Die von den jüngsten Überschwemmungen in Zentral- und Osteuropa betroffenen Versicherer werden angesichts der Fülle der gemeldeten Schäden in ihren operativen Fähigkeiten gefordert. Wie schnell sie Schäden begutachten und regulieren, wird Aufschluss über ihren Kundenfokus liefern. Das schreibt die Ratingagentur S&P in einem aktuellen Bericht. Dass ein Großteil der versicherten Schäden rückversichert ist, entlastet die Gesellschaften.
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Prävention hat Schlimmeres verhindert
Die schweren Unwetter und das folgende Hochwasser in Zentral- und Osteuropa hätten ohne die bereits getroffenen Präventionsmaßnahmen noch deutlich schlimmere Konsequenzen gehabt, erklärt der Rückversicherungsmakler Howden Re. Die verantwortliche Wetterlage wird wegen des Klimawandels künftig noch häufiger auftreten und Europa heftige Regenfälle bescheren.
Swiss Re steigert Gewinn und sieht sich auf Kurs
Der zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re hat im ersten Halbjahr gut verdient und bestätigt das Gewinnziel von mehr als 3,6 Mrd. Dollar (3,2 Mrd. Euro). Die Schweizer profitieren von einer geringen Großschadenlast und einem starken Kapitalanlageergebnis, wollen angesichts der Hurrikan-Saison aber wachsam bleiben. In der Juli-Erneuerung in der Schadenrückversicherung hat Swiss Re einen Preisanstieg von 8 Prozent erzielt.
Zurich mit Gewinn in Rekordhöhe
Die Zurich meldet einen Betriebsgewinn in Rekordhöhe von 4 Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro), der Nettogewinn legte ebenfalls zu. In der Schaden- und Unfallversicherung konnte die Gesellschaft höhere Preise durchsetzen. Angesichts einer gestiegenen Last durch Naturkatastrophen will der Versicherer bei solchen Risiken auch künftig vorsichtig agieren. Zurich sieht sich auf Kurs, um die selbstgesteckten Ziele zu übertreffen.
GDV warnt vor Übertreibung bei Nat Cat
Der Lobbyverband der deutschen Versicherungswirtschaft GDV hält den Eiopa-Vorschlag zur Anpassung der Faktoren für Naturgefahren unter dem Standardmodell von Solvency II für verbesserungswürdig. Die Verdopplung des Risikofaktors für Hagel in der Kfz-Versicherung sei zwar angemessen, nicht aber die ebenfalls vorgesehene Anhebung des Länderfaktors für Hagel, heißt es in einer Stellungnahme. Eiopa soll regelmäßig überprüfen, ob Naturgefahren unter Solvency II angemessen berücksichtigt werden.
GDV: 90 Prozent der Ahrtal-Schäden reguliert
Der Lobbyverband der Versicherungswirtschaft GDV sieht die Abwicklung der Schäden infolge des Tiefs „Bernd“ vor drei Jahren grundsätzlich abgeschlossen. Die Gesellschaften haben demnach 7,5 Mrd. Euro und damit 90 Prozent der Schäden ausgezahlt. Der Verband spricht von einem guten Signal für die Betroffenen. Der auf Versicherungsrecht spezialisierte Anwalt Markus Gerd Krämer ist dagegen weiter für Betroffene der Naturkatastrophe tätig. Zuletzt seien sogar neue Mandanten dazugekommen, sagte er dem Versicherungsmonitor.
Länder dringen weiter auf Pflichtversicherung
Die Länder haben den Druck auf den Bund in Sachen Pflichtversicherung gegen Elementarschäden vor dem Hintergrund der aktuellen Flutereignisse erhöht. Am Freitag beschlossen sie mehrheitlich eine entsprechende Initiative des Saarlands. Der Bundesjustizminister zeigte sich in einer ersten Reaktion allerdings wenig kompromissbereit. Bereits in dieser Woche könnte es auf der Ministerpräsidentenkonferenz eine Vorentscheidung geben.
