Der Versicherer Lemonade gibt sich selbst 20 Jahre, um sein Geschäftsmodell durchzusetzen. Das sagt Gründer und Unternehmenschef Daniel Schreiber im Interview mit SZ und Versicherungsmonitor. Die großen, traditionellen Versicherer werden nicht so bald zusammenbrechen, haben aber langfristig keine Zukunft, glaubt Schreiber. Der Vertrieb soll auf digitale Wege und die Zusammenarbeit mit Banken beschränkt bleiben. Schreiber erläutert auch, warum drei Bots für Lemonade so wichtig sind – der Underwriting-Bot Maya, der Schadenbot Jim und der interne Bot Cooper. Hier die erweiterte Fassung des Interviews.
Top News
PSV nennt Beitragssatz
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Mitgliederversammlung des Pensions-Sicherungs-Vereins und Entscheidungen der Oberlandesgerichte Düsseldorf, Hamm und Köln
Munich Re legt Geschäftseinheiten zusammen
Der Münchener Rückversicherer Munich Re hat sein Geschäft mit der fakultativen Rückversicherung und der Erstversicherung von Industriekunden zusammengelegt. Die neue Einheit, die seit 1. Juli 2019 unter dem Namen „Facultative and Corporate“ tätig ist, soll Expertenwissen bündeln und dem Kunden besser zugänglich machen. Außerdem will Munich Re die Risikosteuerung vereinheitlichen. Bislang wurden viele Entscheidungen in den einzelnen Ländern gefällt. Das soll nun konsistenter werden. Leiter der neuen Abteilung wird Alex Wettemann.
Insurtech-Branche wird heterogener
Bei den in Deutschland aktiven Insurtechs trennt sich zunehmend die Spreu vom Weizen. Von den 183 Gründungen seit dem Jahr 2000 haben 49 aufgegeben oder sind in andere Geschäftsfelder abgewandert. Unter den 134 verbliebenen Unternehmen gibt es außerdem einige, die auf Investoren hoffen, aber nicht am Marktgeschehen teilnehmen. Zu diesen Ergebnissen kommen der Berater Oliver Wyman und der Policenaufkäufer Policen Direkt in ihrer Studie „Insurtech-Radar Deutschland 2019“. Eine weitere Beobachtung: Vor einigen Jahren haben die meisten Insurtechs an der Kundenschnittstelle angegriffen, heute treten die meisten als Technologie-Dienstleister im Bereich Versicherungsbetrieb auf.
Finanzchef24 verliert Geschäftsführer
Leute – Aktuelle Personalien Das Gewerbeversicherungs-Vergleichsportal Finanzchef24 verliert mit Moritz Winter (Bild) erneut einen Geschäftsführer. Winter, 33, hat das Unternehmen Ende Juni verlassen, berichtete Finanz-Szene.de. Es soll Meinungsverschiedenheiten mit dem Co-Geschäftsführer Benjamin Papo gegeben haben. Papo dementierte das gegenüber dem Versicherungsmonitor. Außerdem: Mathias Zingg wird Marketingleiter bei der Baloise Schweiz. Er hatte zuvor den Schadenbereich geleitet. Bei Aspen Re tritt Julien Mollinier am Standort Zürich als Europachef an. Jonathan Hewitt übernimmt bei Trans Re die Leitung der neuen Europa-Zentrale in Luxemburg.
Der Deckel hilft gegen untreue Banken
Herbert Frommes Kolumne Die Sparda Bank Baden-Württemberg in Stuttgart hat die Vertriebsvereinbarung mit dem Kölner Versicherer DEVK gekündigt. Das ist deshalb bemerkenswert, weil beide Unternehmen aus Sozialeinrichtungen für Eisenbahner hervorgegangen sind und seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. Sparda und DEVK sind nicht allein: Auch die öffentlichen Versicherer sind unter Druck, weil viele Sparkassen – eigentlich Eigner der Öffentlichen – gerne mit anderen Anbietern zusammenarbeiten. Und die R+V, die zum Lager der Raiffeisen- und Volksbanken gehört, muss sich heftiger Konkurrenz der Allianz und der Versicherungskammer Bayern erwehren. Für die betroffenen Versicherer wäre die Einführung des Provisionsdeckels ein Segen.
Iptiq startet in der Sachversicherung
Der Luxemburger Lebensversicherer Iptiq weitet sein modular aufgebautes, digitales Serviceangebot für Partner aus der Versicherungsbranche in diesem Jahr auf die Sachversicherung aus. Das kündigte Iptiq-Manager Carl Christensen im Interview mit dem Versicherungsmonitor an. Die Tochter des Schweizer Rückversicherers Swiss Re ist seit 2014 in der Lebens- und Krankenversicherung aktiv. Dort tritt das Unternehmen als Risikoträger auf und bietet Erstversicherern und anderen auf das Endkundengeschäft fokussierten Akteuren Dienstleistungen wie Produktentwicklung, Underwriting, Bestandsverwaltung und die Abwicklung von Versicherungsfällen an.
Haftpflichtversicherer scheitert vor dem OLG
Haftpflichtversicherer müssen nach einem Behandlungsfehler auch dann Schadenersatz leisten, wenn der verurteilte Chefarzt den Fehler gar nicht selbst begangen hat, sondern die Verantwortung für einen Oberarzt übernommen hat. Das hat das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) entschieden (Az.: I-4 U 99/17). Ein Haftpflichtversicherer wollte durchsetzen, dass er die bisher geleisteten Zahlungen zurückerhält und künftig nicht mehr leisten muss. Er ist der Ansicht, dass der Versicherungsfall nur dadurch eingetreten ist, dass sich der Chefarzt für den vom Oberarzt verursachten Fehler hat verurteilen lassen.
