Archiv ‘Digitalisierung’

Herbert Fromme

Digitale Inseln nützen, die Lösung sind sie nicht

 Herbert Frommes Kolumne  Niemand kann voraussagen, welche Langfristfolgen die Corona-Pandemie für die internationale Versicherungsbranche haben wird. Die meisten Vorstände gehen davon aus, dass die Krise einen Digitalisierungsschub bringen wird. Wie der genau ablaufen wird, ist aber auch noch unklar. Doch es gibt einzelne Bereiche, in denen jetzt sehr konkret digital umgebaut wird. Die Schadenbearbeitung sticht dabei hervor. Das ersetzt nicht die größeren Veränderungen.

Erzwungene Anpassungsfähigkeit

Die Versicherungsbranche gilt als sehr veränderungsresistent und behäbig. Dass sie sich durchaus schnell anpassen kann, wenn sie muss, habe die Corona-Krise gezeigt, sagte Horst Nussbaumer, Chief Operating Officer bei der Zurich Deutschland, bei einer Veranstaltung in Köln. Ihn schrecken deshalb auch die Herausforderungen nicht, die künftig auf die Versicherer zukommen. Die Anbieter müssten sich allerdings ihren in der Krise geborenen Mut erhalten, auch unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen.

Drei Themen über den Tag hinaus

 Meinung am Mittwoch  Das Ende der Zeit als Kolumnist gibt Anlass zum Nachdenken über Themen, die über den Tag hinaus Bedeutung besitzen. Gerade auch die Corona-Krise lässt diese Reflexion angebracht erscheinen. Es hat sich herausgestellt, dass die Versicherungswirtschaft als Ganzes weniger krisenanfällig ist als so manche andere Branche – dennoch gibt es für die führenden Unternehmen keinen Grund, sich zurückzulehnen. Die Krise wird in allen Lebensbereichen den Wandel beschleunigen. Da sind die Versicherer gut beraten, diesen Wandel aktiv zu gestalten, ihre Aktivitäten vielleicht sogar noch zu beschleunigen. Drei Themen verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Digitalisierung und Corona

 Was die Woche bringt  An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Breakfast Lectures des Versicherungsmonitor, virtuelles Mediengespräch des GDV zur D&O-Versicherung, Versicherungsdialog 2020 von Bearing Point und virtuelle Lebensversicherungskonferenz des Instituts für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig

Konnektivität: Fluch und Segen für Versicherer

Jeder Verbraucher könnte in wenigen Jahren im Schnitt vier vernetzte Geräte besitzen. Für die Versicherer ist das Herausforderung und Chance zugleich, schreibt das Beratungsunternehmen Bearing Point in einer aktuellen Studie. Die Konnektivität ermögliche exaktere und individuellere Abschätzungen von Risiken und damit individuellere Angebote mit ausgeprägter Servicekomponente über den Versicherungsschutz hinaus. Die Versicherer müssten sich aber auch darauf einstellen, dass der moderne Kunde jederzeit, überall und über jedes Gerät bedient werden will.

Kfz-Versicherer brauchen neue Modelle

Auf den ersten Blick verhilft die Pandemie dem Individualverkehr zu zusätzlicher Bedeutung. Doch darauf dürfen sich die Kfz-Versicherer nicht ausruhen, warnen Branchenvertreter. Sie müssten sich auf kurze Sicht einstellen auf eine deutlich steigende Sparneigung der Verbraucher, längerfristig dürfte der Trend zum Carsharing zahlreiche Veränderungen bringen.

Covid-19 offenbart Lücken bei Start-ups und Versicherern

Die Covid-19-Krise und die damit einhergehenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben die Defizite der Versicherungsbranche bei der Digitalisierung deutlich hervorgehoben, heißt es im World Insurtech Report des Beratungsunternehmens Capgemini. Für die neuen Kundenansprüche fühlen sich die meisten Versicherer noch nicht gewappnet, zeigt die Umfrage. Um diese Lücken zu schließen, wenden sich viele Anbieter an Insurtechs. Die erhöhte Nachfrage stellt jedoch auch die Start-up vor Herausforderungen.

Friedrich der Große und die Digitalisierung

 Meinung am Mittwoch  Digitalisierung ist die Möglichkeit für kleinere Unternehmen, sich gegenüber den großen als ebenbürtig zu erweisen. Das funktioniert aber nur, wenn an der Führungsspitze eine klare Vorstellung von dem besteht, was man mit Digitalisierung erreichen will und wie Digitalisierung in der Praxis aussehen soll.

