In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Kfz-Versicherer in Deutschland zurückgehalten, was Kampfpreise angeht. Mit dem steigenden Prämienniveau könnte es nun vorbei sein. Die Hannover Rück, die zu den führenden Rückversicherern in dem Bereich gehört, sieht einen verschärften Wettbewerb unter den Erstversicherern in der Sparte. Gleichzeitig steigt der Schadenaufwand wegen teurer werdenden Reparaturen immer weiter an. Für den Rückversicherungsmarkt insgesamt rechnet Konzernchef Ulrich Wallin mit stabilen Preisen in der aktuellen Erneuerungsrunde. Das sagte er beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo (Bild).
Industrieversicherung
Großer Druck auf Lloyd’s of London
Scharfer Wettbewerb, hohe Kostenquote, Personalfluktuation, Brexit – der Versicherungsmarkt Lloyd’s of London hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo sind die Probleme des Marktes ein wichtiges Thema. Viele Experten beklagen, dass der Markt seit Jahren im Rückversicherungsbereich kein Geld mehr verdient. Lloyd’s-Manager Jon Hancock hat bereits die Syndikate nachdrücklich aufgefordert, ihr Geschäft auf Profitabilität zu trimmen. Die Experten in Monte Carlo sind sich uneins, was die Auswirkungen der Sanierung angeht.
„Scor braucht keinen Zusammenschluss“
Scor-Chef Denis Kessler hat sich vehement für die fortdauernde Unabhängigkeit seines Unternehmens ausgesprochen. Scor brauche keinen Zusammenschluss, sagte er beim Welt-Rückversicherungstreffen in Monte Carlo. Vor zwei Wochen hatte der französische Versicherer Covéa dem Scor-Verwaltungsrat ein Gesprächsangebot gemacht und 8,3 Mrd. Euro für das Unternehmen geboten. Der Verwaltungsrat lehnte ab. Scors unabhängiger Ansatz habe zu erheblichem Wachstum geführt. Vorstandsmitglied Victor Peignet hat Zweifel an der Cyberversicherung.
Schicksalsfrage für Rückversicherer
Wenn die Rückversicherer keine Lösung für die Versicherung von Cyberrisiken finden, wird die Branche überflüssig, befürchtet Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek. Beim Welt-Rückversicherungstreffen in Monte Carlo sagte er, dass der traditionelle Rückversicherungsmarkt „mäßiges Wachstum“ zeige und die digitale Transformation neue Möglichkeiten für Rückversicherer biete. Cyberrisiken gehörten zu den größten Risiken. Chief Underwriter Stefan Golling warnte davor, im Rahmen der Cyberversicherung Netzausfälle von Strom und Internet abzudecken.
Industrie hadert mit Cyber-Kapazitäten
Die Industrieversicherer sind in der Cyberversicherung deutlich vorsichtiger geworden und stellen weniger Kapazitäten zur Verfügung. Das monieren immer mehr Risikomanager. Am Freitag nutzte BASF-Risikomanager und GVNW-Vorstand Eberhard Faller das Symposium des Verbandes für deutliche Kritik. Sein Unternehmen habe zwar ausreichend Kapazitäten, es gebe aber viele Firmen, die sich höhere Deckungen wünschten, sagte er. Zurich-Managerin Sierra Signorelli verwies auf die kritischen Fragen von Investoren und Ratingagenturen, denen sich die Versicherer stellen müssen. Mohsen Sohi, Chef des Technologiekonzerns Freudenberg, will frühestens in ein paar Jahren eine Cyberversicherung abschließen. Er setzt vor allem auf ein solides Finanzkonzept für den Konzern mit Hauptsitz in […]
Blockchain hat Potenzial, passt aber nicht für jeden
Entpuppt sich die Blockchain-Technologie als Hype, oder bringt das virtuelle Transaktionsregister tatsächlich einen echten Umbruch? Blockchain-Technologie kann helfen, die Prozesse schlanker zu gestalten und die Kosten zu senken, glaubt zumindest Markus Bassler, Head Energy Onshore und Special Risks bei Partner Re. Das sagte er während einer Veranstaltung auf dem GVNW-Symposium in München. Jens-Daniel Florian vom Makler Marsh Deutschland erwartet durch die Transparenz, die Blockchain schafft, positive Effekte bei der Sicherheit.
Die Kritik der Industrie und die Antwort der Versicherer
Alexander Mahnke wird immer mehr zum Freund der klaren Aussprache. Beim Industrieversicherungskongress des Gesamtverbandes der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) fand der GVNW-Vorsitzende und Versicherungschef bei Siemens deutliche Worte, mit denen er die Assekuranz kritisierte. Preiserhöhungen, Digitalisierung und andere Themen standen auf seiner Liste. Der Versicherungsmonitor befragte Vorstandsmitglieder zweier großer Industrieversicherer, was sie von der Mahnke-Kritik halten. Es antworteten Andreas Berger von der Allianz Global Corporate & Specialty und Stefan Sigulla von der Talanx-Tochter HDI Global.