Der lange Arm der Gebäudeversicherung
Der Klimawandel betrifft Versicherer in vielerlei Hinsicht, Verbraucher spüren die Folgen vor allem in der Gebäudeversicherung. Besonders in den USA steigen die Preise enorm, und immer mehr Gesellschaften ziehen sich ganz aus dem Segment zurück. Das hat in Amerika weitreichende Folgen in vielen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft. Einige Experten gehen davon aus, dass der Gebäudeversicherungsmarkt nicht zu retten ist. Ein Scheitern hätte auch Konsequenzen für den Weltmarkt.
850 Mio. Dollar an Unwetter-Schäden in Nahost
Zwei Wochen nach den heftigen Überschwemmungen im Nahen Osten schätzt der Rückversicherungsmakler Guy Carpenter die versicherten Schäden allein in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf bis zu 850 Mio. US-Dollar. Der gesamte ökonomische Schaden in dem betroffenen Gebiet dürfte ein Vielfaches höher sein, denn nur wenige Menschen in der Region haben eine Versicherung.
Naturgefahrenportal soll Risikodaten liefern
Die Bundesregierung hat klargestellt, dass das geplante Naturgefahrenportal mehr liefern soll als eine bloße Warninformation bei Überschwemmungen. Darüber hinaus seien „ergänzende Risiko- und Präventionsinformationen“ vorgesehen, schreibt sie in einer Gegenäußerung zur Stellungnahme des Bundesrats. Das dürfte den Versichererverband GDV freuen. Auch bei der vom Bundesrat gestoppten Kfz-Versicherungspflicht für langsame Fahrzeuge gibt es eine neue Entwicklung.
190 Euro für alle
Kommentar Die Elementarschadendeckung gegen Flutrisiken könnte für die meisten Hausbesitzer deutlich teurer werden, wenn eine Pflichtversicherung käme. 190 Euro statt vielleicht 80 Euro oder 120 Euro könnten es sein, haben die Versicherungsmathematiker der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss ausgerechnet. Munition für die Gegner der Pflichtversicherung? Nicht wirklich. Wenn die Last gleich verteilt ist, profitieren alle Hausbesitzer – und jeder kann sich die Police leisten.
Dezember-Hochwasser kostet Provinzial 15 Mio. Euro
Die Schäden durch das Hochwasser im vergangenen Dezember kosten die Provinzial rund 15 Mio. Euro, der Konzern kommt damit 2023 auf einen Elementarschadenaufwand von 66 Mio. Euro. Zu den Überschwemmungen, die auf 2024 entfallen, will er noch keine Schadenhöhe nennen. Derweil hat die Öffentliche Braunschweig die Höhe der Sturm- und Hochwasserschäden durch „Zoltan“ nach oben korrigiert.
VKB: Großes Interesse an erstem Cat Bond
Die Versicherungskammer Bayern (VKB) hat sich Ende vergangenen Jahres das erste Mal Rückversicherungsschutz in Form einer Katastrophenanleihe über den Kapitalmarkt besorgt. Der Schritt des öffentlichen Versicherers war eine Reaktion auf die Erneuerungsrunde 2022/2023, als Rückversicherer ihre Kapazitäten drastisch gekürzt haben und die Preise explodiert sind, erklärt Ulrich Müller, Rückversicherungsmanager bei der VKB. Bei Investoren kam der Cat Bond der VKB gut an. Jan-Oliver Thofern, Rückversicherungs-CEO beim Großmakler Aon erwartet, dass das Interesse an Cat Bonds weiter steigen wird.
Die Woche in Bildern 1/2024
Woche in Bildern Das Feuerwerk über der Skyline von Frankfurt am Main, Neujahrsbaden auf der irischen Insel Achill, die Folgen des Erdbebens an der japanischen Westküste, ein Swimmingpool umgeben vom Hochwasser der Ruhr und tiefer Nebel sowie giftige Luft über der pakistanischen Stadt Peshawar: In unserer Woche in Bildern stellen wir Eindrücke der vergangenen sieben Tage zusammen.














