Archiv ‘Industrieversicherung’

Cyberpreise gehen weiter durch die Decke

Während sich die Preiserhöhungen für industrielle Sach- und Haftpflichtdeckungen immer weiter abschwächen, ist bei Cyberpolicen das Ende der Prämienzuschläge noch nicht absehbar. Laut dem Makler Marsh haben sie im vierten Quartal 2021 erneut stark zugelegt. In den USA schossen die Preise sogar um durchschnittlich 130 Prozent in die Höhe. Entspannung zeichnet sich dagegen auf dem europäischen D&O-Markt ab.

Nachhaltig werden: Herausforderung, aber auch Chance

 Meinung am Mittwoch  Das Rekord-Katastrophenjahr 2021 hat eines deutlich gemacht: Nach Branchen wie Energie und Automobil muss auch die Versicherungswirtschaft das Thema Nachhaltigkeit endlich in den Fokus stellen. Über die Regulierung von Klimaschäden reicht das weit hinaus – es gilt, das Geschäft durch nachhaltige Transformation zukunftsfähig zu machen. Eine große Herausforderung, aber auch eine Chance: Denn Versicherer profitieren von Wertsteigerungseffekten und sammeln Pluspunkte als Arbeitgeber.

Trio komplettiert Aon-Spitze

 Leute – Aktuelle Personalien  Aon erweitert die Geschäftsführung in Deutschland von zwei auf fünf und reagiert damit auf die neue Lage am Maklermarkt und die größeren Verantwortungsbereiche für die bisherigen Chefs Kai Büchter und Hartmuth Kremer-Jensen. Befördert wurden Michael Hendriks, Harald Resche und Mark-Dominik Thofern. Eine Frau hat Aon nicht berufen. Außerdem: Helen Reck rückt in den Vorstand der HUK-Coburg auf, und die Öffentliche Versicherung Braunschweig erweitert ihr Management-Team. Personelle Umgestaltung gibt es auch bei Hiscox, Chubb und Brit.

D&O: Preiserhöhungen für Kunden beste Lösung

Managerhaftpflichtversicherer, die ihre Profitabilität verbessern müssen, sollten lieber auf höhere Prämien setzen, anstatt die Kapazität zu verknappen oder den Deckungsumfang stark einzuschränken, sagte Armin Beier-Thomas vom Makler Krose auf der Euroforum Haftpflichtkonferenz. Die Preise müssten aber angemessen bleiben, betonte er. Nach zwei Jahren steigender Preise und stark geschrumpfter Kapazitäten ist immer noch unklar, wie sich der D&O-Markt weiter entwickeln wird.

Ende des harten Haftpflichtmarktes absehbar

Kunden, Makler und Versicherer waren sich auf der Euroforum-Haftpflichtkonferenz einig: Die Phase steigender Preise und sinkender Kapazitäten wird in wenigen Jahren wieder zu Ende sein. In den nächsten zwei bis drei Jahren sieht die Welt für die Kunden wieder deutlich besser aus, erwartet etwa Thomas Haukje von Nordwest Assekuranzmakler. Stefan Horvath von der Axa rechnet damit, dass die Preise bei der übernächsten Erneuerung der Verträge in eine andere Richtung gehen werden. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Das US-Geschäft bleibt aufgrund steigender Haftungsrisiken weiter schwierig.

LaCroix: Noch kein harter Markt

Nach zwei Jahren zum Teil heftig steigender Preise ist der D&O-Markt 2021 etwas zur Ruhe gekommen. Die Preisaufschläge fielen nicht mehr ganz so hoch aus. Einige Experten erwarten schon bald starke Preissenkungen. US-D&O-Experte Kevin LaCroix ist dagegen nicht so optimistisch. Es werden längst nicht alle Unternehmen von der entspannteren Situation profitieren, viele Firmen werden weiterhin unter großem Druck stehen, glaubt er. Dazu zählen unter anderem Unternehmen, die mit leeren Börsenmänteln, sogenannten SPACs, fusionieren.

Streit von Zurich und Mondelez geht weiter

Das Urteil eines Gerichts aus dem US-Bundesstaat New Jersey, dass sich die Versicherer des US-Pharmakonzerns Merck bei Schäden durch die Ransomware Notpetya nicht auf den Kriegsausschluss des Vertrags berufen können, bedeutet nicht, dass damit auch alle anderen, ähnlich gelagerten Streitigkeiten entschieden sind. Darauf weist die Ratingagentur A.M. Best hin. So hängt ein Verfahren zwischen dem Lebensmittelhersteller Mondelez und der Zurich America in Illinois immer noch in der Schwebe.

