Der digitale Krankenversicherer Ottonova will junge, bislang gesetzlich versicherte Kunden gewinnen und hat dafür eine sogenannte Zufriedenheits-Garantie aufgelegt. Darunter versteht das Insurtech, dass es Kunden zum Ablauf einer Mindestfrist die gesamten Alterungsrückstellungen mitgeben will, wenn diese mit der Leistung von Ottonova nicht zufrieden sind und kündigen. Die Regelung gilt ab sofort und kann auch von Bestandskunden in Anspruch genommen werden. Die von der klassischen Konkurrenz ausgeübte Praxis, die Alterungsrückstellungen beim Anbieterwechsel nur zum Teil mitzugeben, findet Ottonova-Chef Roman Rittweger verstaubt. Allerdings kann Ottonova als junger Versicherer mit wenigen Kunden sich diese Politik eher erlauben als etablierte Anbieter.
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S&P: Preiserhöhungen geht die Puste aus
Trotz zahlreicher Großschäden sind die Preise für Rückversicherungsschutz 2018 nur zwischen null und fünf Prozent gestiegen, schätzt die Ratingagentur S&P. Schuld sind die hohen Überkapazitäten, alternative Kapitalgeber wie Pensionsfonds sind dem Markt trotz der Schäden treu geblieben. Deshalb werden sich auch die moderaten Prämienerhöhungen dieses Jahres 2019 nicht fortsetzen, glaubt S&P. Die Ratingagentur rechnet nach wie vor mit vielen Übernahmen und Fusionen. Zuletzt hatte Scor, die Nummer 5 im Markt, ein Übernahmeangebot des französischen Versicherers Covéa erhalten, aber abgelehnt.
Zweifel an höheren Preisen in der Feuerversicherung
Versicherungsmonitor Analyse In diesem Jahr wollen die Industrieversicherer das erreichen, was ihnen seit Jahren nicht gelingt: Die Preise in der gebeutelten Feuerversicherung sollen endlich steigen. Noch ist unklar, wie erfolgreich sie sein werden. Makler halten einen marktweiten Prämienanstieg für unwahrscheinlich, schließlich hätten die Anbieter auch schon in den vergangenen Jahren Sanierungsversuche aus Sorge vor Umsatzeinbußen regelmäßig nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Außerdem gibt es immer noch ausreichend Kapazität im Markt. Eine weitere Hürde ist, dass nicht alle Anbieter mitziehen, wenn ein Konkurrent mit einer Preiserhöhung vorprescht. Sie spekulieren stattdessen auf die Kunden, die er bei der Sanierung verliert.
LM+ schließt ersten Rabattvertrag
Ein Rabattvertrag mit dem Pharmaunternehmen Teva soll dazu beitragen, die Leistungsausgaben der privaten Krankenversicherer (PKV) Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal Iduna zu senken. Ausgehandelt hat die zum 1. Juli in Kraft getretene Vereinbarung LM+, die gemeinsame Leistungsmanagementgesellschaft der vier Unternehmen. Der Rabattvertrag soll künftig auch anderen PKV-Anbietern offenstehen. LM+ baut nach und nach sein Angebot in der Versorgungssteuerung und -verbesserung aus.
Finanzberater holt Botermann in den Beirat
Leute – Aktuelle Personalien Der Finanzberater Dr. Hengster, Loesch & Kollegen vergrößert seinen Beirat um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Alte Leipziger-Hallesche-Konzerns Walter Botermann und den Ex-Chef der Dresdner Bank Herbert Walter. Bei Partner Re gibt der Exor-Chef John Elkann unterdessen seinen Posten als Präsident des Verwaltungsrats an Brian Dowd ab. Er bleibt aber trotzdem Mitglied des Gremiums. Außerdem: Vincent Vandendael wechselt von Lloyd’s of London zum Bermuda-Versicherer Everest und die Swiss Re verliert mit Frank O’Neill ihren Chef für Großbritannien und Irland. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.
Provinzial-Eigner sollen sich einig sein
Lange sah es so aus, als ob auch der jüngste Anlauf zu einem Zusammenschluss von Provinzial Nordwest in Münster und Rheinischer Provinzial in Düsseldorf an der Zerstrittenheit der Eigner scheitern würde, den Sparkassen und den Landschaftsverbänden. Das geplante Fusionsdatum 1. Januar 2019 wurde intern schon wieder abgesagt. Doch jetzt gibt es starke Anzeichen dafür, dass sich die Eigner in der vergangenen Woche im Grundsatz geeinigt haben. Nach Informationen des Versicherungsmonitors soll die fusionierte Gruppe ihren Sitz in Münster haben. Dort soll auch das Ressort Finanzen sitzen. Die Schaden- und Unfallversicherung würde dann aus Düsseldorf geleitet, das Lebensgeschäft aus Kiel.
BdV kämpft mit Bierdeckel für Kostendeckel
Der Bund der Versicherten (BdV) fordert entschlossene Maßnahmen zur Verringerung der Abschlusskosten in der Lebensversicherung. Deren aktuelles Niveau sei grotesk, so der Verband. Nötig seien eine Begrenzung der Abschlusskosten auf 1,5 Prozent des Beitrags und eine Obergrenze für die Verwaltungskosten in Höhe von 5 Prozent. Die beiden Forderungen will der Verband per Bierdeckel bei Journalisten und Politikern bekannt machen. Die Regierung hat im Evaluierungsbericht zum Lebensversicherungsreformgesetz einen Provisionsdeckel angekündigt, allerdings ohne eine konkrete Höhe zu nennen.