Provisionsdeckel: BaFin soll Kriterien überwachen
Eine Woche nachdem eine überarbeitete Fassung des Referentenentwurfs für einen Provisionsdeckel bei Lebensversicherungen und Restschuldversicherungen publik geworden ist, ist der Zeitplan für das Gesetzvorhaben weiter offen. Das federführende Finanzministerium verweist in seiner Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Grünen lapidar auf die ausstehende Beschäftigung des Kabinetts mit dem Entwurf. In der aktuellen Sitzung des Gremiums am Mittwoch ist das erneut ausgeblieben. Bei der geplanten Qualitätsprovision von über 2,5 Prozent soll die BaFin die Bestimmung und Einhaltung der Kriterien durch Versicherer überwachen, schreibt die zuständige Staatssekretärin im Finanzministerium Bettina Hagedorn in der Antwort.
Swiss Re: Weltweites Prämienvolumen wächst weiter
Die Prämieneinnahmen in der Lebens- und Nichtlebensversicherung werden weltweit in diesem und im nächsten Jahr um rund 3 Prozent wachsen, erwartet der Rückversicherer Swiss Re in seinem aktuellen Sigma Report. Wachstumstreiber sind die Schwellenländer. Insbesondere China wird in den kommenden zwei Jahren den größten Beitrag zum weiteren Wachstum leisten. Bis Mitte der 2030-er Jahre könnte das Land die USA als größten Versicherungsmarkt der Welt abgelöst haben.
Kfz-Versicherer 2019 mit schwarzer Null
Die deutsche Kfz-Versicherung wird 2019 eine schwarze Null schreiben, erwartet die Hannover Rück-Tochter E+S Rück. Sie rechnet mit einer Schaden- und Kostenquote von 99,8 Prozent der Beiträge, nach 96,2 Prozent im Vorjahr. Der Grund sind rückläufige Durchschnittsbeiträge und eine voraussichtlich normalisierte Elementarschadenlast, sagte Kfz-Experte Andreas Kelb beim Hannover Forum des Rückversicherers. Im vergangenen Jahr hatten die Versicherer von geringen Schäden aus Naturereignissen profitiert. HUK-Coburg-Vorstand Jörg Rheinländer sprach über das Potenzial von Telematik und darüber, was datenbasierte Tarife mit dem Ziel der Branche zu tun haben, Zugriff auf die in Autos erhobenen Daten zu erhalten.
Zurich-EMEA-Chefin geht nach neun Monaten
Leute – Aktuelle Personalien Die Schweizer Zurich muss sich nach nur wenigen Monaten erneut nach einer Leiterin für das EMEA-Geschäft umsehen. Amanda Blanc, die die Verantwortung für die Region Europa, Afrika und den Nahen Osten im Oktober 2018 übernommen hatte, hat gekündigt. Außerdem: Anja Grünitz und Johannes Hermanns kehren zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber VOV zurück. Grünitz übernimmt die Leitung des Standortes Hamburg, Hermanns wird Senior Underwriter in Köln. Andrea Brock übernimmt die Leitung der deutschen Niederlassung von QBE Europe, und Lloyd’s of London hat eine neue Chief Operations Officer.
Schwerer Spagat für Cyber-Versicherer
Der große Durchbruch auf dem Cyber-Markt steht noch aus. Die Auflösung eines Widerspruchs könnte dabei helfen: zwischen den immer detaillierteren Anforderungen an die Risikobewertung bei Großunternehmen und dem Bedarf an standardisierten, leicht abschließbaren Produkten für kleine und mittlere Firmen. Kapazität gebe es dagegen genug, meinten die Experten. Allerdings könne die mangelnde Profitabilität einige Anbieter auf Sicht wieder aus dem Markt verdrängen.
KMU: Cyberversicherung könnte effizienter sein
Die Cyberversicherung für kleine und mittelgroße Unternehmen könnte mit einer besseren Schadenprävention und -analyse effizienter sein, glaubt der IT-Sicherheitsexperte Linus Neumann. „Es gibt bei den Versicherern viel Luft nach oben, um ein besseres Dienstleistungsniveau zu erreichen“, sagte am Dienstag bei der Euroforum-Konferenz „Cyber Insurance“ in Düsseldorf. Viele Annahmen und Prognosen der Gesellschaften bezüglich der Kosten von Cybervorfällen bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen hätten sich nicht bewahrheitet.
Bildergalerie: Versicherungsmonitor Breakfast Briefing
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Schadenmanagement von Versicherern war das Thema des zwölften Versicherungsmonitor-Breakfast Briefings. Am Mittwochmorgen diskutierten Experten von Versicherern, Maklern, Technologie-Anbietern und weitere Fachleute im Hotel Mondial am Dom in Köln. Was kann KI leisten? Wie müssen die Datenquellen beschaffen sein? Wo müssen Versicherer jetzt investieren und was kann dabei schiefgehen? Fragen wie diese wurden von Rednern und Publikum rege und teils kontrovers diskutiert. Die Keynote lieferte Christian Krams, Mitglied des Vorstands Versicherungskammer – BavariaDirekt. Mit dabei waren außerdem Experten von Munich Re, Omnius, Eucon und HDI. Die Bildergalerie gibt Ihnen einen Eindruck von der Veranstaltung.
[…]














