Er hat 20 Jahre lang die Versicherungsgruppe Arag geleitet, hält am Konzept des Familienunternehmens eisern fest, baut das Unternehmen digital um wie kein Zweiter und scheut vor unpopulären Schritten nicht zurück – wie dem Verkauf des eigenen Lebensversicherers. Im Juli wechselt Paul-Otto Faßbender in den Aufsichtsrat, Renko Dirksen übernimmt. Im Interview mit Süddeutscher Zeitung und Versicherungsmonitor erklärt Faßbender, warum er vielen Versicherern nicht zutraut, gegen Amazon zu bestehen, was seine wichtigsten Entscheidungen waren und welche Fehler er gemacht hat.
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Versichererchefs enttäuscht von eigener Digitalisierung
Dass Versicherungschefs ihre Unternehmen digitalisieren müssen, ist für die meisten keine neue Erkenntnis. Allerdings hapert es aktuell an der Umsetzung. Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmen EY Innovalue sind mehr als 40 Prozent der Vorstände und Führungskräfte in Deutschland unzufrieden mit ihren eigenen Digitalisierungsinitiativen. Vor einem Einstieg von Amazon in die Assekuranz fürchten sich trotzdem nur wenige, obwohl der Techgigant immer noch Vorreiter in der Digitalisierung ist.
Cyber wird größtes Unternehmensrisiko
Cybervorfälle haben Betriebsunterbrechungen als wichtigstes Risiko für Unternehmen weltweit abgelöst. Das hat die Studie „Allianz Risk Barometer 2020“ des Allianz-Industrieversicherer AGCS ergeben. Auch die Furcht vor Feuer und Explosionen, dem Fachkräftemangel oder Naturkatastrophen wiegt weltweit nicht so schwer wie die Sorge um Cyberkriminalität, IT-Ausfälle und Datenschutzverletzungen. Bei den Unternehmen in Deutschland sieht die Lage allerdings etwas anders aus.
S&P: Eiopa-Vorschläge drücken auf Solvenzquoten
Die Vorschläge der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa für die 2020 anstehende Überarbeitung des Aufsichtsregimes Solvency II könnten die Solvenzquoten der Versicherer erheblich verringern. Besonders stark wäre der Effekt laut einer Analyse der Ratingagentur Standard & Poor’s auf Lebensversicherer mit langlaufenden Garantien, wie sie die Gesellschaften in Deutschland oder den Niederlanden in den Büchern haben. Für einige Lebensversicherer geht es um ein Minus um 100 Prozentpunkte oder mehr, schätzen die Analysten.
MRH Trowe weitet Geschäftsfeld aus
Der Makler MRH Trowe will die Angebote seiner Assekuradeure deutlich ausbauen und alle Sparten der Schaden- und Unfallversicherung anbieten. Dafür hat das Unternehmen Marco Gerhardt als Vorstand angeheuert, bislang beim Berater EY Innovalue als Partner tätig. Neben dem bisherigen Sitz Frankfurt für die Assekuradeure baut Gerhardt einen zweiten Standort in Hamburg auf. Vorstand Ralph Rockel erwartet für 2020 Wachstum von mehr als 10 Prozent.
Continentale baut Vorstand um
Leute – Aktuelle Personalien Der Continentale Versicherungsverbund stattet seine Führungskräfte mit neuen Befugnissen aus. Helmut Hofmeier ist neuer Vorstand für die Kranken- und Lebensversicherung. Auch Marcus Kremer und Falko Struve bekommen andere Aufgaben. Der Markler Marsh JLT Specialty hat außerdem eine neue Leiterin für das internationale Cybergeschäft. Wechsel stehen auch beim Softwareanbieter Finleap Connect an.
Boeing-Abschuss wohl Fall für Kriegsversicherung
Nach tagelangem Leugnen hat der Iran die Verantwortung für das abgeschossene Passagierflugzeug Boeing 737-800 nahe Teheran übernommen. Das macht die Regulierung der Schäden leichter. Sie werden wohl über die Kriegsversicherer der Fluggesellschaft Ukraine International Airlines (UIA) abgewickelt werden, erwarten Luftfahrtexperten. Kriegspolicen decken Gefahren, die aus klassischen Luftfahrt-Haftpflicht und -Kaskodeckungen ausgeschlossen sind. Auch die führenden Versicherer der UIA sind inzwischen bekannt. Sie werden wohl versuchen, sich das Geld vom iranischen Staat wiederzuholen.
