Schlagwort-Archiv für ‘Verbraucherschutz’

Kulturwandel bei der BaFin

 Herbert Frommes Kolumne  Die erste Pressekonferenz des neuen BaFin-Chefs Mark Branson war voller Merkwürdigkeiten und knapp an Inhalt. Doch das sollte niemanden täuschen. Branson hat eine glasklare Agenda: Er will den Verbraucherschutz deutlich stärken und dazu auch mal schneller als bisher schießen. Zu den Absichten einer neuen Bundesregierung passt das gut, gleichgültig welche Parteien sie stellen werden. Für die Versicherer bedeutet das, dass sie sich an einen neuen Aufsichtsstil gewöhnen müssen.

ESA: Mehr Kontrolle statt mehr Regeln

Versicherer, Banken und der Finanzmarkt sind in Europa zwar gut reguliert, allerdings müssen die Behörden mehr darauf achten, dass die Regeln auch eingehalten werden. Darin waren sich die Diskussionsteilnehmer beim Verbraucherschutztag der drei Aufsichtsbehörden Eiopa, EBA und ESMA (kurz: ESA) einig. Das ist besonders im digitalen Zeitalter wichtig: Durch die neuen Möglichkeiten und Angebote haben Verbraucher mehr Auswahl, aber es gibt auch mehr Fallen, in die sie tappen können. Um die Verbraucher zu schützen, müssen die Aufsichtsbehörden bei der Digitalisierung mithalten. Das klappt aber nicht immer, meinen die Experten.

Hiscox: Onlineshop-Betreiber wiegen sich in Sicherheit

 Exklusiv  Während der Corona-Pandemie haben viele stationäre Händler Onlineshops eingerichtet. Mit wenigen Klicks eröffneten sie sich einen neuen Vertriebsweg. Wie risikobehaftet dieser ist, ist vielen jedoch nicht bewusst. Zwischen Risikowahrnehmung und tatsächlicher Schadenstatistik klafft eine deutliche Lücke, warnt der Spezialversicherer Hiscox. „Besonders kleinere Onlineshops tun sich mit der Risikoabschätzung schwer“, sagt Peter Pillath, Underwriting Manager Commercial Property. Vermeintliche Kavaliersdelikte können hohe Schäden nach sich ziehen.

EU-Richtlinie stärkt Rechte von Kfz-Kunden

Die Europäische Union will die Kraftfahrzeughaftpflicht-Richtlinie bis Jahresende reformieren. Das soll Verbesserungen für Kfz-Versicherte bringen. Sie sollen in allen Mitgliedsländern besser geschützt sein, wenn ihr Versicherer pleitegeht, und sollen ihren Schadenfreiheitsrabatt auch beim Umzug in ein anderes EU-Land mitnehmen können. Die Auswirkungen auf bisherige deutsche Regelungen halten sich durch die Reform wohl in Grenzen.

Weg mit der Krankenpolice auf Kaffeefahrt!

 Nachschlag – der aktuelle Kommentar  Kurz bevor das Parlament in die Sommerpause geht, hat der Bundestag in der Nacht zum Freitag in einer Marathonsitzung zahlreiche Gesetze im Bereich Verbraucherschutz verabschiedet. Unter anderem: Künftig dürfen auf Kaffeefahrten keine Versicherungen mehr verkauft werden. Versicherungen? Dass Rheumadecken und Vitaminpillen bei diesen Gelegenheiten unters Volk gebracht werden, war uns klar. Aber dass auch Versicherungen verkauft werden, davon hat im sonst eigentlich gut informierten Redaktionsteam des Versicherungsmonitors noch nie jemand gehört. Was könnte dahinterstecken? Wir haben mal recherchiert.

Warum der Verbraucherschutz nicht nachlassen darf

 Meinung am Mittwoch  Manchmal hat man echt keine Lust mehr. Das gilt nicht nur für den zehnten Satz Rücken-Stabilisationsübungen im Sport, sondern von Zeit zu Zeit auch in Bezug auf die Tätigkeit als Verbraucherschützer*in in der Versicherungswelt. Aber dann kommt die Branche wieder mit irreführenden Aussagen um die Ecke und die Motivation ist wieder da.

VZBV begrüßt neues Widerrufs-Muster

 Exklusiv  Der Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums für eine Neufassung der Muster-Widerrufsbelehrung stößt bei Verbraucherschützern grundsätzlich auf Zustimmung. Das zeigt die Stellungnahme des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), die dem Versicherungsmonitor vorliegt. Vorgesehen sind konkretere Informationen als bisher, damit Verbraucher die Modalitäten der Widerrufsfrist besser verstehen. Abstrakte rechtliche Verweise sollen wegfallen. Der VZBV sieht noch Nachholbedarf bei der Ausgestaltung des Musters bei Restschuldversicherungen.