Keine gravierenden Auswirkungen durch Corona

Die Corona-Pandemie wird in der Lebens-, der Berufsunfähigkeits- und der Krankenversicherung zu keiner nennenswerten Schadenbelastung führen, erwartet Alban Senn (Bild), Chief Medical Officer der Munich Re. Voraussetzung sei, dass es keine zweite Infektionswelle gibt, sagte Senn beim Online-Vertriebskongress der Continentale. Der Dortmunder Versicherer sieht bislang nur geringe Leistungsfälle durch Covid-19, berichtete Vorstand Helmut Hofmeier. Er ist überzeugt, dass trotz der fortschreitenden Digitalisierung die Vermittler eine wichtige Rolle behalten werden. Ökonom Bert Rürup ist da wesentlich skeptischer.

Heilwesenversicherer Sham kooperiert mit Actineo

Der französische Spezialversicherer Sham und der auf die medizinische Einschätzung von Personenschäden spezialisierte Kölner Dienstleister Actineo gründen ein Joint Venture in Frankreich. Das neue Gemeinschaftsunternehmen namens Antevis soll ab Oktober Dienstleistungen in den Bereichen Arzt- und Krankenhaushaftpflicht sowie Heilwesen anbieten. Zielgruppe sind Akteure aus der Versicherungsbranche und medizinische Einrichtungen, die im Rahmen der medizinischen Haftpflicht mit der Bearbeitung von Personenschadenfällen zu tun haben.

Apps ersetzen keine persönliche Betreuung

 Exklusiv  Für die privaten Krankenversicherer wird es in Zukunft vor allem darum gehen, die Digitalisierung in ein ausgewogenes Verhältnis zur notwendigen persönlichen Betreuung der Kunden zu bringen, erwartet Thilo Schumacher, im Vorstand der Axa Deutschland zuständig für die Personenversicherung. Die Axa Krankenversicherung sieht Schumacher für diese Herausforderung gut gerüstet, da sie früh in die Digitalisierung und den Ausbau der Gesundheitsservices investiert hat. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie lassen sich zwar noch nicht genau absehen, 2020 wird aber ein solides Jahr für das Unternehmen, sagt er.

Herbert Fromme

Homeoffice ist keine Digitalisierung

 Herbert Frommes Kolumne  Manche Versicherungsvorstände sind gerade sehr stolz auf sich und ihre Unternehmen und klopfen sich verbal permanent selbst auf die Schulter. Der von der Pandemie erzwungene Umzug ins Homeoffice habe gezeigt, wie weit die Unternehmen bei der Digitalisierung schon seien, wird behauptet. Das ist natürlich Unsinn. Dass der Schnellumzug gelungen ist, ist in der Tat eine große Leistung. Aber das ist nicht Digitalisierung. Ein veraltetes System bleibt ein veraltetes System, ob es am Schreibtisch im Büro oder remote vom Küchentisch aus bedient wird.

PwC: Versicherer bei Innovationen zu langsam

Bis Produktinnovationen von Versicherern auf den Markt kommen, können schon mal Jahre vergehen. So überrascht es auch nicht, dass laut einer aktuellen Untersuchung des Beraters PwC und der Versicherungsforen Leipzig nur 30 Prozent der befragten Versicherungsmitarbeiter die Assekuranz als First Mover bezeichnen würden. Die Mehrheit sieht die Versicherer eher in der Rolle der schnellen Nachahmer. Doch wenn die Risikoträger zukunftsfähig bleiben wollen, müssen sie einen strategischen und kulturellen Wandel im Unternehmen einläuten. Chancen gibt es genug, ebenso wie Baustellen.

Industrieversicherer verteidigen stark steigende Preise

Prämienerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich in der Industrieversicherung sind für viele Unternehmen zurzeit Realität. Die Gesellschaften haben ihre Forderungen bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des virtuellen Symposiums des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft gerechtfertigt. Preissteigerungen in dieser Höhe müsste man erklären, das sei aber auch möglich, sagte Andreas Berger von Swiss Re Corporate Solutions. Kritik ernteten die Versicherer von Maklern und Kunden auch für ihren Umgang mit Schäden aus Betriebsschließungsversicherungen.

Thinksurance plant Markteintritt in Frankreich

 Exklusiv  Der Technologieanbieter Thinksurance hat für das kommende Jahr große Pläne. Neben der Einführung einer neuen Produktinnovation visiert das 2015 gegründete Unternehmen auch die Expansion nach Frankreich an. Die könnte sich mit der Corona-Krise verzögern. „Unser klares Ziel ist es aber, dass wir dort 2021 operativ starten“, sagt Mitgründer Florian Brokamp im Interview. Finanziell steht das Start-up gut da – im Umgang mit frischem Geld scheinen die Frankfurter nämlich effizient zu sein.

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