Der auf Wachstumsunternehmen spezialisierte britische Investor Chrysalis hat seine Beteiligung an Wefox um ein Drittel abgeschrieben. Hinter der extrem hohen Bewertung des Insurtechs von 4,5 Mrd. Dollar steht damit ein weiteres Fragezeichen. Durch den Schritt von Chrysalis dürfte der Druck auf weitere Investoren steigen, über die Bewertung ihrer Anteile nachzudenken. Auf den neuen Wefox-Chef Mark Hartigan wartet eine Reihe von Herausforderungen.
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Neue Wendung im Streit Kompass gegen Kompass
Im Streit um das Karlsruher Insurtech Kompass Group ist die nächste Runde eingeläutet. Der Aufsichtsrat hat eine einstweilige Verfügung gegen die Firmengründer beantragt, weil diese ein neues, fast namensgleiches Unternehmen gegründet haben. Damit würden Geschäftspartner, Kunden und Medien gezielt getäuscht, meint er. Außerdem wurde mit Nicos Pohland ein neuer Vorstand bestellt. Das Gründerteam (Bild) wehrt sich gegen die Vorwürfe und kündigt seinerseits rechtliche Schritte gegen den Aufsichtsrat an.
Niedrigste Insurtech-Finanzierung seit 2020
Die Finanzierungen für Insurtechs lagen im ersten Quartal 2024 auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren, laut einem Bericht des Rückversicherungsmaklers Gallagher Re. Das Gesamtvolumen ist unter 1 Mrd. Dollar gesunken. Ein Hauptgrund war, dass es keine Mega-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von über 100 Mio. Dollar gab. Insgesamt zeichnet sich jedoch ab, dass die Investoren weniger Geld in mehr Insurtechs stecken und in früheren Phasen investieren. Vor allem Insurtechs, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, stehen hoch im Kurs.
Die doppelte Kompass Group
Bei der Kompass Group herrscht Verwirrung. Das Insurtech aus Karlsruhe gibt es seit Neuestem gleich zweimal. Die Gründer des Unternehmens haben eine neue Firma gegründet, die einen ganz ähnlichen Namen trägt. Mit dem Aufsichtsrat scheint das nicht abgesprochen worden zu sein: Er setzte die beiden Vorstände vor die Tür. Welchem der beiden Unternehmen die Assets nun gehören, ist umstritten.
Was ist Wefox wirklich wert?
Herbert Frommes Kolumne Der neue Wefox-Chef Mark Hartigan hat keine leichte Aufgabe. Er muss prüfen, was von dem Geschäftsmodell seines Vorgängers Julian Teicke noch tragfähig ist. Wahrscheinlich kommt am Ende eine Makler-Holding mit Töchtern in verschiedenen europäischen Ländern heraus. Aber damit Wefox überleben kann und nicht kollabiert, muss Hartigan zusammen mit den Investoren die absurd hohe Bewertung von 4,5 Mrd. Dollar kräftig zurechtstutzen.
Getsafe unter Druck
Das Heidelberger Insurtech Getsafe hat 2023 erneut rote Zahlen geschrieben. Die Solvabilitätsquote lag deutlich unter dem Vorjahreswert, wie aus dem SFCR-Bericht des Unternehmens hervorgeht. Zuwächse verzeichnete das Unternehmen bei den Bruttobeitragseinnahmen und beim Bestand. Der im März von CEO und Gründer Christian Wiens angekündigte Verkauf des Großbritannien-Geschäfts ist abgeschlossen, bestätigt das Unternehmen gegenüber dem Versicherungsmonitor.
Lemonade verbessert sich in Deutschland
Der Digitalversicherer Lemonade ist 2023 in Deutschland profitabel gewachsen. Die verbuchten Beiträge legten um mehr als 30 Prozent zu, das Schadenaufkommen sank dagegen leicht. Das zeigt der Solvenzbericht der niederländischen Tochter Lemonade Insurance N.V., die das Europa-Geschäft des Insurtechs betreibt. Für die anderen europäischen Märkte zeigt sich ein gemischtes Bild. Lemonade sorgt sich um negative Folgen für sein Geschäft durch den Nahost-Konflikt.
