Wenn Versicherer relevant bleiben wollen, benötigen sie das Vertrauen der Verbraucher, mahnte Petra Hielkema, Chefin der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa, bei der Jahreskonferenz der Behörde. Um das zu erreichen sei es unumgänglich, Policen mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis anzubieten. Mit Argwohn betrachtet Hielkema die EU-Kleinanlegerstrategie, die nach ihrer Meinung eine zu hohe Komplexität erreicht hat. Sie will eine Überprüfung des Gesetzes erreichen.
Aufsicht & Regeln
Ist das Regulierung oder kann das weg?
DORA, KI-Verordnung, Solvency II-Review, IRRD, CSRD, EU-Lieferkettengesetz – die Versicherer ächzen unter der Flut an Regulierung aus Brüssel. Auch die Aufseherinnen von Eiopa Petra Hielkema und der BaFin Julia Wiens plädieren für weniger Bürokratie. Wie das am besten zu bewerkstelligen ist, darüber scheiden sich jedoch die Geister, wie eine Diskussionsrunde auf der Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht in Bonn zeigte.
BaFin will Wohlverhaltensaufsicht ausweiten
Die Finanzaufsicht BaFin plant, die sogenannte Wohlverhaltensaufsicht auszuweiten. Im kommenden Jahr will die Behörde Lebensversicherer mit hohen Stornoquoten genauer anschauen, kündigte Versicherungsaufseherin Julia Wiens (Bild) an. Zudem will sie auch bei Schaden- und Unfallversicherern und Krankenversicherern prüfen, ob bestimmte Produkte einen ausreichenden Kundennutzen bieten. Welche Verträge es genau treffen wird, ist noch unklar. Auch Eiopa-Chefin Petra Hielkema will sich verstärkt Nichtlebensversicherer vornehmen.
Allianz: Trend bei US-Haftpflicht nicht tragbar
Die immer höheren Schadenersatzzahlungen, die vor US-Gerichten erstritten werden, stellen Versicherer und Rückversicherer zunehmend vor Probleme. Der Industrieversicherer Allianz Commercial hat die Entwicklung in einem aktuellen Bericht analysiert und fordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Versicherten und Versicherern, sowie eine härtere Haltung bei Vergleichen, um die steigenden Kosten einzudämmen. Der Bericht zeigt, dass die Produkthaftpflicht in den vergangenen fünf Jahren für die teuersten Schäden gesorgt hat.
Erhebliche Verluste durch grünen Umbau möglich
Mit ihrem „Fit-for-55“-Plan will die EU die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent reduzieren. Kommen noch makroökonomische Schocks hinzu, kann der grüne Umbau der Wirtschaft für Banken und Versicherer zu erheblichen Verlusten führen. Das zeigt der erste sektorübergreifende Klima-Stresstest der europäischen Aufsichtsbehörden und der Europäischen Zentralbank. Im Extremszenario machen insbesondere Versicherer und Betriebsrenten-Einrichtungen keine gute Figur. Die Analyse hat aber einen Schönheitsfehler.
Wiens mahnt Versicherer zur Vorsicht
Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds sollten den Höchstrechnungszins, der zum Jahresbeginn 2025 von 0,25 Prozent auf 1 Prozent steigt, nicht unreflektiert als Garantiezins für das Neugeschäft übernehmen, fordert Julia Wiens, Chefin der Versicherungsaufsicht bei der BaFin. Außerdem gelte es, den Kundennutzen stärker in den Blick zu nehmen. In der Schaden- und Unfallversicherung mahnt Wiens Prämienerhöhungen an.
Assekurata kritisiert Value-for-Money-Umsetzung
Die Ratingagentur Assekurata äußert in einer aktuellen Analyse Kritik am Value-for-Money-Konzept der deutschen und der europäischen Finanzaufsicht. Assekurata kritisiert, dass sich die Behörden zu sehr an Kosten und Renditen orientieren und weniger an Faktoren wie Beratung und Produktflexibilität. Auch in Bezug auf die Weiterentwicklung der Value-for-Money-Umsetzung stellen die Expertinnen und Experten Forderungen.
