Ein Ende der Preissenkungen in der D&O-Versicherung ist näher als viele Marktvertreter glauben, erwartet Christian Bonn, Underwriting Manager für Financial Lines in Deutschland beim Industrieversicherer Axa XL. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor erklärt er, warum Großschäden allein den Markt nicht drehen, was zunehmende Regulierung für die Sparte bedeutet und welche Folgen das jüngste Urteil zum Anfechtungsverzicht für die D&O-Versicherung hat.
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AM Best: ILS-Markt ist stark gewachsen
Der Markt für Insurance-Linked Securities (ILS) hat im vergangenen Jahr kräftig zugelegt und ein Volumen von rund 120 Mrd. Dollar (103 Mrd. Euro) erreicht. Vor allem Katastrophenanleihen und Sidecars trieben das Wachstum, schreibt die Ratingagentur AM Best in einem aktuellen Bericht. Demnach bleibt das Investoreninteresse trotz leicht sinkender Renditen hoch. Rekordemissionen bei Cat Bonds und neue Emittenten zeigen: Der ILS-Markt etabliert sich zunehmend als wichtiger Baustein der Rückversicherungsfinanzierung.
Gallagher Re: Cyber- und Sach-Rückdeckungen kombinieren
Kombinierte Cyber- und Property-Rückdeckungen können eine praktikable Lösung darstellen, um den wachsenden Bedarf an Schutz gegen extreme Cyberereignisse zu decken, glaubt der Rückversicherungsmakler Gallagher Re. In einem Whitepaper zeigt er auf, wie die Verbindung von Cyber-Tail-Risiken mit unkorrelierten Sachkatastrophenrisiken die Preise für die Zedenten verbessern und die Effizienz steigern kann. Das Papier hebt auch die wachsende Rolle der Insurance-Linked Securities (ILS) und der Cyber-Katastrophenanleihemärkte hervor.
AM Best: Zeit der Haftpflicht-Nachreservierungen ist noch nicht vorbei
Angesichts des Trends zu immer höheren Schadenersatzurteilen vor US-Gerichten haben viele Rückversicherer ihre Reserven in den vergangenen Jahren erhöht. Damit ist das Thema allerdings nicht ausgestanden, glaubt die Ratingagentur AM Best. Analystin Mathilde Jakobsen rechnet damit, dass weitere Reservestärkungen nötig werden könnten. Dafür haben die Rückversicherer momentan aber auch das nötige Kleingeld.
Jurecka: Wir sind noch weit weg von den Weichmarkt-Jahren
In der Rückversicherung sinken die Preise, das bekommt auch die Munich Re zu spüren. Der Preisabrieb in der Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2026 hat sich mit minus 2,5 Prozent bei den Münchnern aber noch in Grenzen gehalten. Dafür musste der Rückversicherer aber beim Volumen Abstriche machen, wie Munich Re-Chef Christoph Jurecka im Interview mit dem Versicherungsmonitor erklärt. Dennoch sieht er den Rückversicherer gut aufgestellt.
Alarmstufe Rot im D&O-Markt
Großschäden und Insolvenzen belasten die D&O-Versicherer. Doch eine Marktverhärtung lässt bislang auf sich warten. In ein bis zwei Jahren könnte es aber so weit sein, erwarteten Experten auf der Euroforum-Haftpflichtkonferenz in Köln. Die aktuelle Situation sei auch nicht im Interesse der Kunden, warnte Daniel Messmer, D&O-Experte beim Rückversicherer Swiss Re. Denn am Ende zahle immer der Kunde, nicht der Versicherer. Diskussionen gab es auch um die Zukunft von persönlichen D&O-Deckungen.
Fitch: Rückversicherer verlieren leicht, bleiben aber stabil
Einige Marktteilnehmer wie Gallagher Re, Guy Carpenter, Aon und Howden haben ihre Prognosen für den Rückversicherungsmarkt 2026 kürzlich vorgelegt, jetzt meldet sich mit Fitch auch die erste Ratingagentur. Dabei klingen die Experten in ihrem Ausblick auf das neue Jahr ganz ähnlich wie die Makler: Das Rückversicherungskapital ist hoch, die Preise drehen sich Richtung Erstversicherer und es ist genügend Raum zur Absicherung neuer Risiken vorhanden.
Auch Howden sieht Erstversicherer am Drücker
Alle Jahre wieder geben die großen Rückversicherungsmakler ihre Prognosen zu den Erneuerungsrunden im Januar ab. Nach Guy Carpenter und Aon haben nun auch die Expertinnen und Experten des Maklers und Beraters Howden ihre Einschätzung abgegeben. Sie gehen davon aus, dass der Markt weicher wird und sich in Richtung Erstversicherer dreht. Das Preisniveau soll sich auf den Stand vor rund vier Jahren gesenkt haben, so Howden.