Element macht höhere Verluste
2025 will der White-Label-Anbieter Element unter Führung von Astrid Stange, Michael Bongartz und Philipp Hartz (im Bild von links) in die Gewinnzone kommen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, wie ein Blick in den SFCR-Bericht des Unternehmens zeigt. Der Verlust ist im vergangenen Jahr von 17,3 Mio. Euro auf 23,5 Mio. Euro gestiegen. Auch die Solvenzquote und die Zahl der Mitarbeiter gingen zurück.
Pair Finance expandiert nach Spanien
Die Berliner Inkassofirma Pair Finance setzt ihren europäischen Expansionskurs fort: Anfang April ist das Unternehmen, das auch einige Versicherer wie die Versicherungskammer Bayern zu seinen Kunden zählt, in Spanien an den Start gegangen. Das Fintech hat sich zum Ziel gesetzt, einen ganzheitlichen und digitalen Ansatz für das Forderungsmanagement in internationalen Märkten anzubieten. Mit dem Start in Spanien ist es in sieben europäischen Ländern aktiv.
Scor nutzt KI-Tool von DGTAL
Die deutsche Niederlassung des Rückversicherers Scor nutzt künftig die auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Plattform „Driller“ des Insurtechs DGTAL. Sie soll für die Leistungsprüfung bei Berufsunfähigkeitsfällen eingesetzt werden. Driller ist ein KI-gestütztes Portfolio-Tool, das große Datenmengen durchforsten und Zusammenhänge erkennen kann. Mit der Software soll der Leistungsprüfungsprozess deutlich beschleunigt werden. Ein erstes Pilotprojekt soll im April 2024 an den Start gehen.
Element sammelt 50 Mio. Euro ein
Die lange erwartete Finanzierungsrunde des Berliner Insurtechs Element ist in trockenen Tüchern. Das Unternehmen unter Führung von Astrid Stange hat 50 Mio. Euro bei zwei Bestandsinvestoren, dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin und dem Insurtech-Fonds Alma Mundi, eingesammelt. Zuerst hatte das Handelsblatt darüber berichtet. Künftig will das Unternehmen stärker mit Assekuradeuren zusammenarbeiten und sich auf das Kerngeschäft fokussieren.
Teicke gibt Chefposten bei Wefox ab
Leute – Aktuelle Personalien Das milliardenschwere Insurtech Wefox bekommt einen neuen Chef. Das Unternehmen hat den Verwaltungsratsvorsitzenden Mark Hartigan zum neuen CEO ernannt, Mitgründer Julian Teicke (Bild) wird President on the Board of Directors. Zuletzt hatten sich erste Risse in der bisherigen Erfolgsgeschichte von Wefox gezeigt. Außerdem: Die Allianz SE verlängert Vorstandsverträge, die Gothaer verliert nach Vorstand Oliver Brüß auch die Nummer Zwei im Vertrieb, und die Munich Re hat eine neue Chief Underwriting Officer Casualty ernannt.
Getsafe will Großbritannien-Geschäft verkaufen
Das Heidelberger Insurtech Getsafe prüft einen Verkauf seines Geschäfts in Großbritannien. Gründer und CEO Christian Wiens bestätigte dem Versicherungsmonitor entsprechende Informationen. Auch der Branchendienst VW-Heute hatte darüber berichtet. Bei den anderen Auslandsmärkten Frankreich und Österreich seien keine Änderungen geplant, so Wiens. Durch den Zukauf des Deutschland-Geschäfts von Luko sei ein Schadenbearbeitungs-Rückstand entstanden, der jetzt abgebaut würde.










