jahren 260 bis 340 der 5.200 Vollzeitstellen wegfallen. Das Unternehmen will an allen Standorten festhalten. Die beiden Provinzial-Sachversicherer werden sofort fusioniert, die Lebensversicherer möglicherweise später. In der Frage der Bewertung kann es noch Bewegung geben.
Der Bauplan der Provinzial-Fusion
Exklusiv Versicherungsmonitor-Analyse Die geplante Fusion von Provinzial Nordwest in Münster und Provinzial Rheinland in Düsseldorf ist einer der größten Zusammenschlüsse in der deutschen Versicherungswirtschaft der vergangenen Jahre – und er ist hoch umstritten. Beide gehören zum Sparkassenlager, haben aber auch große Anteilseigner bei den Kommunen, die Gewerkschaft Verdi ist gegen den Zusammenschluss. Die Fusionsdokumente, die mehr als 100 Seiten umfassen und dem Versicherungsmonitor vorliegen, sind deshalb gleichzeitig ein Bauplan für den neuen Konzern und eine politische Stellungnahme. Wir analysieren das gigantische Vorhaben.
OVB rechnet mit Umsatzrückgang durch Corona
Der Kölner Finanzvertrieb OVB zeigt sich mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden. Der Umsatz wuchs zweistellig auf knapp 258 Mio. Euro, das Geschäft legte insbesondere in den Märkten außerhalb Deutschlands teils kräftig zu. Das laufende Jahr dürfte daran voraussichtlich nicht anknüpfen können. Firmenchef Mario Freis hält einen spürbaren Erlösrückgang durch die Corona-Krise für wahrscheinlich.













