Wolfgang Hanssmann ist gut vernetzt in der Branche, er hat sich als Vertriebsvorstand bei den HDI Versicherungen und vorher bei der Axa einen guten Ruf erarbeitet. Doch zurzeit muss Hanssmann mit viel Kritik aus den eigenen Reihen fertig werden. Denn er bezieht in der Diskussion über die Betriebsschließungsversicherung (BSV) für Gastronomen eine deutlich andere Position als andere Gesellschaften. Die BSV habe einen „Konstruktionsfehler“, sagt Hanssmann, den man beseitigen müsse. Aber dafür dürfe man nicht die Kunden bestrafen.
Industrieversicherung
Erpressung dominiert US-Cyberschäden
Erpressungsoftware (Ransomware) breitet sich immer weiter aus und hat 2019 in den USA für einen großen Teil des Schadenaufwands in der Cyberversicherung gesorgt, schreibt Aon in seinem jüngsten Update des US-Cybermarkts. „Wir glauben, dass Ransomware auch 2020 das Schadengeschehen dominieren wird“, schreiben die Analysten des Maklers. Aon hat offizielle Daten untersucht und sieht einen moderaten Anstieg der Prämieneinnahmen. Während die Schadenfrequenz steigt, sinkt der Durchschnittsschaden leicht ab. Die Sparte ist profitabel.
Eine neue Police für Unternehmen in Schieflage
Exklusiv Mit der Pandemie ist die Zeit für eine neue Police im Bereich Unternehmensübernahmen gekommen, glauben der Makler Marsh und die Kanzlei Latham & Watkins: Die Distressed Mergers & Acquisitions-Police kann dort zum Einsatz kommen, wo Verkäufer angeschlagener Unternehmen keine Garantien bieten können. So könnten in schwierigen Zeiten Unternehmen durch einen neuen Eigentümer gerettet werden. Langfristig wachse hier sogar eine Konkurrenz zur Warranty & Indemnity-Deckung heran, so die Experten.
Corona-Roundup: Betriebsschließung, Axa, Lloyd’s
Über die bayerische Lösung, nach der Versicherer bis zu 15 Prozent für Betriebsschließungsschäden von Gastronomen und Hoteliers zahlen, wird viel gestritten. Handelt es sich um Kulanzzahlungen für eigentlich unversicherte Schäden oder ist es ein Vergleichsangebot? Von der Antwort auf diese Frage hängt auch ab, ob Erstversicherer Schäden an Rückversicherer weitergeben können, erklärt Vincent Schreier, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Clyde & Co. Außerdem: Die Lufthansa schnürt zusammen mit der Axa ein Paket für erkrankte Fluggäste. Der wegen der Corona-Pandemie geschlossene Underwriting-Room von Lloyd’s of London soll am 1. September wieder öffnen. Der US-Versicherer Markel verabschiedet sich derweil aus mehreren Versicherungssparten.
AGCS feuert Hartmut Mai und Sinéad Browne
Leute – Aktuelle Personalien Joachim Müller (Bild), seit Ende 2019 Chef des Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), baut die Führung des Unternehmens radikal um. Als Teil des Umbaus werden Hartmut Mai und Sinéad Browne den Vorstand und das Unternehmen verlassen. Beide standen bislang an der Spitze zweier Regionen. Mai ist gerade im deutschen Markt sehr bekannt. Neu zur AGCS kommt Renate Strasser, aktuell Chefin der Schweizer Munich Re-Tochter New Re. Die AGCS ist zurzeit der größte Problemfall im Allianz-Konzern. Aber es ist unwahrscheinlich, dass schon 2020 eine Besserung eintritt.
Milliardenpotenzial bei Infrastrukturprojekten
Versicherer werden nach der Corona-Krise viele Möglichkeiten haben, in Infrastrukturprojekte zu investieren. Davon geht Swiss Re in der aktuellen Sigma-Studie aus. Gerade Schwellenländer müssen dann ihre Infrastruktur ausbauen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, allerdings haben sie dafür nicht ausreichend Geld. Deshalb werden sich Investitionsmöglichkeiten in Höhe von jährlich 920 Mrd. Dollar (814 Mrd. Euro) für institutionelle Anleger bieten. Auch beim Risikotransfer wird der Markt wachsen und das Prämienvolumen sich deutlich erhöhen.
S&P zweifelt an Allianz-Industrieversicherer
Der Allianz-Industrieversicherer AGCS war zuletzt versicherungstechnisch in die roten Zahlen gerutscht. Eine Mischung aus Preiserhöhungen und dem Ausstieg aus unprofitablen Geschäftsbereichen soll ihn in den kommenden zwei Jahren wieder auf Kurs bringen. Standard & Poor’s (S&P) bezweifelt, dass das funktioniert – und hat den Versicherer mit einem negativen Ausblick versehen. Neben den Belastungen durch die Corona-Krise fürchtet die Ratingagentur, dass zusätzliche Reservestärkungen notwendig werden könnten – auch in Deutschland.
