Eiopa veröffentlicht Klima-Stresstest

Ein abrupter Anstieg des CO2-Preises mit dem Ziel einer Reduzierung der Erderwärmung hätte empfindliche Auswirkungen auf europäische Pensionseinrichtungen. Über ihre Investitionen in Unternehmen aus emissionsintensiven Branchen könnte ihre aggregierte Kapitalanlage 12,9 Prozent an Wert verlieren. Das ist das Ergebnis des Stresstests der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa. Weil in dem Szenario auch die Verpflichtungen zurückgehen, halten sich die Auswirkungen auf den Deckungsgrad aber in Grenzen.

Nachhaltigkeitsrisiken: Das will Eiopa wissen

Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa hat ein Diskussionspapier zu Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht, zu dem sich interessierte Unternehmen und Verbände bis zum 5. März 2023 äußern können. Darin skizziert die Behörde, wie sie bewerten will, ob Erleichterungen bei den Eigenkapitalregeln Solvency II in Bezug auf Investments oder andere Aktivitäten der Versicherer im Umwelt- oder Sozialbereich gerechtfertigt sind.

S&P sorgt sich um illiquide Investments

Weil die Zinsen in den vergangenen Jahren niedrig waren, haben einige Lebensversicherer verstärkt in illiquide Vermögenswerte wie Private Equity, Private Debt und Derivate investiert. Die Ratingagentur S&P fürchtet, dass es aufgrund steigender Insolvenzzahlen hier zu Ausfällen kommen kann, was die Versicherer zu Abschreibungen zwingen könnte. Um die Liquidität der europäischen Versicherer machen sich die Analysten keine Sorgen. Einen Liquiditätsschock wie ihn die Pensionsfonds in Großbritannien erlebt haben, hält auch Eiopa-Chefin Petra Hielkema für unwahrscheinlich. Gefahren sieht sie eher durch eine Veränderung im Verhalten der Verbraucher.

Grund: Versicherer sturmfest machen

Die steigende Inflation stellt insbesondere Schaden- und Unfallversicherer vor große Herausforderungen. Angesichts zunehmender Schadenaufwendungen müssten die Unternehmen noch in diesem Jahr ihre Schadenrückstellungen erhöhen, forderte BaFin-Versicherungsaufseher Frank Grund bei der Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht in Bonn. Die Behörde werde das überprüfen, betonte er. Aber auch bei Kranken- und Lebensversicherern sieht er Handlungsbedarf.

Eiopa drängt auf mehr Einheitlichkeit

Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa will dafür sorgen, dass die Eignungsprüfung von Führungskräften und Besitzern von Versicherern in den EU-Mitgliedsstaaten möglichst einheitlich abläuft. Dazu hatte sie vor rund zwei Jahren 78 konkrete Handlungsempfehlungen an 28 nationale Aufseher geschickt. Davon sind bisher nur 47 Maßnahmen komplett umgesetzt worden, moniert Eiopa. Insgesamt attestiert sie den Behörden aber eine Verbesserung ihrer Aufsichtspraxis.

Hielkema: „Proportionalität ist der Schlüssel“

Firmeneigene Versicherer, die sogenannten Captives, klagen ebenso wie kleine Versicherer darüber, dass sie die regulatorischen Anforderungen des Solvency II-Regelwerks überfordern. Petra Hielkema, Vorsitzende der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa, betonte auf dem Ferma-Forum in Kopenhagen mit Blick auf die laufende Solvency II-Überprüfung, dass der Grundsatz der Proportionalität bei der Captive-Regulierung künftig stärker zum Tragen kommen soll.

Eiopa vor Kampagne gegen unfaire Preise

Die EU-Aufsicht macht ernst. Eiopa will in den kommenden Monaten die Meinung von Marktteilnehmern zu unfairen Preisunterschieden erfragen und auf die Auswertung der Ergebnisse reagieren. Es geht um den Vorwurf, dass Versicherer bei treuen Kunden, die wahrscheinlich nicht kündigen, die Preise eher erhöhen als bei umkämpften Neukunden. Die Behörde glaubt, dass manche dieser Praktiken „nicht mit den gesetzlichen Vorschriften übereinstimmen und zu einer unfairen Behandlung von Kunden führen“.

Finanzministerium sieht Provisionsrichtwert kritisch

Die Ankündigung der BaFin, an einem Provisionsrichtwert für Lebensversicherungen zu arbeiten, stößt beim Bundesfinanzministerium auf wenig Gegenliebe. Die Passage des Versicherungsaufsichtsgesetzes, auf die sich die Behörde dazu beziehen will, diene nur dazu, Fehlanreize und Interessenkonflikte zu vermeiden, nicht einen Provisionsdeckel durch die Hintertür einzuführen, betonte der parlamentarische Staatssekretär Florian Toncar (FDP) auf der Versicherungsregulierungs-Konferenz des GDV. Rückendeckung bekommt die BaFin von Eiopa-Chefin Petra Hielkema.

KI-Nutzung: Der kulturelle Wandel fehlt

Versicherer, die künstliche Intelligenz (KI) nutzen, haben einen Wettbewerbsvorteil. Davon zeigten sich Experten bei einer Fachveranstaltung der Süddeutschen Zeitung überzeugt. Einige Gesellschaften stehen sich jedoch selbst im Weg. Bei vielen sei der kulturelle Wandel noch nicht erfolgt, konstatierte Angelika Cilek vom Cloud-Dienstleister Amazon Web Services. Auf die Allianz trifft das nach Ansicht von Wolfgang Hauner, Leiter der Group Data Analytics, nicht zu. Der Konzern sieht sich beim Thema KI führend in Europa.

Friederike Krieger

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

 Was die Woche bringt  An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Fachkonferenz der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu künstlicher Intelligenz und Data Analytics, Insurtech-Messe Digital Insurance Agenda, Nachhaltigkeitsgipfel der SZ und Workshop zum Thema Pflichtversicherung vom Bund der Versicherten

Wo sich Eiopa mehr Macht wünscht

In ihrer Rede auf der Jahreskonferenz der europäischen Versicherungsaufsicht hatte Eiopa-Chefin Petra Hielkema es schon anklingen lassen: Sie wünscht sich mehr Befugnisse für die Behörde, insbesondere, wenn es um Probleme bei grenzüberschreitenden Versicherungsgeschäften geht. Bei der anschließenden Pressekonferenz ging sie ins Detail: Eiopa will bei Vor-Ort-Prüfungen von Versicherern dabei sein und auch Maßnahmen wie ein Neugeschäftsverbot durchsetzen können. Sich so viel Macht wie die Europäische Zentralbank zu wünschen, wäre aber illusorisch, glaubt Hielkema.

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