Archiv ‘Run-off’

2021: Der Jahresrückblick Teil 1

2021 war ein bewegtes Jahr – vor allem für Versicherungsmakler. In der Branche machen sich mit dem Unternehmer Tobias Warweg, MRH Trowe und MLP gleich mehrere Spieler daran, Konkurrenten aufzukaufen. Unterdessen hinterlässt die Corona-Pandemie in den Zahlen der Versicherer und Rückversicherer tiefe Spuren, das Containerschiff „Ever Given“ blockiert den Suez-Kanal und die D&O-Versicherer von Volkswagen einigen sich im Dieselskandal mit dem Konzern auf eine Rekordschadenzahlung. Der Versicherungsmonitor blickt auf die aufregendsten Deals, die wichtigsten Personalien und die größten Ereignisse des Jahres zurück. Hier der erste Teil.

Niemand hat die Absicht, in den Run-off zu gehen!

 Nachschlag – der aktuelle Kommentar  Der Run-off, also die Abwicklung von geschlossenen Versicherungsbeständen, hat in Deutschland ein schlechtes Image. Da sich aber Lebensversicherer trotzdem gern von ihren Altlasten trennen wollen, entwickeln sie zwei Strategien: Entweder sie behaupten, dass es sich gar nicht um einen Run-off handele, oder sie versuchen, ein neues positiv besetztes Wort für den Vorgang zu finden. Das gelingt nicht immer.

Zurich erwägt externen Run-off

 Exklusiv  Weitermachen oder doch abwickeln? Viele deutsche Lebensversicherer stehen vor der Frage, was sie mit ihren hochverzinsten Klassik-Verträgen machen sollen. Den externen Run-off versuchen die meisten Gesellschaften zu umgehen. Für die Zurich Deutscher Herold ist die Weitergabe an einen externen Anbieter durchaus eine Option, die derzeit geprüft wird. Der Versicherer will sich von einem Teil seiner klassischen Lebensversicherungsverträge trennen. Run-off möchte das Unternehmen das aber lieber nicht nennen.

Herbert Fromme

Zwei Run-offs und ein Vertriebsskandal

 Herbert Frommes Kolumne  Die Lebensversicherung liefert zurzeit reichlich Schlagzeilen. Die Allianz gibt einen Großteil ihres US-Lebensgeschäfts in den externen Run-off. Die Signal Iduna schließt ihren Lebens-Versicherungsverein und gründet eine neue Gesellschaft. Gleichzeitig geht es den Vertrieben so gut, dass sie richtig frech werden können – so wie die DVAG mit dem Verlangen nach Kickbacks von Fonds. Die unterschiedlichen Schicksale von Versicherern und Vertrieben haben auch mit dem Ungleichgewicht bei der jeweiligen Aufsicht zu tun.

Allianz überrascht mit Mega-Run-off

Die Allianz will bis 2024 schneller wachsen als die Konkurrenz, die Marge verbessern und Kapital effizienter verwalten. Bei den Details blieb der Versicherer allerdings vage. Das versucht Chef Oliver Bäte mit der Ankündigung des bislang größten Run-off-Deals der Allianz und einer neuen aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik wettzumachen. Bäte steht unter Druck, gute Nachrichten zu verkünden. Schließlich sieht sich das Unternehmen milliardenschweren Klagen und Betrugsvorwürfen in den USA gegenüber, das kommt bei Aktionären nicht gut an.

Signal Iduna gründet neuen Lebensversicherer

 Exklusiv  Die Signal Iduna schränkt das Neugeschäft für ihren existierenden Lebensversicherer auf Gegenseitigkeit ab dem kommenden Jahr stark ein. Die Signal Iduna Lebensversicherung a.G. soll sich dann nur noch um bestehende Verträge und Konsortialbeteiligungen kümmern. Das eigentliche Neugeschäft läuft ab dem 1. Januar 2022 über die neu gegründete Signal Iduna Lebensversicherung AG. „Es wird der einzige Lebensversicherer sein, den wir aktiv im Neugeschäft draußen haben“, sagte Lebensvorstand Clemens Vatter. Es handele sich aber nicht um einen stillen Run-off.

Assekurata: Run-off bewährt sich, außer für Kunden

Der deutsche Run-off-Markt ist mittlerweile ein paar Jahre alt. Deshalb zeichnet sich langsam ab, wie sich die Abwickler auf längere Sicht schlagen. Laut einer aktuellen Studie der Ratingagentur Assekurata halten Viridium, Athora und Co., was sie versprechen. Der Ertrag, den sie mit den Lebensversicherungsbeständen erzielen, ist sehr hoch. Jedoch zeigt sich auch, dass die Kritik von Verbraucherschützern am Run-off berechtigt ist.

Gossmann will Schadenakten digitalisieren

 Exklusiv  Der Abwicklungsspezialist Arndt Gossmann geht unter die Technologie-Anbieter. Zusammen mit dem schweizerisch-dänischen High Tech-Unternehmen Deon Digital gründet seine Run-off-Firma Gossmann & Cie dafür ein Gemeinschaftsunternehmen. Die Firma namens DGTAL bietet Versicherern und Rückversicherern ein Tool an, mit dem sie ihre Schadenakten digitalisieren und auswerten können. Das soll nicht nur helfen, Reservierungen für Schäden akkurater einzuschätzen, sondern den Unternehmen auch einen besseren Überblick über ihren Bestand verschaffen.

„Die ZZR ist für mich nur noch ein Motorrad-Modell“

Nachdem die Corona-Pandemie die Geschäfte für eine ganze Weile ausgebremst hat, könnte bald wieder Fahrt aufkommen bei Run-off-Deals. „Die Logik und die Notwendigkeit sprechen für eine Run-off-Welle“, sagte Arag-Chef Renko Dirksen (Bild) auf der vierten Kurzkonferenz des Versicherungsmonitors, den Breakfast Lectures. Sein Unternehmen hatte vor fünf Jahren den Lebensversicherer verkauft – nach wie vor eine gute Entscheidung, findet Dirksen. Sein Kollege Andreas Wimmer von der Allianz Lebensversicherung betonte dagegen lieber die Alleinstellungsmerkmale der Branche, zum Beispiel als Anleger in nachhaltige Investments.

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