Herbert Fromme

Weniger Nase, mehr Algorithmus

 Herbert Frommes Kolumne  Der ehrwürdige Versicherungsmarkt Lloyd’s of London denkt darüber nach, aus dem Gebäude in der Londoner City in andere Büros umzuziehen, die deutlich kleiner wären. Damit reagiert Lloyd’s auf die durch die Pandemie beschleunigte Digitalisierung des Versicherungsmarktes und den Kostendruck. Das ist kein auf London beschränktes Problem. Auch deutsche Versicherer, die ihren Kunden gerne großzügige Kosten berechnen, müssen neu über ihre Arbeitsweise nachdenken. Gerade die Industrieversicherung verändert sich: Sie ist immer weniger „Nasengeschäft“ und wird stattdessen von Algorithmen getrieben.

Allianz: Cyberkapazität ist kein Problem

Zumindest für Mittelständler sind die erhältlichen Kapazitäten in der Cyberversicherung kein Problem. Die Allianz Versicherung habe ihre maximale Deckungssumme von deutlich unter 50 Mio. Euro noch nie genutzt und plane auch nicht, die Kapazitäten zu erhöhen, sagte Carsten Wiesenthal, der den Bereich Multinational und Cyber leitet, bei einer Fachveranstaltung. Die Allianz wolle dem Markt langfristig treu bleiben und sich nicht wie andere Anbieter zurückziehen. Dafür brauche sie angemessene Preise und Selbstbehalte.

Cyberversicherer brauchen mehr technische Expertise

Cyberversicherer sollten auch in ihren Schadenabteilungen mehr Mitarbeiter mit technischem Know-how einstellen, so der Rückversicherer Munich Re bei einer Fachveranstaltung. Bei Cyberschäden müssen die Versicherer häufig mit IT-Forensik-Unternehmen zusammenarbeiten, die etwa klären, ob Daten gestohlen wurden. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte Munich Re-Experte Jakob von Uckermann, dass es ein Vorteil ist, wenn die Versicherer auch Ahnung von der Arbeit der Forensiker haben.

Firmen fürchten Cyber und Betriebsunterbrechung

Cybergefahren sind in diesem Jahr die größte Sorge für Unternehmen weltweit, noch vor Geschäfts- und Lieferkettenunterbrechungen, Naturkatastrophen, dem Klimawandel oder der Pandemie. Zu diesem Ergebnis kommt der Industrieversicherer AGCS in der neuesten Auflage der Umfrage „Allianz Risk Barometer“. Auf die steigende Nachfrage der Unternehmen nach Cyberdeckungen reagiert AGCS derzeit allerdings nur verhalten – und lehnt viele Risiken ab.

Friederike Krieger

Die D&O-Sparte kommt nicht zur Ruhe

 Kommentar  Auf dem Markt für Managerhaftpflichtversicherungen hatten sich zuletzt Signale für eine Entspannung gemehrt: Weil die Konkurrenz wieder schärfer wird, hatte sich die schwierige Lage bei den Kapazitäten etwas verbessert. US-Makler Arthur J. Gallagher hält sogar „aggressive Preissenkungen“ in diesem Jahr für möglich. Eine verschärfte Konkurrenzsituation unter den Anbietern macht es möglich. Doch die D&O-Versicherer sollten Vorsicht walten lassen. Mit der aktuellen Klage des Wirecard-Insolvenzverwalters Michael Jaffé und der Investoren-Klage gegen Bayer drohen neue Großschäden.

GGW kauft Transportspezialisten Droege

 Exklusiv  Tobias Warwegs GGW Holding hat ein neues Übernahmeziel gefunden. Die Hamburger Maklergruppe kauft den Transport- und Logistikspezialisten Droege Holding und will damit seine Expertise in dem Bereich ausbauen. Droege beschäftigt rund 170 Mitarbeiter in Deutschland, Österreich und der Türkei. Die Marken sollen erhalten bleiben. Warwegs GGW Holding kommt inzwischen auf rund 1.200 Mitarbeiter im Markt.

Herbert Fromme

So wird 2022 (oder auch nicht)

 Herbert Frommes Kolumne  2022 wird hoffentlich das Ende der Pandemie bringen. Für die Versicherungswirtschaft stehen massive Veränderungen an, die zum Teil durch die Pandemie beschleunigt werden. Unsere Vorhersagen: Ein Kernpunkt wird die echte Digitalisierung sein, im Gegensatz zur Scheindigitalisierung. Die Branche muss mit erheblichem Druck beim Thema ESG rechnen. Die Aufsicht wird bissiger. Diese Vorhersagen stehen natürlich unter dem Vorbehalt, dass möglicherweise alles auch ganz anders kommt.

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