Die erfolgsverwöhnte Allianz hat im zweiten Quartal 2016 deutlich weniger verdient als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Mit 1,1 Mrd. Euro war der Nettogewinn um 46 Prozent niedriger. Vorstandschef Oliver Bäte machte dafür hohe Schäden aus Naturkatastrophen sowie bereits gebuchte Belastungen aus dem geplanten Verkauf der südkoreanischen Lebens-Tochter verantwortlich. Am operativen Gewinnziel von 10 Mrd. Euro bis 11 Mrd. Euro für das volle Jahr 2016 hält Bäte fest. Übernahmen prüft die Allianz. Wenn es keine lohnenden Ziele gibt, will der Vorstand auch über Aktienrückkäufe oder Sonderdividenden Geld an Aktionäre zurückgeben. Dennoch verlor die Aktie am Vormittag deutlich.
Versicherer
Axa bleibt größter europäischer Versicherer
Die Axa blieb 2015 der größte europäische Versicherer und konnte die Führung mit 92 Mrd. Euro gegenüber der Allianz mit 77 Mrd. Euro sogar ausbauen. Auf Platz drei lag die Generali (74 Mrd. Euro), gefolgt von Prudential (51 Mrd. Euro) und Zurich (44 Mrd. Euro). Zusammengetragen hat die Daten der Madrider Versicherer Mapfre, die Nummer zehn auf dem Kontinent und sechster unter den Schaden- und Unfallversicherern, wie man den ausführlichen Tabellen der spanischen Gesellschaft entnehmen kann.
S&P: Versicherer scheuen höhere Risiken
Die niedrigen Zinsen setzen die Versicherer zunehmend unter Druck. Die Befürchtungen einiger Experten, dass die Gesellschaften zu einer riskanteren Kapitalanlage übergehen könnten, haben sich bisher allerdings nicht bewahrheitet. Laut einer Analyse der Ratingagentur Standard & Poor’s haben sich die Anlageschwerpunkte westeuropäischer Versicherer in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert. Stattdessen setzen die Unternehmen auf veränderte Produkte.
Moody’s: Regeln für systemische Versicherer positiv
Nach Solvency II kommen auf die großen international tätigen Versicherer in den kommenden Jahren weitere Regulierungsvorhaben zu. Bis 2019 will die internationale Vereinigung der Versicherungsaufseher Regeln für die derzeit neun Versicherungsriesen mit systemischer Bedeutung für das globale Finanzsystem vorlegen. Ein Jahr später sollen Vorgaben für die rund 50 wichtigsten international tätigen Anbieter folgen. Die Ratingagentur Moody’s glaubt, dass vor allem das erste Projekt gute Erfolgsaussichten hat.
Axa mit hohen Katastrophenschäden
Hohe Schäden durch die Überschwemmungen in Frankreich, Deutschland und Belgien sowie die Terroranschläge in Belgien haben den französischen Axa-Konzern im ersten Halbjahr 2016 belastet. Der Verkauf von Immobilien in New York und positive Steuereffekte haben dem Versicherer dennoch zu einem Gewinnplus von 4 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro verholfen. Obwohl er erst im September offiziell die Nachfolge von Chef Henri de Castries antritt, präsentierte Thomas Buberl bereits die Ergebnisse des Konzerns.
Insurtechs: Vorsicht, gefährlich!
Innovative Insurtechs könnten in der Versicherungswirtschaft den Kuchen neu unter sich aufteilen – zulasten der etablierten Versicherer. Das zeigt eine gemeinsame Studie der Managementberatung Oliver Wyman und dem Zweitmarktanbieter Policen Direkt. Das Phänomen Insurtech zu verharmlosen ist gefährlich, warnen die Autoren. Kommt es in der Branche durch attraktive Angebote zu Oligopol- oder Monopolbildungen der Start-ups, könnte das zu einer echten Bedrohung für etablierte Versicherer werden. Wenig Erfolg haben die Insurtechs bislang mit innovativen Versicherungsangeboten, also im Kerngeschäft der Versicherer. Die Studie zeigt, welche Start-ups Versicherer auf dem Schirm haben sollten.
Swiss Re: Versicherungsvereine auf dem Vormarsch
Seit Ende des 20. Jahrhunderts befanden sich die weltweiten Marktanteile von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit im Sinkflug. Seit der Finanzkrise hat sich das gewandelt. Die Gesellschaften, die keine Aktionäre haben, sondern ihren Kunden gehören, erhalten laut einer aktuellen Analyse des Rückversicherers Swiss Re wieder mehr Zuspruch. Neue Kapital- und Governance-Anforderungen wie Solvency II und die Digitalisierung stellen die Unternehmen allerdings vor Herausforderungen.
Bäte: Allianz wird wichtige Rolle spielen
Mit der wachsenden Beliebtheit von Carsharing und selbstfahrenden Autos wird sich die Kfz-Versicherung grundlegend verändern, sagte Allianz-Chef Oliver Bäte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Versicherer werden durch selbstfahrende Autos aber nicht überflüssig, glaubt er. Die Allianz werde in dem Bereich auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Bäte gab das Interview zusammen mit Rocket Internet-Chef Oliver Samwer, mit dem er sich bei der Modernisierung des Allianz-Konzerns eng austauscht.







