Large Language Models haben sich vor allem durch den Hype um ChatGPT in kurzer Zeit zu einem Mega-Thema entwickelt. Solche Anwendungen dürften auch große Auswirkungen auf die Versicherungsbranche haben – wie diese aussehen werden, ist jedoch größtenteils noch gar nicht klar. Die Versicherer sind allerdings gut beraten, die Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern sich selbst schnell mit der Technologie zu beschäftigen. Das wurde bei einer Fachveranstaltung der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte deutlich.
Aufsicht & Regeln
PKV wirbt für Kapitaldeckung in der Pflege
Die privaten Krankenversicherer (PKV) haben die Zahl der Gesamtverträge im vergangenen Jahr um 600.000 Stück auf 37,8 Millionen gesteigert. Treiber war einmal mehr das Geschäft mit Zusatzversicherungen, die Zahl der Vollversicherungen ging dagegen minimal zurück – obwohl mehr ehemals gesetzlich Krankenversicherte ins private System wechselten als umgekehrt. Thomas Brahm, Vorsitzender des PKV-Verbands, positionierte sich gegen eine Anhebung der Versicherungspflichtgrenze und forderte mehr Kapitaldeckung in der sozialen Pflegeversicherung samt steuerlicher Förderung.
Allianz hat Stress in Kroatien
Die kroatische Finanzaufsichtsbehörde Hanfa hat aufsichtsrechtliche Untersuchungen gegen den zur Allianz gehörenden Pensionsfonds AZ eingeleitet. Das berichtet die Financial Times und beruft sich auf Insider. Offiziell soll es um eine regelmäßige Prüfung von Entscheidungsprozessen und den Umgang mit Cyberrisiken gehen. Aber eigentlich steckt etwas ganz anderes dahinter: Geschäfte mit der russischen Sberbank und mit dem größten privaten Arbeitgeber Kroatiens Fortenova.
EU-Kommission legt Nachhaltigkeitsstandards vor
Der Entwurf der EU-Kommission für den ersten Rechtsakt für die ESRS-Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung liegt vor, die Konsultationsfrist dazu endet am 7. Juli. Das Papier liefert branchenübergreifende Regeln, branchenspezifische Vorgaben werden folgen. Der Versichererverband GDV forderte in einer Reaktion Erleichterungen für Versicherer mit bis zu 250 Mitarbeitern und warnte vor doppelten Berichtspflichten. Der Analyst Carsten Zielke begrüßte das Papier dagegen, im Vorfeld diskutierte Aufweichungen der Regeln seien nicht gekommen.
US-Demokraten greifen Versicherer an
Der politische Streit in den USA um Klimaschutz versus Förderung fossiler Energien und die Rolle der Versicherer bekommt eine neue Dimension: Der Haushaltsausschuss des US-Senats hat sieben große Versicherer dazu aufgefordert zu erklären, warum sie noch immer in fossile Energieprojekte investieren, diese versichern und so die ökonomischen Risiken durch den Klimawandel vergrößern. Die demokratischen Senatoren, die hinter dieser Initiative stecken, positionieren sich damit auch klar gegen den von republikanischen Staatsanwälten geführten Angriff auf die UN-Klimainitiative der Branche.
Beratungslücke durch Provisionsverbot
Während die EU über die Einschränkung des Provisionsvertriebs diskutiert, verfügen die Niederlande bereits seit Jahren über ein Provisionsverbot bei Lebensversicherungen. Die Makler in dem Land haben sich zwar damit arrangiert, Kunden nehmen aber weniger Beratung in Anspruch, sagte Roger van der Linden vom niederländischen Maklerverband ADFIZ, bei einer Veranstaltung seines deutschen Pendants BDVM. Die Regierung schaue weg. Jörg Asmussen vom GDV kündigte Widerstand gegen ein teilweises Provisionsverbot an. Bernhard Gause vom BDVM forderte mehr Leistungsbereitschaft in der Assekuranz.
