Naturkatastrophen, politischer Druck und teure Risiken stellen die Versicherungsbranche auch im Sommer auf die Probe. Von Mai bis August reicht die Spanne von Kapitalproblemen beim Bäckerei-Versicherer SHB und der Suche nach einem Käufer über den Boom firmeneigener Versicherer – Captives – bis zu spektakulären D&O-Fällen. Gleichzeitig verschärft die BaFin den Ton im Vertrieb, Munich Re verlässt Klimainitiativen, und Cyberangriffe treffen erneut die Branche. Bei den Maklern eskaliert der Wettbewerb.
Makler
Ideal nimmt nach Cyberangriff Geschäftsbetrieb wieder auf
Der Berliner Versicherer Ideal hat nach dem Hackerangriff von Mitte Dezember alle wesentlichen Bereiche des Geschäftsbetriebs wieder aufgenommen. Das teilte das Unternehmen mit. Die interne Infrastruktur sei wieder hergestellt, nach wie vor gebe es keine Anhaltspunkte, dass Kundendaten durch die Attacke abgeflossen seien. Hinter dem Angriff wird die Schadsoftware „Akira“ vermutet, die Sicherheitsexperten russischen Hackern zuschreiben.
Der Rückblick auf 2025, Teil 1: Element-Pleite, Waldbrand und geplatzte Fusionen
Großbrände in Kalifornien, das Aus für ein Berliner Insurtech, harte Einschnitte bei Versicherern und Maklern sowie milliardenschwere Deals, die am Ende scheitern: Das Jahr 2025 beginnt für die Versicherungswirtschaft sehr turbulent. In den ersten vier Monaten sorgen die Insolvenz von Element, verheerende Naturkatastrophenschäden, das angeschlagene Insurtech Wefox und der Stellenabbau bei HDI für Schlagzeilen. Auch der Maklermarkt bleibt in Bewegung.
Verkauf von Makler Global geplatzt
Castik Capital, der Mehrheitsbesitzer des Kölner Großmaklers Global, hat nach Informationen des Versicherungsmonitors den Verkaufsprozess abgebrochen. Zuletzt hatte Castik noch mit drei anderen Private-Equity-Firmen verhandelt. Doch die Preisvorstellungen lagen zu weit auseinander. Global bestreitet das Scheitern. Der Fehlschlag bringt das Kölner Unternehmen in eine komplizierte Lage und hat auch Auswirkungen auf andere Konsolidierer.
Allianz Partners mit neuem Vorstand – und neuer Strategie
Allianz Partners, die in Paris ansässige Tochter des Münchener Versicherers, bekommt mit Dirk Vogler ein neues Vorstandsmitglied. Gleichzeitig tritt er die Nachfolge von Anne-Sophie Grouchka an der Spitze des Dienstleisters Solvd an. Das hat auch strategische Gründe. Außerdem: Die Alte Oldenburger bekommt einen neuen Vorstand, das Insurtech Getsafe hingegen verliert einen, und Gallagher Re baut ein neues Team auf.
Riga-Müller: „Wir sehen mehr und größere klimainduzierte Schäden“
Petra Riga-Müller, Vorständin der Zurich Gruppe Deutschland, sieht den Klimawandel als ernsthafte Bedrohung für Unternehmen, Städte und Kommunen. Mit der im Jahr 2021 gegründeten Geschäftseinheit Zurich Resilience Solutions erhofft sie sich Lösungen und berichtet im Interview mit dem Versicherungsmonitor von ersten Erfolgen. Außerdem spricht sie über die Situation in der Industrieversicherung und wie sich die Zurich angesichts der derzeitigen Herausforderungen positioniert.
Stress mit dem Vertrieb
An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Dringend benötigte Pause für Versicherer und Vorbereitung auf Diskussionen mit dem Vertrieb
Bayerische: HR-Chef wechselt zu Gallagher, Nachfolger bereits gefunden
Die Bayerische ernennt Matthias Balint zum neuen Leiter des Bereichs People & Culture. Er wird der Nachfolger von Alexander Müller-Benz, der 15 Jahre im Konzern arbeitete und ab Februar 2026 international tätig sein wird – bei Gallagher. Die Haftpflichtkasse ernennt Nicolas Pöltl zum KI-Chef, der zuvor CEO bei BNP Paribas Cardif war. Dort wurde bereits seine Nachfolgerin ernannt. Die DEVK Re hat einen neuen Chief Underwriting Officer, und Miller verstärkt das Surety-Geschäft in Europa.
Versicherer und Vermittler ambivalent bei Einigung zu RIS
Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich das Europäische Parlament und die Vertreter der Mitgliedsländer über die Inhalte der EU-Kleinanlegerstrategie (Retail Investment Strategy, RIS) geeinigt. Ein Provisionsverbot wird es wie erwartet nicht geben. Dafür kommen neue Vorschriften zu Transparenz und Offenlegung und die Pflicht zur Erklärung, inwiefern die Provisionen Mehrwert für die Kunden bieten. Versicherer, Finanzberater und Vermittler üben Kritik.
OVB will KI im Vertrieb forcieren
Der Finanzvermittler OVB hat eine Kooperation mit dem Berliner Start-up Muffintech gestartet. Gemeinsam wollen sie eine auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Plattform für den Vertrieb entwickeln. Damit sollen Prozesse wie die Angebotserstellung oder die Bearbeitung von Kundenanfragen vereinfacht werden. Der Start in Deutschland ist für das erste Quartal 2026 geplant, anschließend soll die Plattform schrittweise auf weitere europäische Ländergesellschaften von OVB ausgedehnt werden.
Bernd Helmsauer verlässt die Helmsauer-Gruppe
Bernd Helmsauer, Chef der Maklergruppe Helmsauer, hat nach Informationen des Versicherungsmonitors alle Mandate in den Unternehmen niedergelegt. Die Gruppe zählt mit 550 Mitarbeitenden und einem Umsatz von rund 85 Mio. Euro zu den Top 20 der Branche. Offenbar gab es Auseinandersetzungen mit dem Private-Equity-Investor Nordic Capital, der die Mehrheit an Helmsauer hält. Einen Interims-Nachfolger für den Chef gibt es schon.














