Die deutschen Lebensversicherer gehen laut einer Analyse des Zweitmarktanbieters Policen Direkt generell gut gerüstet in die Krise, was ihre Solvenzquoten anbelangt. Allerdings liegen mittlerweile 13 Gesellschaften bei einer Quote ohne Hilfsmaßnahmen von unter 100 Prozent. Außerdem: Einem Bochumer Gastronom geht der im Streit um die Betriebsschließungsversicherung gefundene Kompromiss nicht weit genug, er verklagt daher die Allianz auf Auszahlung der vollen Versicherungssumme seiner Police. Die britischen Versicherer Beazley und Hiscox haben Zahlen zu ihren Schäden durch Covid-19 veröffentlicht. Auch in Frankreich berät die Regierung jetzt darüber, wie Pandemie-Risiken künftig abgesichert werden können.
Versicherer
Des einen Leid, des anderen Freud
Gute Nachricht für die privaten Krankenversicherer (PKV), schlechte für die niedergelassenen Ärzte: Als Folge der Corona-Krise gehen die Privatpatienten seltener zum Arzt. Sie verursachen weniger Kosten in der PKV, bringen den Ärzten aber weniger Geld in die Kassen. Setzt sich der Trend fort, sind viele Praxen in ihrer Existenz bedroht, warnt der Verband der privatärztlichen Verrechnungsstellen. Freuen kann sich die PKV auch darüber, dass der Bund der Versicherten sie in ihrer Forderung nach einer Öffnung des Standardtarifs unterstützt.
Gericht gibt HUK-Coburg gegen Check24 Recht
Check24 hat vor Gericht einen Schuss vor den Bug kassiert. Die Richter des Landgerichts Köln entschieden in mehreren Punkten gegen das Portal und kippten dessen „Nirgendwo günstiger Garantie“ und das Tarifnotensystem. Damit hat sich der Versicherer HUK-Coburg im Rechtsstreit durchgesetzt. Die Werbeaktion beschäftigt die Gerichte seit Jahren. Check24 teilte mit, der Werbespot und die Formulierungen kämen schon lange nicht mehr zum Einsatz. Das Vergleichsportal begrüße dennoch die richterliche Klärung, sagte eine Sprecherin. Einen Seitenhieb gegen die HUK gönnt sich Check24 dennoch.
Michael Hendricks zurück bei Hendricks
Leute – Aktuelle Personalien D&O-Pionier Michael Hendricks (Bild) ist zurück im Fahrersitz. Er hat nach dem Weggang von Marcel Armon erneut die Führung des Düsseldorfer D&O-Maklers Hendricks übernommen, der zur britischen Hyperion-Gruppe gehört. Hendricks sagte dem Versicherungsmonitor, dass der Markt in einer „sehr schwierigen Situation“ sei, und nannte Kapazitätsrückgänge, höhere Preise und viele Ausschlüsse. Außerdem: Das Insurlab Germany hat einen neuen Vorstand gewählt. Der australische Versicherer QBE erweitert mit zusätzlichem Personal sein Angebot in Deutschland um das Geschäftsfeld Pharma Life Science.
Lohmann: Krise als Chance begreifen
Hohe Schäden, sinkende Nachfrage, Einschläge bei den Kapitalanlagen – die Corona-Krise zieht auch die Versicherungsbranche arg in Mitleidenschaft. Sie eröffnet aber auch große Chancen, glaubt Christopher Lohmann, Sachversicherungschef der Gothaer. Denn die Pandemie treibt die digitale Transformation mit einem Tempo voran, das bisher niemand für möglich gehalten hatte. Die Gothaer werde nach der Krise ein besseres Unternehmen sein, sagte er bei der Online-Konferenz „Versicherung 2030“ des Berliner Start-ups Emil.
Steigende Frachtrisiken durch Corona
Der Industrieversicherer der Allianz warnt in einem aktuellen Bericht vor steigenden Risiken für Transportunternehmen. „Die Corona-Pandemie beeinträchtigt die globalen Lieferketten in noch nie dagewesener Weise“, sagt Volker Dierks, der bei Allianz Global Corporate & Specialty in Zentral- und Osteuropa für die Schiffs- und Transportversicherung zuständig ist. Risiken bei der Lagerung und dem Transport hätten erheblich zugenommen – insbesondere für hochwertige, verderbliche und temperaturempfindliche Güter.
