Legal Eye – Die Rechtskolumne Früher waren Versicherer mit dem Anspruch auf den sogenannten Buchauszug leicht zu erpressen. Mit dem Dokument können sich Versicherungsvertreter einen Überblick über ihre Provisionsansprüche verschaffen. Die Versicherer waren oftmals nicht darauf vorbereitet, die meist sehr umfangreichen Dokumente zu erstellen. Gleichzeitig verdonnerten Gerichte die Gesellschaften zu ausführlichen Angaben. Mittlerweile sind die Buchauszüge der Versicherer besser geworden, und auch die Rechtsprechung insbesondere der Oberlandesgerichte geht differenzierter vor. Der Buchauszug hat daher für die Versicherer an Schrecken verloren.
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Kohlebranche: Mehr Versicherer wenden sich ab
Immer mehr Versicherer schränken die Kooperation mit der Kohlebranche ein. Das gilt für das Versicherungsgeschäft und die Anlage der Kundengelder – sehr zur Freude der Aktivisten von Unfriend Coal. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Anzahl der Gesellschaften mehr als verdoppelt, die Einschränkungen in der Absicherung von Kohle-Projekten angekündigt haben, berichten sie. Zwei Schweizer Versicherer führen die Rangliste an, weil der Rückzug bei ihnen am umfangreichsten ausfällt. Aus Deutschland ist die Allianz am weitesten vorn. Jetzt nehmen sich die Aktivisten die Makler vor.
Digitalisierung und Großpleiten
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: SZ-Fachkonferenz „The Digital Insurance“ und Verleihung des „Digitalen Leuchtturm Versicherung“ von Süddeutsche Verlag und Google sowie Pressefrühstück der Kreditversicherer
Ecclesia und Aon kaufen zu
Die beiden größten deutschen Industrieversicherungsmakler Aon und Ecclesia übernehmen nach Informationen des Versicherungsmonitors kleinere Maklerhäuser. Aon kauft den Makler Trium in Hamburg, Ecclesia hält nun alle Anteile an dem Kölner Unternehmen Hemmer & Felder. Mit kleineren Zukäufen runden die großen Makler ihre Portfolien ab und erhöhen vor allem in Nischen ihre Marktmacht gegenüber den Versicherern. Mit 172 Mio. Euro beziehungsweise geschätzten 170 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2018 liegen Aon und Ecclesia in der Industrieversicherung deutlich vorn.
Unverzichtbare Plattformen
Herbert Frommes Kolumne Es tut sich was bei den Plattformen: Die Swiss Re hat ihre Plattform für internationale Programme auf den Markt gebracht. R+V und VHV tun sich zusammen, um eine Plattform für die Kautionsversicherung zu bauen. Finleap entwickelt mithilfe von Ping An das Vergleichsportal Joonko. Ergo und IBM gründen ein Gemeinschaftsunternehmen, um ihre Abwicklungsplattform für stillgelegte Lebensversicherungsverträge zu vermarkten. Die meisten dieser Projekte dürften nur bescheidenen Erfolg haben. Es fehlt ihnen die Neutralität, die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Plattform ist. Aber möglicherweise sind sie ein wichtiger Schritt hin zu den Plattformen, die der Markt wirklich braucht.
Neue Geschäftschancen für Rechtsschutzversicherer
Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu den Aktivitäten sogenannter Legal Techs erfreut nicht nur die jungen Unternehmen, sondern auch die traditionellen Rechtsschutzversicherer. Für sie könnte jetzt der Weg frei sein, ihren Kunden neue Services anzubieten zu Themen wie Ordnungswidrigkeiten im Verkehr oder Mietrechtsfragen. Der BGH hat dem Start-up Lexfox Recht gegeben, es darf weiter Kunden bei der Durchsetzung ihrer Rechte aus der Mietpreisbremse vertreten. Die Versicherer sehen darin aber noch keine generelle Erlaubnis für Online-Dienstleistungen.
Allianz nach Art von Google
Digitale Trends 2020 Der Münchener Versicherer Allianz will es Kunden erleichtern, auf seiner Internetseite gesuchte Informationen zu finden. Dazu hat das Unternehmen seinen Onlineauftritt grundlegend überarbeitet. Im Zentrum des Angebots steht ein Suchfeld, das ähnlich wie bei Google-Suchen passende Ergebnisse liefern soll. Mithilfe von semantischer Verarbeitung und kontextbasierten Empfehlungen sollen die Algorithmen immer bessere Resultate liefern. Abgeschlossen ist das Projekt nicht, an ein paar Stellen müssen die Münchener nachjustieren.
R+V und VHV bauen Kautionsversicherungs-Portal
Die Kautionsversicherung ist vor allem für die Bauwirtschaft sehr wichtig. Damit sichern Unternehmen die Forderungen nach Sicherheiten ab, die öffentliche und private Bauherren von ihnen verlangen. Jetzt tun sich die R+V und die VHV zusammen. Offenbar wollen sie eine Plattform für den digitalen Abschluss und die Verwaltung der Policen bauen und betreiben.
