Versicherer werden zunehmend selbst zu Opfern von Cyberangriffen mit Erpressungssoftware. Nach CNA, Axa und der Haftpflichtkasse hat es jetzt den japanischen Versicherer Tokio Marine getroffen. Der Angriff ist offenbar auf die Singapurer Einheit des Unternehmens beschränkt, Kundendaten sollen nicht abgeflossen sein. Der Vorfall zeigt aber, dass Ransomware-Attacken zu einem immer größeren Problem für die Branche werden.
Versicherer
Debeka ersetzt PKV-Kernsystem
Die Debeka ersetzt ihr Kernsystem in der privaten Krankenversicherung (PKV) und hat dafür einen Vertrag mit MSG Nexinsure abgeschlossen. Bis zum Start 2026 gilt es, die Verträge der rund 5 Millionen PKV-Kunden auf das neue IT-System zu migrieren. Prozesse wie die Leistungsabrechnung sollen in der Folge deutlich schneller werden. IT-Vorstand Roland Weber erklärt, was den Ausschlag für MSG gegeben hat.
Aon: Versicherer verspielen ihre Relevanz
Auch wenn sich die Lage in der Industrieversicherung gegenüber der Situation in den vergangenen anderthalb Jahren leicht gebessert hat: Für die Industrieunternehmen in Deutschland war es noch nie so schwierig, bezahlbaren Versicherungsschutz in erforderlichem Volumen zu bekommen. Davon zeigten sich die Aon-Geschäftsführer Kai-Frank Büchter und Hartmuth Kremer-Jensen im Gespräch mit dem Versicherungsmonitor überzeugt. Die Versicherer liefen zunehmend Gefahr, in wichtigen Sparten an Relevanz zu verlieren. Firmen mit ausreichender Kapitalstärke neigten dazu, immer mehr Risiken selbst zu tragen anstatt sich mit ihnen herumzuschlagen.
Marsh mit Police für Covid-Impfungen
Die Corona-Pandemie kann nur in den Griff bekommen werden, wenn Impfstoffe und Behandlungsmöglichkeiten weltweit gerecht verteilt werden. Damit auch einkommensschwache Länder Zugang zu den teuren Impfstoffen bekommen, koordiniert die Covax Facility unter der Leitung der Organisation Gavi die Verteilung und verhandelt Preise mit den Herstellern. Der Großmakler Marsh hat nun zusammen mit der Citi-Bank eine Art Kreditversicherung für Gavi aufgelegt, die Zahlungsausfälle von finanzschwachen Abnehmerländern abdeckt. Als Risikoträger sind prominente Versicherer mit von der Partie.
Swiss Life wächst kräftig in Frankreich
Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life ist mit dem Verlauf des ersten Halbjahres 2021 zufrieden. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 618 Mio. Franken – 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu verdanken war das einem guten Schadenverlauf und gestiegenen Einnahmen aus Gebühren und Provisionen. Bei den Prämieneinnahmen konnte Swiss Life nicht in allen Märkten zulegen. Während die Gruppe in Frankreich ein kräftiges Prämienwachstum verzeichnete, erlitt sie im Heimatmarkt Schweiz einen deutlichen Beitragsrückgang.
„Bernd“: R+V zahlt knapp halbe Milliarde Euro
Das Sturmtief „Bernd“ kommt die R+V teurer zu stehen als zunächst erwartet. Nach einer vorsichtigen Schadenschätzung im Juli, die bei 167 Mio. Euro lag, musste der Wiesbadener Versicherer seine Prognose jetzt deutlich anheben. Bis heute sind 14.000 Schadenmeldungen in Höhe von insgesamt 470 Mio. Euro bei der R+V eingegangen. Das Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht, doch schon jetzt steht fest: 2021 ist das bisher teuerste Naturkatastrophenjahr in der rund 100-jährigen Unternehmensgeschichte der R+V.
Allianz hat Stress mit der Bermuda-Aufsicht
Verstoß gegen das Geldwäsche- und das Versicherungsgesetz sowie Terrorismusfinanzierung – die Vorwürfe gegen die Allianz-Tochter Allianz Life Bermuda Limited wiegen schwer. Die Aufsichtsbehörde von Bermuda hat deswegen eine Geldstrafe in Höhe von 1,7 Mio. Dollar verhängt. Die Gesellschaft will die Strafe zahlen und die Registrierung bei der Aufsicht aufgeben, um ein Liquidationsverfahren einzuleiten.
W&W mit deutlichem Gewinnzuwachs
Der schwäbische Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) hat im ersten Halbjahr 2021 deutlich mehr verdient als 2020. Der Konzerngewinn stieg um fast das Doppelte von 107 Mio. Euro auf 197,2 Mio. Euro. Allerdings erwartet das Unternehmen sehr hohe Schäden durch die Flutkatastrophe vom Juli. An seiner Prognose für das Gesamtjahr will Chef Jürgen Junker jedoch festhalten.
Amazon setzt Versicherer unter Druck
Der US-Konzern Amazon mischt sich immer weiter in den Versicherungsmarkt ein. Zwar bietet das Unternehmen noch keine eigenen Policen an, aber mit dem neuen Amazon Insurance Accelerator ist ein weiterer Schritt getan. Über ihn können gewerbliche Verkäufer, die über Amazon anbieten, Versicherungen abschließen. Außerdem hat der Konzern ein eigenes Betrugserkennungssystem eingerichtet und will die Abwicklung einiger Schäden übernehmen – dabei behält sich der Konzern auch vor, sich über eine Ablehnung des Versicherers hinwegzusetzen.
Versicherte Naturkatastrophenschäden steigen
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben Naturkatastrophen nach vorläufigen Schätzungen des Swiss Re Institutes weltweit versicherte Schäden in Höhe von 40 Mrd. Dollar verursacht. Im Vorjahreszeitraum waren es 35 Mrd. Dollar. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2020 gingen die gesamtwirtschaftlichen Schäden infolge von Katastrophen aber zurück. Da das historisch gesehen schadenträchtigste Quartal erst noch bevorsteht, werden die wirtschaftlichen und versicherten Schäden im Laufe des zweiten Halbjahres wohl aber noch deutlich steigen.