Mission Impossible? 25 Jahre Verbraucherschutz

 Meinung am Mittwoch  Bald bin ich 25 Jahre beim Bund der Versicherten. In dieser Zeit habe ich viel erlebt und mich manchmal gefragt: Lohnt sich die Mission für den Verbraucherschutz oder ist es eine „Mission Impossible“? Denn gegen die Versicherungswirtschaft mit ihrem Budget für Werbung, Marketing und Kommunikation anzukämpfen, ist nicht einfach. Dennoch kann auch ein kleines Team äußerst schlagfertig sein.

Grüne fordern Regeln für Restschuld

 Exklusiv  Die Grünen kritisieren, dass immer noch kein Gesetzesvorhaben für mehr Verbraucherschutz bei Restschuldversicherungen vorliegt. Die Policen müssten den Kunden zugutekommen, sagte Finanzexperte Stefan Schmidt zur Antwort der Bundesregierung auf seine Kleine Anfrage. Das Bundesfinanzministerium spricht darin von Verbesserungen in den vergangenen Jahren, sieht aber weiteren Handlungsbedarf – etwa zur Begrenzung der hohen Provisionen. Vergangene Woche war ein inoffizieller Entwurf für einen Provisionsdeckel für Restschuldpolicen bekannt geworden. Aus informierten Kreisen hieß es, dass sich ein Regierungsentscheid abzeichnet.

Warum macht man etwas, das man nicht kann?

 Meinung am Mittwoch  Die Versicherungswirtschaft hält am Konzept der kapitalbildenden Lebensversicherung fest, egal wie oft sie damit auf den Bauch fällt oder um Hilfe bitten muss. „Learning by doing“ kann zwar funktionieren, aber irgendwann sollte man die Reißleine ziehen. Doch wenn man selber nicht von den Folgen betroffen ist, gibt es wenig Anreiz, es nicht immer weiter genauso zu machen wie bisher. Somit ist ein Abschied von der kapitalbildenden Lebensversicherung nicht in Sicht.

Eine Lobby für den Verbraucherschutz

Nicht nur die Versicherer versuchen, in ihrem Sinne Einfluss auf die Gesetzgebung in Berlin und Brüssel zu nehmen, auch Verbraucherschützer suchen das Gespräch mit Politikern und lobbyieren. Wie das funktioniert, erklärten Axel Kleinlein und Christian Gülich vom Bund der Versicherten in einem Pressegespräch. Kleinlein lobte den obersten deutschen Versicherungsaufseher Frank Grund für seine Schützenhilfe für die Eiopa vor einigen Tagen.

Engel vs. Teufel: Ist das wirklich so einfach?

 Meinung am Mittwoch  Ich habe meine Karriere in der Versicherungswirtschaft begonnen und bin dann in den Verbraucherschutz gewechselt. Eine Wandlung vom Teufel zum Engel, mögen manche behaupten. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn in der Versicherungsvermittlung geht es um die wichtige Aufgabe, Menschen zu beraten und ihnen zu helfen, sich gegen hohe Risiken abzusichern. Wenn da nicht der Verkaufsdruck mitschwingen würde.

Transparenz: Es führt kein Weg an Portalen vorbei

Versicherern sind Vergleichsportale wie Check24 und Verivox ein Dorn im Auge. Sie besetzen die Kundenschnittstelle. Allerdings sind sie im Hinblick auf Transparenz unumgänglich, sagte Verti-Vorstand Christian Paul Sooth bei der Wissenschaftstagung des Bundes der Versicherten. Durch die Deregulierung ist der Versicherungsmarkt für Kunden immer unübersichtlicher geworden. Portale erzeugen in diesem Durcheinander Transparenz für Kunden, sagte Sooth. Dadurch verlagert sich der Wettbewerb der Anbieter auf die Vergleichsportale. Für die Kunden habe das keine Nachteile.

Musterfeststellungsklage: Gefahr für Versicherer?

 Legal Eye – Die Rechtskolumne  Seit fast zwei Jahren gibt es in Deutschland das Instrument der Musterfeststellungsklage. Inzwischen haben die Verbraucherverbände Gefallen daran gefunden. Bei Rechtsstreitigkeiten über die Wirksamkeit von standardisierten Klauseln in Verbraucherverträgen wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach Teil des gerichtlichen Alltags werden. Das dürfte bald auch die Versicherungswirtschaft treffen.

Bernardino: Aktuare müssen sich wandeln

Die Digitalisierung stellt die Versicherer vor eine Vielzahl von Fragen. Welche Daten liefern einen Mehrwert? Welche Aussagekraft steckt in ihnen? Den Aktuaren kommt dabei eine wichtige Rolle zu, betonte Gabriel Bernardino, Chef der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa, bei einer virtuellen Konferenz. „Die Rolle der Aktuare wird im digitalen Zeitalter wichtiger denn je.“ Allerdings müssten sie sich weiterentwickeln und neue Fähigkeiten erlernen. Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin, sieht großen Gesprächsbedarf über ethische Aspekte der Digitalisierung. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um wichtige Fragen zu einer vertretbaren Datennutzung zu klären.

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