Kalifornien ist in einer Versicherungskrise. Weil es für die Versicherer zunehmend schwierig wird, die hohen Schäden durch Waldbrände und andere Naturkatastrophen aufzufangen, verlängern sie bestehende Verträge nicht mehr oder ziehen sich ganz aus der Region zurück. Zuletzt ging der bisher größte Sachversicherer der Region State Farm diesen Schritt, nun folgen Tokio Marine und Trans Pacific. Die Behörden versuchen derweil gegenzusteuern.
Archiv ‘State Farm’
Die Lehren aus den USA
Herbert Frommes Kolumne In den USA wächst der Ärger über hohe Versicherungskosten. Besonders die privaten Krankenversicherer stehen in der Kritik. Aber auch Gebäude- und Autoversicherer erleben derzeit eine Welle negativer Berichterstattung. Die Versicherungswirtschaft läuft Gefahr, in Teilen des Marktes durch staatliche Systeme ersetzt zu werden. Die deutsche Branche kann daraus lernen.
Frank Grund kehrt zu Assekurata zurück
Leute – Aktuelle Personalien Der ehemalige Chef der Versicherungsaufsicht der BaFin Frank Grund sucht offenbar neue Aktivitäten während seines Ruhestands. Grund kehrt zur Ratingagentur Assekurata zurück und unterstützt als externer Spezialist das Rating-Komitee. Außerdem: Die Munich Re hat einen neuen Strategiechef mit prominentem Hintergrund, die Allianz verabschiedet sich nach drei Jahrzehnten von ihrem Head of Group Investor Relations, und State Farm bekommt im Sommer einen neuen CEO.
Allianz ist die weltweite Nummer zwei
Bei den Bruttoprämieneinnahmen war die Allianz im Jahr 2022 die zweitgrößte Versicherungsgruppe der Welt. In der Rangliste des Londoner Analysehauses Insuramore rangiert sie mit deutlichem Abstand hinter dem US-Krankenversicherer United Health. In der Schaden- und Unfallversicherung liegen die Münchener auf Platz drei hinter State Farm aus den USA und der chinesischen PICC. Der Blick auf die Jahre 2018 bis 2022 zeigt, dass die Allianz bei den Prämien global zwar ganz oben mitspielt, beim Wachstum aber nicht.
Reiche Kunden lohnen sich nicht
Herbert Frommes Kolumne Der US-Versicherer Nationwide gibt sein Spezialangebot für besonders reiche Kunden auf. Die Marke Nationwide Private Client wird eingestellt. Die Sonderbehandlung ist sehr personenintensiv und weniger lukrativ als erhofft. Und sie passt nicht mehr zu der einheitlichen Plattform, die Nationwide gerade baut. Große Gruppen von Kunden, digitale Verarbeitung und keine wirklich intensive persönliche Betreuung – das ist die Zukunft der Versicherung.
Mehr als 1 Mrd. Dollar versicherte Schäden auf Hawaii
Die Brände auf der Inselgruppe Hawaii werden einen versicherten Schaden von mindestens 1 Mrd. Dollar erreichen, schätzen Experten von Moody’s Investors Service (MIS). Da der durchschnittliche Wert eines Einfamilienhauses in der Stadt Lahaina etwa 1,5 Mio. Dollar beträgt, dürfte die tatsächliche Schadensumme noch höher ausfallen. Laut Katastrophenschutzeinrichtungen sind alleine in Lahaina über 2.000 Gebäude beschädigt oder zerstört worden. MIS befürchtet außerdem eine mögliche Unterversicherung der Besitzer durch den massiven Preisanstieg bei Baumaterialien.
US-Demokraten greifen Versicherer an
Der politische Streit in den USA um Klimaschutz versus Förderung fossiler Energien und die Rolle der Versicherer bekommt eine neue Dimension: Der Haushaltsausschuss des US-Senats hat sieben große Versicherer dazu aufgefordert zu erklären, warum sie noch immer in fossile Energieprojekte investieren, diese versichern und so die ökonomischen Risiken durch den Klimawandel vergrößern. Die demokratischen Senatoren, die hinter dieser Initiative stecken, positionieren sich damit auch klar gegen den von republikanischen Staatsanwälten geführten Angriff auf die UN-Klimainitiative der Branche.
