Der abrupte Zinsanstieg stellt die Lebensversicherer vor neue Herausforderungen. Zwar haben sich ihre Solvenzquoten spürbar verbessert, dafür gibt es andere Probleme: Die stillen Reserven verschwinden, die stillen Lasten steigen, und im Neugeschäft wird es für die Anbieter schwieriger, zum Zug zu kommen. Das Geschäft gegen laufende Beiträge wird wieder in den Fokus der Versicherer rücken, erwartet Analyst Carsten Zielke.
Archiv ‘Lebensversicherung’
Versicherer haben miese Laune
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Laut einer aktuellen Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages erwarten über alle Branchen hinweg 52 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf Monaten einen Geschäftsrückgang. In der Versicherungsbranche ist der Pessimismus zwar etwas geringer ausgeprägt, allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Komposit- und den Lebensversicherern.
Gothaer: Ein schwieriges Jahr liegt hinter uns
Der Kölner Versicherer Gothaer blickt mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Jahr zurück. Der Krieg in Europa, die wachsende Inflation und Rezessionssorgen wirken sich auf das Geschäft des Unternehmens aus, vor allem in der Lebensversicherung. Vorstandschef Oliver Schoeller zeigte sich jedoch optimistisch, denn trotz der Herausforderungen konnte der Konzern den Gewinn leicht steigern.
Zinsanstieg wird Run-off nicht abwürgen
Der Run-off-Markt in der Lebensversicherung hat gerade wieder an Schwung gewonnen, da stellen die unerwartet deutlich gestiegenen Zinsen die Unternehmen vor eine neue Herausforderung: Der jetzt höhere Ertrag zusammen mit den erwarteten Milliarden-Rückflüssen aus der Zinszusatzreserve lässt die Käufer nach weiteren Beständen Ausschau halten. Gleichzeitig werden sich die Lebensversicherer angesichts des Wertgewinns ihrer klassischen Portfolios aber noch genauer überlegen, ob sie sich von Altbeständen trennen. Die Ratingagentur Assekurata geht angesichts des neuen Umfelds davon aus, dass künftig eher Teilbestände übertragen werden.
Helpcheck: Einige Versicherer sind auf Krawall aus
Exklusiv Das Legaltech Helpcheck hilft Lebensversicherungskunden, im Fall eines Widerrufs ihre Ansprüche geltend zu machen. Das läuft allerdings nicht immer rund, berichten Mitgründer Peer Schulz und Rechtsanwalt Lutz Hartmann von HW Legal im Interview mit dem Versicherungsmonitor. Und das liegt vor allem an einzelnen Versicherern, die Schreiben ignorierten, den Kopf in den Sand steckten und nicht einmal reagieren, wenn der Gerichtsvollzieher kommt. Schulz und Hartmann erheben schwere Vorwürfe gegen einige Versicherungsunternehmen und nennen Namen.
Allianz erhöht Überschussbeteiligung
Die Allianz setzt die Lebensversicherer unter Zugzwang. Während die meisten Anbieter, die schon eine Überschussbeteiligung für das kommende Jahr angekündigt haben, die Werte stabil halten wollen, kündigt der Marktführer eine Erhöhung der laufenden Verzinsung um 0,2 Prozentpunkte und der Gesamtverzinsung um 0,3 Prozentpunkte an. Grund sind unter anderem die steigenden Zinsen am Kapitalmarkt. Sie machen der Allianz auch wieder Lust auf Einmalbeiträge.
Becher bricht Schweigen zu neuem Insurtech
Exklusiv Nach der Insolvenz von Getsurance wagt sich dessen Gründer Johannes Becher erneut mit einem digitalen Versicherungsvermittler aus der Deckung. Mit dem Versicherungsmonitor sprach er nun erstmals öffentlich über sein neues Unternehmen. Becher und sein Mitstreiter wollen Embedded Insurance-Produkte für die Lebensversicherung entwickeln. Sie haben sich dabei hohe Ziele gesteckt: Schon bald soll jeder Europäer in einer seiner Apps mit den Policen des Insurtechs in Kontakt kommen.
Viridium holt IT-Chef von der Citigroup
Leute – Aktuelle Personalien Der Run-off-Spezialist Viridium in Neu-Isenburg holt Jörg Günther (Bild) von der Citigroup in London als neuen Technologievorstand. Er folgt auf Martin Setzer, der das Unternehmen im März verlässt. Beide Seiten betonen, dass dies auf Setzers Wunsch geschieht. Für Run-off-Versicherer ist die Beherrschung der IT entscheidend, denn sie wollen über die Integration der verschiedenen Bestände mit höchst unterschiedlichen IT-Systemen Kosten senken. Setzer hatte zuletzt die Migration von 2,2 Millionen Verträgen der früheren Generali Leben geleitet.
Schildknecht: Radikaler DA Direkt-Umbau zeigt Wirkung
Exklusiv Der strategische Umbau der Zurich-Tochter DA Direkt hat nach Ansicht von Carsten Schildknecht gefruchtet. Der Chef der Zurich Deutschland spricht im Interview mit dem Versicherungsmonitor über die Wachstumsfelder im Direktgeschäft, den Run-off der klassischen Lebensversicherung und die Bedeutung der Ausschließlichkeit für die Zurich. Auch der Merkblatt-Entwurf der BaFin zu kapitalbildenden Lebensversicherungen ist ein Thema bei dem Gespräch.
Lebensversicherer halten Überschüsse konstant
Mit der Alten Leipziger, der Nürnberger und dem Run-off-Spezialisten Athora haben drei weitere Lebensversicherer angekündigt, ihre Überschussbeteiligung im kommenden Jahr konstant zu halten. Zuvor hatten bereits die Ideal und die Axa unveränderte Werte für 2023 angekündigt. Zwar steigen die Zinsen am Kapitalmarkt, doch die Lebensversicherer profitieren davon erst mit Zeitverzug.