HDI Global trennt sich von Harting
Leute – Aktuelle Personalien Paukenschlag bei HDI Global: Deutschlandchef Frank Harting verlässt den Vorstand des Industrieversicherers Ende Juni. Offenbar passte Harting nicht mehr in die Digitalisierungs- und Globalisierungsstrategie von Konzernchef Torsten Leue und von Edgar Puls, Chef der HDI Global. Außerdem: Das zum französischen Rückversicherer Scor gehörende Channel Syndicate hat zwei neue Underwriter, und Frank Bergert leitet künftig das Deutschlandgeschäft des auf die Schifffahrt spezialisierten Versicherungsmaklers und Dienstleisters Thomas Miller.
Allianz-Erfolg vor dem EuGH
Die Allianz hat in dem langjährigen Rechtsstreit um die Entschädigung von Frauen, die durch mangelhafte Brustimplantate geschädigt wurden, einen Teilerfolg erzielt. Der Europäische Gerichtshof (hier das Gerichtsgebäude in Luxemburg) hat am Donnerstag entschieden, dass die Beschränkung der Haftung auf Schäden in Frankreich mit dem EU-Recht vereinbar ist. Die Allianz-Vorgängerorganisation AGF war Produkthaftpflichtversicherer des Herstellers PIP.
AGCS warnt vor Risiken bei Elektrofahrzeugen
Der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) rechnet mit einem starken, weltweiten Zuwachs der Elektromobilität. Bis zum Jahr 2030 könne die Zahl der Elektroautos von derzeit sieben Millionen Fahrzeugen auf rund 100 Millionen steigen. AGCS sieht eine Vielzahl von Risiken für die Hersteller von Elektrofahrzeugen und deren Versicherer. Schäden an den Fahrzeugen mit strombetriebenem Antrieb dürften deutlich komplexer werden – Versicherer sollten daher ihre Fähigkeiten und Prozesse zur Schadenbearbeitung überprüfen.
Corona beendet Wachstum in Schaden und Unfall
Die vergangenen zehn Jahre waren für die Schaden- und Unfallversicherer insgesamt äußerst erfolgreich. Sie konnten ihre Prämieneinnahmen deutlich auf zuletzt knapp 73 Mrd. Euro ausbauen und arbeiteten unter dem Strich profitabel. Die Corona-Krise könnte diesen Trend nun zum Erliegen bringen, prognostiziert die Ratingagentur Assekurata. Dabei spielen nicht nur die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie eine Rolle, sondern auch, dass einige Anbieter ihre defizitären versicherungstechnischen Ergebnisse immer schwerer kompensieren können.
Versicherer profitieren von Mehrwertsteuer-Senkung
Exklusiv Die vor dem Hintergrund der Corona-Krise beschlossene Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 16 Prozent im zweiten Halbjahr 2020 wird dazu führen, dass Schaden- und Unfallversicherer bei den Schadenzahlungen an Privatkunden Millionen einsparen. Um welches Volumen es genau geht, ist noch unklar. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem davon, wie viele Kunden sich in der Kfz-Versicherung für eine fiktive Abrechnung entscheiden, bei der die Mehrwertsteuer außen vor bleibt. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass die Versicherer einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen dürften.
Corona-Roundup: Kreditversicherer, Dividenden, Axa
Großbritannien hat eine staatliche Garantie für Kreditversicherer beschlossen. Über den 10 Mrd. Pfund-Schutzschirm können die Gesellschaften Geschäft rückwirkend zum 1. April beim Staat rückversichern. Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa hält an ihrem Standpunkt fest, dass Versicherer angesichts der Corona-Pandemie auf Dividenden verzichten sollten. Der französische Versicherer Axa hat sich mit 200 Restaurantbesitzern über Zahlungen für Betriebsunterbrechungen geeinigt. Mit entsprechenden juristischen Auseinandersetzungen haben auch Allianz und Zurich zu tun.
Terrorversicherer Pool Re soll Pandemierisiken decken
In Großbritannien prüfen Versicherungsexperten die Idee, Pool Re – den 25 Jahre alten Rückversicherungspool für Terrorrisiken – auch auf Pandemien wie Covid-19 auszuweiten. Eine hochkarätig besetzte Arbeitsgruppe beschäftigt sich bereits mit dem Thema. Die Branche fürchtet, dass der Umgang mit Betriebsschließungspolicen ihrer Reputation schaden könnte. Doch der Erfolg für das Projekt ist alles andere als sicher. Es gibt eine ganze Reihe von Widerständen, die überwunden werden müssen.
Dual: Heiner Eickhoff geht in den Ruhestand
Leute – Aktuelle Personalien Dual Deutschland-Gründer Heiner Eickhoff beendet seine Tätigkeit bei dem auf Financial Lines spezialisierten Assekuradeur. Die Position als Geschäftsführer hatte er schon 2015 abgegeben, vor zwei Jahren gab er den Posten als Executive Chairman auf und wurde European Development Director. Die Lage von Dual sei gut, sagte er. Das Unternehmen könne von der Krise profitieren, da viele große Anbieter ihre Kapazitäten reduziert haben.