Corona-Roundup: Aon, Großbritannien, Eiopa
Pandemie-Risiken überfordern einzelne Versicherer, es muss einen Risikopool vergleichbar mit dem Terrorversicherer Extremus geben, fordert der Makler Aon. Außerdem: In Großbritannien und der Schweiz gibt es Bestrebungen, über Kreditversicherer einen Schutzschirm ähnlich der Lösung in Deutschland zu spannen. Hochrangige Vertreter der britischen Versicherer wollen in einer Arbeitsgruppe Strategien für den Umgang mit Pandemien beraten. Die Eiopa nimmt die betriebliche Altersversorgung in den Blick. Und der Katastrophenbonds der Weltbank für Pandemien kommt endlich zur Auszahlung.
Regierung will Privatpatienten besserstellen
Privat Krankenversicherte, die wegen der Corona-Krise hilfebedürftig werden und in den abgespeckten Basistarif wechseln, sollen ein Rückkehrrecht in den Normaltarif erhalten. Das plant die Regierungskoalition im Rahmen eines neuen Corona-Maßnahmenpakets. Ein Risikozuschlag soll nicht fällig werden. Der PKV-Verband sieht das Vorhaben kritisch.
Studie: Versicherer unterschätzen Risiken
Die Versicherungsbranche wird in den nächsten zehn Jahren drastische Veränderungen erleben, die Rahmenbedingungen wandeln sich grundlegend, zeigt die Studie „Versicherungen 2030“ von Oliver Wyman. Manche Risiken werden jedoch von fast allen großen deutschen Versicherern komplett unterschätzt, warnt Dietmar Kottmann, Partner bei der Strategieberatung und Co‐Autor der Studie. Die demografische Welle werde die Branche mit Wucht treffen. Die Unternehmen sollten sich außerdem dringend mit Plattform-Ökonomie auseinandersetzen und Veränderungen im Vorsorgesystem im Blick behalten, rät er.
Pensionskassen zwischen PSV und Protektor
Der geplante Insolvenzschutz für regulierte Pensionskassen im Pensionssicherungsverein stößt bei Fachleuten auf unterschiedliche Resonanz. Das zeigen Stellungnahmen von Sachverständigen und ihre Antworten auf Fragen von Bundestagsabgeordneten. Die übliche öffentliche Befragung der Experten durch Fachpolitiker des Ausschusses für Arbeit und Soziales entfällt angesichts der derzeitigen Krisensituation. Die Hamburger Pensionskasse befürchtet Nachteile durch die Regelung, auch der Fachverband Aba erwartet einen Attraktivitätsverlust.
Allianz Leben steigert Marktanteil
Die Allianz Lebensversicherung hat 2019 einen Marktanteil von 46 Prozent am Neugeschäft des gesamten deutschen Lebensversicherungsmarktes erreicht, eine deutliche Steigerung gegenüber den 42 Prozent des Vorjahres. Das geht aus dem gerade veröffentlichten Geschäftsbericht der Allianz Lebensversicherung hervor. Nur bezogen auf die Einmalbeiträge betrug der Anteil sogar über 50 Prozent. Auch die Allianz Versicherung ist zufrieden mit dem Neugeschäft vor allem in der Kfz-Versicherung, wo sie 221.000 zusätzliche Fahrzeuge gewann, neben dem Erwerb der ADAC-Autoversicherung mit 600.000 Fahrzeugen.
Nachhaltigkeit: Aktuare fordern bessere Datenbasis
Die Bundesregierung will die deutsche Finanzwirtschaft zum weltweiten Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit ausbauen. Dafür sind aber deutlich umfangreichere Daten nötig, fordert die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV). Die Versicherungsmathematiker verlangen vor allem bessere Informationen darüber, welche Folgen der Klimawandel auf die Realwirtschaft und damit auf die Kapitalanlagen der Versicherer hat. Das sei Voraussetzung, um die Risikomodelle der Versicherer zu optimieren. Bei den sogenannten grünen Investments sorgt sich DAV-Chef Guido Bader um eine Blasenbildung.