Schadet Lebensrückversicherung den Kunden?
Viele Lebensversicherer nutzen Rückversicherung, um ihre Ergebnisse zu glätten und sich vor drohenden Verlusten zu schützen. Rückversicherungsverträge mit Finanzierungskomponente gewinnen derzeit an Bedeutung, auch weil die Ergebnissteuerung durch das Realisieren stiller Reserven durch den Zinsanstieg schwierig geworden ist. Die Finanzaufsicht BaFin fürchtet allerdings eine unangemessene Benachteiligung von Kunden, wenn die Rückzahlung von sogenannten Rückversicherungsprovisionen an die Rückversicherer die Überschussbeteiligungen schmälert.
Allstate nimmt keine Neukunden mehr in Kalifornien
Hausbesitzer im US-Bundesstaat Kalifornien haben noch weniger Wahlmöglichkeiten in der Gebäudeversicherung. Der viertgrößte Anbieter Allstate hat das Neugeschäft in dem Bereich eingestellt, berichtet der San Francisco Chronicle. Der Grund sind höhere Kosten etwa für die Regulierung von Schäden durch die in Kalifornien grassierenden Waldbrände. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Marktführer State Farm keine neuen Kunden in der Gebäudeversicherung mehr annimmt.
Schärfere Haftungsregeln für E-Scooter gefordert
Die Justizministerinnen und Justizminister der Länder sehen dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die im Straßenverkehr genutzten E-Scooter. Grund sind die in den vergangenen Jahren gestiegenen Personenschäden in Folge von Unfällen mit E-Scootern. Auf der Justizministerkonferenz haben sie sich auf Initiative von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen für eine Reform der Haftungsregelung im Straßenverkehrsgesetz ausgesprochen.
Verbraucher gespalten bei KI im Versicherungsbereich
Bei den Verbrauchern in Deutschland zeigt sich noch keine klare Tendenz, ob sie den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Versicherungsbereich befürworten oder ablehnen. Das geht aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Infas Quo hervor. Die Befragten sind recht aufgeschlossen, wenn KI zu besseren Angeboten und Leistungen führt. Bei einer KI-Nutzung, bei der es um die Analyse persönlicher Informationen geht, herrscht größere Skepsis. Das ist laut Infas Quo-Geschäftsführer Karsten John auch ein Grund dafür, dass Kunden mit Telematik-Tarifen noch in der Minderheit sind.
Signal Iduna will an Strategiezielen festhalten
Vor fünf Jahren hatte sich die Signal Iduna vorgenommen, bis 2023 ein Beitragsvolumen von 7 Mrd. Euro zu erreichen. Trotz der Turbulenzen an den Märkten und der wirtschaftlichen Unsicherheit hält Konzernchef Ulrich Leitermann an diesem Ziel fest. Im vergangenen Jahr haben die Dortmunder die Beiträge um 2,4 Prozent auf knapp 6,5 Mrd. Euro gesteigert, im ersten Quartal 2023 konnten sie um weitere 3,8 Prozent zulegen. Die stark gestiegenen Zinsen belasteten 2022 allerdings die Kapitalanlage und damit auch das Konzernergebnis.
Wer hat Angst vorm bösen Mann?
Kommentar Die Versicherer mit all ihrem Geld gehören zu den entscheidenden Akteuren beim Kampf gegen den Klimawandel, heißt es immer. Doch wenn ein paar grimmig schauende Staatsanwälte aus den USA einen Drohbrief schicken, bekommen sie auf einmal Angst und laufen weg. Das ist natürlich überspitzt, aber dennoch im Grunde das Szenario hinter den massenhaften Austritten aus der Klimainitiative Net-Zero Insurance Alliance. Manche geben dabei ein noch peinlicheres Bild ab als andere. Umso mehr kommt es darauf an, dass die Versicherer mit ihrem Handeln nun beweisen, dass sie auch weiterhin zu ihren Zusagen stehen.