Auch Schadenregulierung muss nachhaltig sein
Umweltfreundliche Kapitalanlagen sind in der öffentlichen Debatte angekommen. Über nachhaltiges Schadenmanagement wird dagegen noch wenig gesprochen. Die Stiftung Greensurance sieht hier viel Potenzial und will ein Bewertungssystem aufbauen, das Unternehmen hinsichtlich ihrer Umweltfreundlichkeit vergleicht. Im Leistungsfall sollten Versicherer nachhaltige Alternativen berücksichtigen und Mehrleistungen nicht scheuen, fordert die Stiftung.
Ecclesia gründet Rückversicherungs-Makler
Der Detmolder Versicherungsmakler Ecclesia gründet einen eigenen Rückversicherungsmakler. Das bestätigte das Unternehmen. Die neue Tochter soll in Köln sitzen. Sie wird von einem erfahrenen Rückversicherungsexperten geführt und soll das Angebot der Ecclesia für ihre Kunden noch flexibler machen. Mit der Neugründung gibt es zum ersten Mal seit Jahren eine Veränderung in dem vergleichsweise statischen Markt der Rückversicherungsmakler, der von Aon dominiert wird.
Risiken und Rendite
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Risikobarometer von AGCS und BdV-Workshop zu Überschussbeteiligungen bei Lebensversicherern
Nahost-Konflikt verteuert Schiffspolicen
Die jüngsten Turbulenzen im Nahen Osten infolge der Tötung des hochrangigen iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff haben die Gefahr von Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormuz signifikant erhöht. Jonathan Moss, Schiffsversicherungsexperte der Londoner Kanzlei DWF, rechnet damit, dass der Versicherungsschutz für die Transporte sich weiter drastisch verteuert. Die Angriffe auf Öltanker im Frühsommer 2019 haben die Prämien bereits deutlich in die Höhe getrieben.
Hallesche baut digitales Angebot aus
Mit einer neuen App macht die Hallesche Krankenversicherung den ersten Aufschlag zu ihrem neuen Gesundheitsportal „hallesche4u“. Dort will der private Krankenversicherer langfristig verschiedene Gesundheitsservices wie die Videosprechstunde bündeln. Zunächst geht es um den Ersatz der bisherigen Rechnungs-App und weitere administrative Angebote. Bei der elektronischen Patientenakte – dem künftigen Herzstück von „hallesche4u“ – hat das Unternehmen noch keine Entscheidung über das Modell getroffen.
Victor: KMU-Cybermarkt ist auf dem Vormarsch
Cyberangriffe auf große Unternehmen, Regierungen oder ganze Staaten schaffen es immer wieder in die Nachrichten. Doch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind ebenso gefährdet, auch wenn nicht so viel darüber berichtet wird, sagt Bernd Knof, Leiter des Assekuradeurs Victor Deutschland. Die Marsh-Tochter lancierte im Oktober 2019 mit einer Cyberpolice ihr erstes Produkt. Knof erklärt im Interview, warum der Cybermarkt für KMU wesentlich attraktiver ist als für Großkunden, wie Versicherer Kumulrisiken abfedern können und warum Cyberpolicen die neuen Feuerpolicen sein werden.
Disruption, Finanzmarktturbulenzen, mehr Aufsicht
Herbert Frommes Kolumne Nach allem, was wir jetzt wissen, wird sich 2020 für die Versicherungswirtschaft sehr deutlich von den vergangenen drei Jahren unterscheiden. Der wichtigste Trend bleibt die Digitalisierung der Gesellschaft und damit der Kunden. Das führt zu massivem Veränderungsdruck auf die Branche. Außerdem sind verstärkte Turbulenzen an den Finanzmärkten sehr wahrscheinlich. Drittens erwarten wir ein deutlich forscheres Auftreten der Aufsichtsbehörden, nicht nur in Bezug auf die Risikosituation und die Finanzen der Versicherer, sondern auch auf die IT. Die Branche muss sich fragen, wie sie mit den Herausforderungen fertig wird. Sind Fusionen oder Kooperationen eine Lösung?
Digitaler Notarservice für parametrische Policen
Die IT-Spezialisten Ubirch und Avenga bieten Versicherern eine ungewöhnliche, neue Dienstleistung an: die digitale Versiegelung von Sensordaten, von denen die Auszahlung einer Versicherungssumme abhängt – beispielsweise bei parametrischen Policen. Die Technologie von Ubirch arbeitet mit SIM-Karten, die an vorhandenen Sensoren in Containern, technischen Geräten, Maschinen und Fahrzeugen angebracht werden. Das könnte einen großen Fortschritt für parametrische Policen darstellen.