Großbritannien will Captive-Standort werden
Großbritannien hat mit Lloyd’s of London einen großen Industrie- und Rückversicherungsmarkt, doch firmeneigene Versicherer sind dort bisher eher rar gesät. Jetzt will das Land attraktiver für die sogenannten Captives werden und prüft deshalb regulatorische Erleichterungen für die Gesellschaften. Die Vorschläge, zu denen sich interessierte Versicherer und Unternehmen äußern können, reichen von Erleichterungen beim Eigenkapital bis hin zu vereinfachten Berichtspflichten.
Rollinger: „Ein Irrsinn, der uns aufgedrückt wird“
Die deutschen Versicherer fordern von der künftigen Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen für die nachhaltige Transformation, damit die Verringerung der Emissionen gelingt. Derzeit bestehe eine regulatorische Schieflage, kritisierte der Präsident des Lobbyverbands der Branche GDV Norbert Rollinger auf einer Veranstaltung in Berlin. Der GDV meldet Fortschritte beim sogenannten C02-Fußabdruck.
Wenig Hoffnung auf kurzfristige bAV-Reform
Die Pläne der Bundesregierung für eine Stärkung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) werden vor den sich abzeichnenden Neuwahlen wohl nicht mehr verabschiedet. Darüber waren sich Vertreter der Regierung und der FDP auf einer Veranstaltung des Handelsblatts in Berlin einig. Staatssekretär Rolf Schmachtenberg vom Bundesarbeitsministerium (links auf dem Bild) plädierte aber dafür, dass der Gesetzentwurf von einer künftigen Regierung aufgegriffen wird.
Eiopa will Versicherern mehr Eigenkapital abfordern
Wenn Versicherer in fossile Brennstoffe investieren, ist das aus Sicht der europäischen Aufsichtsbehörde Eiopa riskanter als andere Investments. Sie schlägt daher vor, die Kapitalanforderungen für solche Aktien und Anleihen zu erhöhen. Dies geht aus dem Abschlussbericht einer Untersuchung über Nachhaltigkeitsrisiken hervor. Analysiert hat Eiopa auch, wie sich Präventionsmaßnahmen gegen den Klimawandel auf Zeichnungsrisiken in der Sachversicherung auswirken. Hier kam sie aber zu keinem eindeutigen Ergebnis. Die Datenlage sei noch zu schlecht.
Solvency II-Reform: GDV ermahnt die EU
Der deutsche Versichererverband GDV begrüßt die Annahme der Änderungsrichtlinie zum Aufsichtsregime Solvency II durch den Rat der Europäischen Union. Bei der bevorstehenden Ausgestaltung der technischen Details müssen allerdings die langfristigen Verpflichtungen der Branche berücksichtigt werden, fordert Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Der GDV plädiert dafür, die bestehende Bewertungsmethode für diese Verbindlichkeiten beizubehalten.
Berenberg: Kostendruck treibt Fusionswelle
Steigende Kosten für Naturkatastrophen, für die Umsetzung regulatorischer Anforderungen und für Rückversicherungsschutz sind die Haupttreiber für die aktuelle Fusionswelle unter Versicherern in Deutschland. Davon sind Analysten der Bank Berenberg überzeugt. In einer aktuellen Studie untersuchen sie, welche Gründe vor allem kleinere Versicherungsunternehmen auf Gegenseitigkeit zu Zusammenschlüssen veranlassen – und was die Folgen für die Branche sind.
GDV: „Ein Geschenk für Besserverdienende“
Die Versicherer werden nicht müde, Kritik am Gesetzentwurf für die Altersvorsorge-Reform zu äußern. GDV-Präsident Norbert Rollinger warf der Regierung auf der Vermittlermesse DKM vor, vor allem finanziell Bessergestellte zu stärken und weniger die von Altersarmut Bedrohten. Trotz der langjährigen Probleme in der Riester-Rente, durch die die Versicherungswirtschaft in der Politik viel Wohlwollen eingebüßt hat, sieht Rollinger die Branche weiter als „natürlichen Partner“ des Staates in der Altersvorsorge.