Willis warnt vor dem Risikofaktor Mensch
Der Makler und Berater Willis Towers Watson warnt davor, den Menschen als Risikofaktor zu unterschätzen. Für Unternehmen gehe von den Mitarbeitern ein wesentliches Risiko aus, etwa im Hinblick auf Cyber-Gefahren. So argumentierten Alberto Gallego und Paul Morris von Willis Towers Watson beim GVNW-Symposium in München. Als wesentliche Erfolgsfaktoren für das Risikomanagement sehen sie die klare Kommunikation mit Mitarbeitern sowie die Zusammenarbeit mit Bereichen wie dem Personalwesen. Keinesfalls sollten Firmen beim Eingehen von Risiken zu vorsichtig agieren – sonst drohe schlimmstenfalls ein Scheitern wie beim Foto-Giganten Kodak.
GVNW wehrt sich gegen pauschale Preiserhöhungen
Alexander Mahnke, Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW), hat flächendeckenden Preiserhöhungen in der Industrieversicherung eine Absage erteilt. Das sei nicht der richtige Weg, sagte er bei der Eröffnung des diesjährigen Symposiums des Lobbyverbandes der deutschen Wirtschaft in Versicherungsfragen. Außerdem seien Preiserhöhungen schwer durchzusetzen, der Markt ist immer noch käuferfreundlich. Ebenfalls unzufrieden ist Mahnke mit den Digitalisierungsbemühungen und den Kostensätzen der Anbieter in der Industrieversicherung.
Chubb: „Wir benötigen risikoadäquate Prämien“
Der Markt für D&O-Versicherungen steckt schon seit Jahren versicherungstechnisch in den roten Zahlen, einige Anbieter haben schon das Handtuch geworfen. Der Industrieversicherer Chubb will dem deutschen D&O-Markt dennoch treu bleiben, betont Andreas Wania, Hauptbevollmächtigter und Country President des Versicherers in Deutschland. Mehr denn je seien jetzt aber risikoadäquate Prämien vonnöten.
Munich Re übernimmt Start-up Relayr
Die Munich Re kauft über ihre US-Tochter Hartford Steam Boiler das Technologieunternehmen Relayr, einen Spezialisten für den Bereich „Internet der Dinge“. Die Münchener, die seit 2016 schon 15 Prozent an der mit 300 Mio. Dollar bewerteten US-Gesellschaft halten, haben für die übrigen Anteile rund 255 Mio. Dollar bezahlt. Relayr bietet Firmen Beratungen und Lösungen für die digitale Transformation von Produktionsprozessen und seit 2016 auch Versicherungsprodukte von Hartford Steam Boiler an.
Zweifel an höheren Preisen in der Feuerversicherung
Versicherungsmonitor Analyse In diesem Jahr wollen die Industrieversicherer das erreichen, was ihnen seit Jahren nicht gelingt: Die Preise in der gebeutelten Feuerversicherung sollen endlich steigen. Noch ist unklar, wie erfolgreich sie sein werden. Makler halten einen marktweiten Prämienanstieg für unwahrscheinlich, schließlich hätten die Anbieter auch schon in den vergangenen Jahren Sanierungsversuche aus Sorge vor Umsatzeinbußen regelmäßig nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Außerdem gibt es immer noch ausreichend Kapazität im Markt. Eine weitere Hürde ist, dass nicht alle Anbieter mitziehen, wenn ein Konkurrent mit einer Preiserhöhung vorprescht. Sie spekulieren stattdessen auf die Kunden, die er bei der Sanierung verliert.
Risiko von Patentverletzungen steigt
Gerichtliche Auseinandersetzungen wegen Patentverletzungen nehmen weltweit zu, so ein Bericht des Maklers und Beraters Willis Towers Watson. Versicherer, die entsprechende Deckungen anbieten, beobachten bereits eine steigende Nachfrage. Allerdings sind die Policen immer noch nicht weit verbreitet. Auch hierzulande wächst das Risiko. Laut dem Bericht liegt Deutschland mittlerweile auf Rang drei der Länder mit den meisten Prozessen wegen Verletzungen geistigen Eigentums. Auf Platz eins liegen die USA, dahinter folgt China.
Lloyd’s überprüft Schiffsversicherung
Die Seekasko-Sparte, in der Versicherer Schäden an Schiffen decken, steckt seit Jahren in den roten Zahlen. Jetzt will der Versicherungsmarkt Lloyd’s of London offenbar die Reißleine ziehen. Laut einem Bericht des Wall Street Journals hat Lloyd’s eine Reihe von Syndikaten aufgefordert, ihr Geschäft in der Sparte zu überprüfen. Der Londoner Markt ist ein wichtiger Kapazitätsgeber für die Schiffsversicherung, sollten sich die Anbieter hier spürbar aus dem Geschäft zurückziehen oder die Prämien erhöhen, hätte das auch Auswirkungen auf den Gesamtmarkt.
Wie sich Versicherer auf den Brexit vorbereiten
Viele britische Versicherer rechnen inzwischen mit einem harten Brexit. Laut einer Umfrage der Financial Times unter den größten 20 Anbietern hat die Mehrheit bereits Notfallpläne umgesetzt. Neben der Gründung neuer EU-Niederlassungen und der Umwandlung von Unternehmen in europäische Aktiengesellschaften umfasst das auch den kostspieligen Transfer von bestehendem EU-Geschäft. Das soll Schadenzahlungen an EU-Kunden auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ermöglichen. Gleichzeitig dringen Versicherer- und Maklerverbände auf eine politische Lösung.