USA: Hohe Gefahr trotz geringerer Brandschäden
Die Schäden durch Waldbrände sind 2022 in den USA niedriger ausgefallen als im Jahr zuvor. Das zeigt ein aktueller Bericht des Rückversicherungsmaklers Gallagher Re. Zwar war die zerstörte Fläche insgesamt etwas größer, in dem gerade stark im Fokus stehenden Bundesstaat Kalifornien war es durch die Feuer hingegen zu weniger Zerstörung gekommen als in den Vorjahren. Trotzdem warnt Gallagher Re eindringlich vor zunehmenden Risiken durch Wald- und Flächenbrände. Vor allem Siedlungsgebiete nahe der Natur sollten die Versicherer im Blick haben.
Allstate nimmt keine Neukunden mehr in Kalifornien
Hausbesitzer im US-Bundesstaat Kalifornien haben noch weniger Wahlmöglichkeiten in der Gebäudeversicherung. Der viertgrößte Anbieter Allstate hat das Neugeschäft in dem Bereich eingestellt, berichtet der San Francisco Chronicle. Der Grund sind höhere Kosten etwa für die Regulierung von Schäden durch die in Kalifornien grassierenden Waldbrände. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Marktführer State Farm keine neuen Kunden in der Gebäudeversicherung mehr annimmt.
State Farm stellt Neugeschäft in Kalifornien ein
Nach mehreren Jahren teurer Waldbrände wirft der US-Versicherer State Farm das Handtuch im kalifornischen Gebäudeversicherungsmarkt. Seit vergangenem Wochenende zeichnet er keine Neuverträge in dem US-Bundesstaat mehr. Der Marktführer verweist auf steigende Aufwendungen für Schäden, zunehmende Katastrophenrisiken und einen schwierigen Rückversicherungsmarkt. Branchenexperten geben auch den rigiden regulatorischen Vorgaben eine Mitschuld.
Telematik-Riese CMT stärkt Europa-Präsenz
Der US-Telematikanbieter Cambridge Mobile Telematics (CMT) übernimmt den Telematikspezialisten Amodo mit Büros in Zagreb und Wien. Amodo wird den Namen des neuen Eigners übernehmen, CEO Marijan Mumdziev (Bild) wird Europachef bei CMT. CMT sieht sich als weltweit größter Anbieter von Telematikdiensten mit 95 Programmen in 25 Ländern, darunter neun in Kontinentaleuropa. Zu den Kunden gehört auch die HUK-Coburg. Ein Schwerpunkt der künftigen Aktivitäten soll Deutschland sein, wo CMT und Amodo starkes Wachstum der Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung erwarten.
Schäden durch Hurrikan „Ian“ steigen
Die ersten Risikoanalysefirmen haben Schadenschätzungen zu Hurrikan „Ian“ veröffentlicht. Die Spannbreite ist riesig, die Kalkulationen reichen bis zu 80 Mrd. Dollar. Eins ist klar: Der Sturm, der erst Florida heimgesucht hat und jetzt auf South Carolina zusteuert, wird Versicherer und Rückversicherer teuer zu stehen kommen und dem krisengeplagten Versicherungsmarkt in Florida weiteres Ungemach bescheren. Die Analysefirma Corelogic rechnet mit weiteren Insolvenzen.
Tokio Marine zieht Notbremse in der Rückversicherung
Die japanische Versicherungsholding Tokio Marine stößt ihre Rückversicherungseinheit ab, die unter dem Namen Tokio Millennium Re firmiert. Käufer ist der Bermuda-Rückversicherer Renaissance Re, er zahlt rund 1,5 Mrd. Dollar und damit nur einen marginalen Aufschlag auf den Buchwert. Tokio Millennium Re leidet unter hohen Schäden durch Naturkatastrophen und weist eine stark defizitäre Schaden- und Kostenquote aus. Der Verkauf der Rückversicherungssparte ist die erste große Veräußerung von Tokio Marine seit Jahren. Der Konzern hatte zuletzt vor allem mit einer aggressiven Einkaufstour durch Europa und die USA für Aufsehen gesorgt.