Big Data und die Lebenswirklichkeit
Legal Eye – Die Rechtskolumne Die Finanzaufsicht BaFin malt in ihrem aktuellen Zukunftsbericht das Bild einer schönen neuen Welt, in der Big Data und künstliche Intelligenz der Assekuranz riesige Chancen eröffnen. Solche Träume dürften aber schnell an der Realität scheitern. So verlangt der deutsche Gesetzgeber in der nationalen Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie IDD sogar die Papierform für vorvertragliche Ratschläge, was den Digitalisierungsbemühungen der Versicherer schnell einen Strich durch die Rechnung machen kann.
BCG: Mut und Schnelligkeit sind gefragt
Die börsennotierten Versicherer, die in den vergangenen Jahren die größten Werte für ihre Anleger geschaffen haben, sind laut einer Analyse des Beraters BCG Bajaj, Discovery, Swiss Life, AFG und Hiscox. Die Erfolgsrezepte sehen dabei durchaus unterschiedlich aus, sie können strategische Partnerschaften, Digitalisierung, Übernahmen oder auch ganz altmodische Portfolio-Optimierungen umfassen. Versicherer, die am Aktienmarkt erfolgreich sein wollen, müssen auf jeden Fall schnell und mutig handeln, glaubt der Berater.
Eine Frage des Preises
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: GVNW-Symposium und Rückversicherungstreffen in Monte Carlo.
Allianz bündelt globales Direktgeschäft in Deutschland
Die weltweite Konsolidierung der Direktversicherer der Allianz nimmt konkrete Formen an: In einem ersten Schritt wird der Konzern sein Direktgeschäft aus Deutschland, den Niederlanden, Italien und Spanien auf einem neu geschaffenen Risikoträger vereinen, der seinen Sitz in Deutschland haben soll. Weitere Direktversicherer sollen folgen. Erstes Produkt des neuen Gemeinschaftsunternehmens wird eine online abschließbare Kfz-Versicherung sein. Bestandskunden der bisher national agierenden Direktanbieter haben laut der Allianz keine Änderungen zu erwarten. Welche Konsequenzen die Maßnahme für die Mitarbeiter hat, ist dagegen noch unklar.
US-Insurtechs wachsen, aber noch nicht profitabel
Die Wachstumsraten von amerikanischen Insurtechs sind beeindruckend. So hat der Kfz-Versicherer Root, der seit kurzem mit einer Bewertung von über 1 Mrd. Dollar zu den Einhörnern der Branche zählt, im zweiten Quartal seine Prämien um 88 Prozent auf 14,9 Mio. Dollar gesteigert. Auch Lemonade und Metromile weisen immer noch hohe Zuwächse bei den Prämien auf, schreiben die Insurtech-Experten Matteo Carbone und Adrian Jones in einer Analyse. Profitabel ist das Wachstum allerdings noch lange nicht, die Schaden- und Kostenquoten liegen weit über 100 Prozent.
Risiko von Patentverletzungen steigt
Gerichtliche Auseinandersetzungen wegen Patentverletzungen nehmen weltweit zu, so ein Bericht des Maklers und Beraters Willis Towers Watson. Versicherer, die entsprechende Deckungen anbieten, beobachten bereits eine steigende Nachfrage. Allerdings sind die Policen immer noch nicht weit verbreitet. Auch hierzulande wächst das Risiko. Laut dem Bericht liegt Deutschland mittlerweile auf Rang drei der Länder mit den meisten Prozessen wegen Verletzungen geistigen Eigentums. Auf Platz eins liegen die USA, dahinter folgt China.
Generali Leben-Run-off findet geteiltes Echo
Medienanalyse Im Vorfeld und Nachgang des Verkaufs der Generali-Leben-Bestände an die Abwicklungsplattform Viridium diskutierten Branche und Öffentlichkeit in den Medien erneut lebhaft den Run-off. Aus Sicht von Branchenexperten könnte der Verkauf für die Versicherungsbranche eine gewisse Signalwirkung entfalten. Viridium-Chef Heinz-Peter Roß versuchte, Ängste der Versicherten zu beschwichtigen, während Generali-Chef Giovanni Liverani in die Offensive ging: Der Verkauf sei beste Lösung für die Kunden.
Betrugsfall Allianz: 435 Mal besonders schwere Untreue
Beim Prozessauftakt gegen einen ehemaligen Betrugsspezialisten der Allianz sind neue Details zu dem Fall bekannt geworden. Die Anklage lautet auf besonders schwere Untreue in 435 Fällen. Der Angeklagte soll mithilfe von fingierten Aufträgen an nicht existente Anwälte über 2 Mio. Euro von seinem Arbeitgeber ergaunert haben. Ein Teil des Geldes floss in die Ausbildung seiner Kinder. Wofür er den Rest nutzte, sollen die kommenden Verhandlungstage klären, an denen Zeugen von der Allianz sowie die Ehefrau und die Lebensgefährtin aussagen sollen.