Zeitreise: Axa-Vorstandsbeben, Gerling-Cyberattacke
Vor 20 Jahren In unserer Zeitreise erinnern wir an wichtige Ereignisse aus der Geschichte der Versicherungsbranche. Heute geht es um rabiate Vorstandspersonalien bei der Axa, einen Cyberangriff auf Gerling (und die frühen Formen der Cyberversicherung) sowie den Optimismus bei der Victoria-Versicherung, einem Teil der Ergo.
Die Truthahn-Versicherung
Nachschlag – Der aktuelle Kommentar Eigentlich sind Kartoffelchips seine Domäne, doch jetzt wagt sich der Hersteller von Pringles auf ein neues Gebiet vor: Er steigt ein ins Geschäft mit der Versicherung von verbranntem Federvieh. Laut Studien zum heutigen Thanksgiving-Tag fürchten sich fast 50 Prozent aller Truthahn-Köche davor, den Truthahn zu verderben. Was scheint da näher zu liegen, als eine Truthahn-Versicherung anzubieten?
FM Global: Kein Rückzug aus Problembranchen
Nach fast einem Jahrzehnt sinkender Prämien wollen die Industrieversicherer wieder profitabel arbeiten. Die US-Gesellschaft FM Global bildet da keine Ausnahme. Es gibt Fälle, in denen der Versicherer die Prämien von Kunden sogar verdoppelt hat, auch wenn das selten vorkommt, sagt Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter von FM Global in Deutschland. Seiner Meinung nach gibt es keine Problembranchen, die von vornherein nicht gezeichnet werden. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor erklärt Hillgraf, welchen Vorteil Unternehmen davon haben, dass FM Global Risiken in der Regel allein zeichnet, welche Strategie der Versicherer bei Cybergefahren verfolgt und welche Rolle Schadenprävention in der Kundenbeziehung spielt.
Digitale Kreditversicherung für Kleinunternehmen
Digitale Trends 2020 Obwohl Kleinunternehmen für die hiesige Wirtschaft eine große Bedeutung haben, spielen sie für viele Kreditversicherer nur eine untergeordnete Rolle. Das Geschäft mit ihnen ist den Gesellschaften zu kleinteilig und zu wenig ertragreich. Der Kreditversicherer Atradius hat jetzt zusammen mit der Wirtschaftsauskunftei und Inkassounternehmen Creditreform ein Angebot lanciert, mit dem insbesondere kleine Firmen auch einzelne Forderungen bis 20.000 Euro absichern können.
GDV: Versicherer suchen Anlagemöglichkeit
Der GDV rechnet für das kommende Jahr nicht mit einer Rezession, aber mit einer Wachstumsdelle. Das sagte der Chefökonom des Verbands Klaus Wiener auf einer Konferenz in Berlin. Im Versicherungsgeschäft sieht er Wachstumschancen etwa in Cyber und bei der Absicherung von Naturkatastrophen, rechnet aber mit einem Rückgang des Beitragszuwachses gegenüber 2018. Schwierig bleibt die Lage angesichts der Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten. Wiener wünschte sich mehr Anlagemöglichkeiten im Infrastrukturbereich. Michael Menhart vom Rückversicherer Munich Re sprach sich für eine Bepreisung von CO2-Emissionen aus, um nachhaltige Investitionen für Versicherer attraktiver zu machen.
Axa will grüner werden
Die französische Axa gibt Gas in Sachen Klimaschutz. Nachdem der Versicherer in den vergangenen Jahren erste Schritte in Richtung grüne Investments getätigt und sich von Kapitalanlagen in Kohleunternehmen getrennt hatte, geht er jetzt einen Schritt weiter. Angesichts des globalen Ziels, die Erderwärmung unter der 1,5 Grad Celsius-Marke zu halten, streicht Axa die Zusammenarbeit mit Firmen, die neue große Kapazitäten im Bereich Bergbauanlagen oder Kohlekraftwerke aufbauen. Gleichzeitig sollen Unternehmen unterstützt werden, die bereit sind, ihre Geschäftsmodelle klimafreundlicher zu machen.
Ergo gründet Run-off Vertriebsvehikel
Der Düsseldorfer Versicherer Ergo und der IT-Spezialist IBM stehen offenbar kurz vor Fertigstellung ihrer Run-off-Plattform. Die Partner gründen jetzt ein Gemeinschaftsunternehmen, die TPA Vertriebs- und Marketing GmbH. Die Gesellschaft soll den Vertrieb der Run-off-Dienstleistungen übernehmen, damit bald auch andere Versicherer ihre geschlossenen Lebensversicherungsbestände auf das System übertragen können. Der Sitz des Joint Ventures wird in Hamburg sein, die Leitung übernehmen die Ergo Leben Klassik-Vorstände Frank Wittholt und Joachim Fensch.













