Versicherer stehen vor einem Spagat: Sie müssen Kapital langfristig, rentabel und mit möglichst wenig Risiko anlegen, gleichzeitig steigen die Erwartungen an Klimawirkung, Transparenz und Realwirtschaftsbezug. Hier kann Forstwirtschaft als Portfoliobaustein auf den Plan treten, der die Kriterien verbindet – betriebswirtschaftliche Logik, Langfristigkeit und einen Beitrag zu Dekarbonisierung und Biodiversität, schreibt Jasper Renk, Senior Investment Manager Illiquid Assets Natural Capital bei Meag, dem Vermögensverwalter der Munich Re.
Archiv ‘CO2’
Gold in der Schublade
Alexander Heß, Country Manager Deutschland beim Spezialversicherer Assurant, ist überzeugt, dass Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell funktionieren kann. Das international tätige Unternehmen mit Niederlassungen in Bonn und Frankfurt versichert Smartphones und Elektrogeräte und hat sich auf die Wiederaufbereitung von gebrauchten Handys spezialisiert. Im Gespräch mit dem Versicherungsmonitor berichtet Heß von Assurants Expansionsplänen und davon, wie sich tonnenweise CO₂ durch die in den Schubladen der Deutschen schlummernden Smartphones einsparen lässt.
Allianz investiert in Wasserstoff
Exklusiv Die Allianz will verstärkt in grünen Wasserstoff investieren und auch Wasserstoffprojekte versichern. Der Firmenversicherer Allianz Commercial schreibt in einem aktuellen Bericht, dass sich die globale Nachfrage nach Wasserstoff bis 2050 verfünffachen werde. Für die Versicherungsbranche bedeute das enormes Marktpotenzial. Laut Allianz birgt die Technologie aber auch große Risiken.
Exitstrategien bei Kohle wirken
Verfolgen Versicherungsunternehmen eine strenge und konstante Strategie, aus emissionsintensiven Branchen auszusteigen, hat das direkte Auswirkungen auf diese Firmen. Die Branche kannn also mit ihrer Zeichnungspolitik den Übergang zur Klimaneutralität direkt beeinflussen, haben Forscher der Universität Zürich und des Swiss Finance Institutes herausgefunden. Führen Versicherer eine Strategie ein, Kohlebergwerke nicht mehr zu versichern, steigt die Wahrscheinlichkeit stark, dass diese Bergwerke den Betrieb einstellen.
Assekurata: Handlungsbedarf bei Scope-3-Emissionen
Bei der Erfassung der indirekten Treibhausemissionen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung können die Versicherer nach Einschätzung der Ratingagentur Assekurata noch deutlich besser werden. Assekurata hatte die Emissionsdaten von 27 Unternehmen analysiert. Danach hat im Jahr 2022 nur ein Fünftel der Gesellschaften die indirekten Emissionen durch Investitionen erfasst, obwohl diese für den Großteil der sogenannten Scope-3-Emissionen verantwortlich sind.
Axa erreicht Platz 1 bei ESG-Transparenz
Bereits zum vierten Mal in Folge erreichte der französische Versicherer Axa den ersten Platz bei der transparentesten ESG-Berichterstattung, wie eine Studie des Analysehauses Zielke Research Consult unter 21 europäischen Versicherern zeigt. Auch Zurich, Helvetia, Munich Re, Prisma Life und Baloise konnten ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung deutlich verbessern. Potenzial gibt es aber noch bei der Allianz, die im Ranking nur den neunten Platz belegt.
Theis und Mascher finanzieren Klimaversicherer
Die früheren Allianz-Manager Axel Theis und Christof Mascher haben zusammen mit anderen Investoren die Initialinvestition für den Klimaversicherer Carbon Pool geleistet. Das Unternehmen wird von Gründer Coenraad Vrolijk geleitet. Carbon Pool will Unternehmen absichern, damit sie beim Kauf von CO2-Emissionsberechtigungen diese Berechtigungen auch dann erhalten, wenn der Emittent sie zum Beispiel wegen eines Waldbrandes nicht liefern kann. „Wir erwarten einen sehr großen Markt“, sagte Theis dem Versicherungsmonitor.
Gothaer will Nachhaltigkeit vorantreiben
Der Kölner Versicherer Gothaer will durch nachhaltige Kapitalanlagen ESG-konformer werden. Ziel ist es, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Herausforderungen sind jedoch strenge Regularien, der Mangel an Daten und die fehlende Bereitschaft von Kunden, nachhaltige Investitionen zu tätigen. Das berichten Vorständin Alina vom Bruck und ESG-Expertin Natalia Geng von Gothaer Asset Management in einem Workshop zum Thema nachhaltige Kapitalanlagen.
Keine Sieger bei Klimarating von Insure Our Future
Immer mehr Versicherer implementieren Strategien für den Kohle- und mittlerweile auch den Öl- und Gasausstieg. Allerdings sei die Entwicklung zu langsam im Vergleich mit dem Fortschreiten des Klimawandels, kritisiert die Initiative Insure Our Future. Sie wirft der Versicherungsbranche Versagen beim Klimaschutz vor. Deshalb vergibt die Organisation in diesem Jahr keinen ersten, zweiten oder dritten Platz beim Klimaranking der Versicherer. Besonders viel Kritik erntete die Zurich.
Wochenspot: Klimaschutz als neues Geschäftsfeld
Einmal in der Woche gibt es den Versicherungsmonitor auch zum Hören. In dieser Ausgabe diskutieren Redakteurin Katrin Berkenkopf und Chefredakteurin Friederike Krieger (links) über die neuen Geschäftsmöglichkeiten, die das Mega-Thema Klimaschutz Versicherern bietet. Sie stellen neue Policen vor und diskutieren die Bedeutung von Prävention.
Konflikt ums Klima
Themenschwerpunkt ESG Der Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft sorgt für Konflikte zwischen Unternehmen und Versicherern. Kraftwerksbetreiber und Branchen mit hohem CO2-Ausstoß haben Probleme, Versicherungsschutz zu finden. Industrievertreter finden, die Versicherer sollten nicht als Klimapolizei auftreten und strengere Regeln anlegen als die Politik. Auch bei der Deckung von innovativen Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels sollten die Versicherer mehr Risikobereitschaft mitbringen, hieß es beim Round Table des Versicherungsmonitors.
Ferma fordert mehr Hilfe von Versicherern
Zu wenig, zu langsam, zu zögerlich – die europäische Risikomanagervereinigung Ferma lässt in einem aktuellen Whitepaper kein gutes Haar an den Erst- und Rückversicherern. Sie behindern durch ihr Handeln oder bewusstes Nicht-Handeln den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft, moniert die Brüsseler Organisation. Statt Unternehmen mit kohleintensiven Geschäftsmodellen die Hand zu reichen und sie beim Wandel zu unterstützen, täten die Anbieter genau das Gegenteil – mit fatalen Folgen.
Wochenspot: Verluste bei der Allianz
Wochenspot – der Podcast Einmal in der Woche gibt es den Versicherungsmonitor auch zum Hören. In dieser Ausgabe diskutieren Redakteurin Katrin Berkenkopf und Herausgeber Herbert Fromme über die Ergebnisse der jüngsten Marktanteilsstudie des Kivi-Instituts und die Verluste der Allianz. Außerdem geht es um eine neue Police für den CO2-Markt und das Jahrestreffen der Industrieversicherer.