Rückversicherungs-Erneuerung: Spielräume für neue Risiken
Die Erneuerung der Rückversicherungsverträge zum 1. Januar 2026 ist für die Erstversicherer positiv verlaufen, schreiben die Expertinnen und Experten des Maklers und Beraters Aon. Die Gründe sind vielfältig: Ein rekordverdächtiges Kapitalniveau bei den Rückversicherern sowie eine vergleichsweise schadenarme Hurrikansaison gelten als Hauptfaktoren für Preisrückgänge und neue Spielräume für aufkommende Risiken, erklärte das Unternehmen.
Aon: Rückversicherungsprämien sinken deutlich
Bei den diesjährigen Erneuerungsgesprächen in der Rückversicherung haben die Kunden deutlich bessere Karten als in den vergangenen Jahren. Die Prämien sinken spürbar, sagte Jan-Oliver Thofern, Geschäftsführer und Chief Executive Officer für den Rückversicherungsbereich von Aon in Deutschland zuständig, im Interview mit dem Versicherungsmonitor. Auch beim Thema Frequenzschutz gibt es laut Thofern Bewegung.
Kfz: Übergangsjahr vor der nächsten Schlacht
2026 wird ordentlich verlaufen für die Kfz-Versicherer. Darauf deuten die Zahlen über Preiserhöhungen hin. Natürlich können Naturkatastrophen der Branche noch einen Strich durch die Rechnung machen, aber insgesamt hat sie die katastrophalen Jahre mit Milliardenverlusten hinter sich gelassen. Der Schock durch die Verluste hat für Preisdisziplin gesorgt. Doch damit dürfte es Ende 2026 vorbei sein. Schon jetzt versuchen einige Anbieter aggressiv, Marktanteile zu gewinnen. Noch ist unklar, wie sich die künstliche Intelligenz künftig auf den Markt auswirkt.
Reeder müssen mehr Schiffshaftpflicht zahlen
Schiffseigner müssen sich darauf einstellen, dass die Preise für ihre Haftpflicht-Deckungen erneut steigen werden. Die P&I-Clubs, spezialisierte Gegenseitigkeitsversicherer, werden die Prämien bei der Erneuerung im Februar erneut anheben, erwarten Branchenbeobachter. Im Schnitt werden die Preise wohl um etwas mehr als 5 Prozent steigen, erwartet die Ratingagentur S&P. Der Makler Lockton erwartet Erhöhungen zwischen 5 und 10 Prozent. Künftig könnten Prämiensteigerungen allerdings schwieriger werden.
Schäden führen zu mehr Bewusstsein
Die jüngsten Cyberangriffe auf den Softwareanbieter Collins Aerospace und den Automobilhersteller Jaguar Land Rover verdeutlichen die Notwendigkeit von Cyberversicherungspolicen, sagte Peter Pillath, Director Cyber bei Howden Deutschland, im Gespräch mit dem Versicherungsmonitor. In einer aktuellen Studie hat der Großmakler eine äußerst geringe Versicherungsdurchdringung bei europäischen Unternehmen festgestellt. Dies liege an einem mangelnden Risikobewusstsein, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.
Preise: Entspannung, aber nicht überall
Die Preise in der Industrieversicherung entwickeln sich zugunsten der versicherungsnehmenden Wirtschaft, beobachten Experten. Allerdings müssen Segmente und Branchen differenziert betrachtet werden. Während die Prämien in der industriellen Sachversicherung stagnieren, steigen die Preise in der Haftpflichtversicherung, insbesondere in den USA. Problematisch bleibt die Kfz-Flottenversicherung, während die D&O-Sparte trotz zunehmender Firmenpleiten starke Preisrückgänge verzeichnet. Besonders viel Bewegung ist in der Cyberversicherung.
Fiedler: Markt zeigt Aufweichungstendenzen
Die Preise in der Industrieversicherung gehen in vielen Sparten nach unten. Allerdings können kleinere Unternehmen weniger stark von Prämienreduktionen profitieren als größere, sagt Patrick Fiedler, Vorstandsvorsitzender des Industriekundenverbands GVNW, im Interview mit dem Versicherungsmonitor. Er spricht außerdem über die geplanten Datenplattform, die Gründung neuer Captives und erklärt, warum Unternehmen, die vor kurzem aus ESG-Gründen Probleme beim Versicherungsschutz hatten, jetzt wieder Deckung bekommen.














