Archiv ‘Abwicklung’

Herbert Fromme

Spiel mit dem Feuer

 Herbert Frommes Kolumne  Die schärfste Opposition gegen den Plan von Ergo und Generali, stillgelegte Lebensversicherer zu verkaufen, kommt von anderen Versicherern. Die Empörung bei ihnen ist groß, auch wenn sie meistens nur hinter vorgehaltener Hand geäußert wird. Doch die Vorstände anderer Gesellschaften sollten vorsichtig sein mit ihrer Kritik. Sie ist inzwischen bei der Politik angekommen, die Grünen wollen sogar gesetzgeberisch tätig werden. Das wäre auch für die heutigen Kritiker fatal. Denn es kann ihnen gut passieren, dass sie selbst in drei oder fünf Jahren einen Teilbestand abwickeln und verkaufen müssen. Die Kritiker spielen mit dem Feuer.

Kontroverse Debatte um Run-off

 Medienanalyse  Die Ankündigungen namhafter Versicherer wie Ergo und Generali, ihre Lebensversicherungsbestände intern abzuwickeln oder an Spezialplattformen zu veräußern, sorgte im Oktober für Schlagzeilen. In der medialen Debatte wurden gegensätzliche Standpunkte deutlich: Während die von Niedrigzinsen und Kostendruck gebeutelten Versicherer die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit eines Run-offs und mögliche Vorteile für die Kunden hervorheben, werfen Verbraucherschützer der Branche einen erheblichen Missbrauch des in sie gesetzten Vertrauens und einen gefährlichen Angriff auf die Altersvorsorge von Millionen Kunden vor.

Frankfurter Leben: Run-off kein Reputationsrisiko

Der Finanzvorstand des Abwicklers Frankfurter Leben Bernd Neumann kann die aufgeregte Diskussion um Run-off-Geschäfte einzelner Versicherer nicht nachvollziehen. Von einer Abwicklung alter Bestände könnten alle beteiligten Parteien profitieren, wenn denn professionell gearbeitet werde, sagte er auf einer SZ-Fachkonferenz in Köln. Von einem möglichen Imageschaden für die Versicherungswirtschaft will Neumann nichts wissen. Eine Run-off-Plattform ist in seinen Augen ein ganz normaler Lebensversicherer.

Versicherer besorgt über Run-off-Diskussionen

Mit Sorge blicken Versicherer wie die Allianz, Ergo und Talanx auf die öffentliche Run-off-Diskussion. Nachdem bekannt wurde, dass Generali und Ergo Käufer für ihre Lebensversicherer suchen, kochte das Thema hoch: Verbraucherschützer sind alarmiert, die Deutschen fürchten um ihre Altersvorsorge. Bei der Vermittlermesse DKM diskutierten Vorstände von Allianz, Ergo, W&W und Talanx mit Versicherungsaufseher Frank Grund und unter Moderation von Marc Surminski die Auswirkungen der Run-off-Debatte und die Rolle der Vermittler in der Digitalisierung.

Ergo-Töchter: Mitarbeiter protestieren gegen Verkauf

Ärger für Ergo: Nachdem bekannt wurde, dass der Düsseldorfer Konzern offenbar seine drei Tochtergesellschaften Victoria Leben, Ergo Leben und Ergo Pensionskasse verkaufen will, haben 1.000 Ergo-Mitarbeiter nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Standort Hamburg protestiert. Beschäftige, Betriebsräte und die Neue Assekuranz Gewerkschaft wollen sich weiter gegen das Vorgehen der Munich Re-Tochter wehren. Der Ergo-Konzern äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu den Vorwürfen.

Herbert Fromme

Ergo und Generali: PR-Desaster Run-off

 Herbert Frommes Kolumne  Die Entscheidungen von Ergo und Generali für den Run-off und die Käufersuche bei ihren Lebensversicherern machen wirtschaftlich sehr viel Sinn für die Unternehmen. Aber unter PR- und Marketinggesichtspunkten sind sie für die gesamte Branche eine Katastrophe. Wer die lebenslange Rentenzahlung und die eigene Verlässlichkeit in den Mittelpunkt seiner Argumentation stellt, hat ein Problem, wenn große Marktteilnehmer ihre Töchter an Hedgefonds oder chinesische Großinvestoren verkaufen. Das dämmert inzwischen auch vielen Vorständen.

Anleger loben Ergo-Verkaufsplan

Die Aktie der Munich Re legte am Mittwochmorgen um 1,5 Prozent zu, mehr als doppelt so viel wie der Anstieg des Dax-Index. Anleger und Analysten lobten den Plan der Gruppe, die stillgelegten Lebensversicherer Victoria Leben und Ergo Leben zu verkaufen. Das würde sehr viel Kapital für die Gruppe freisetzen. In Branchenkreisen hieß es, der von Ergo angepeilte Kaufpreis sei unrealistisch. Dennoch dürften Munich Re und Ergo die Unternehmen verkaufen, weil auch bei einem niedrigen Preis die Abgabe sehr positive Auswirkungen hätte.

Ergo bringt Run-off-Töchter auf den Markt

Die Munich Re-Tochter Ergo hat nach Informationen von SZ und Versicherungsmonitor den Verkaufsprozess für ihre Tochtergesellschaften Victoria Leben, Ergo Leben und Ergo Pensionskasse gestartet, die im Run-off sind. Es geht um rund 6 Millionen Verträge und Kapitalanlagen von mehr als 56 Mrd. Euro. Gleichzeitig sucht die Generali immer noch einen Käufer für die Münchener Generali Leben mit rund 4 Millionen Verträgen, die ebenfalls in den Run-off gehen sollen.

Viridium schließt Protektor-Bestandsübernahme ab

Der Run-off-Spezialist Viridium, ehemals Heidelberger Leben, hat die Übernahme des Altbestandes des Berliner Lebensversicherers Protektor abgeschlossen. Dabei geht es um knapp 100.000 laufende Versicherungsverträge der Mannheimer Leben. Der Abwickler benennt die übernommene Protektor-Tochter Salvamus um in Entis Lebensversicherung AG. Den Vorstandsvorsitz des Unternehmens übernimmt Michael Sattler, er ist Finanzchef von Viridium und Vorstand der Viridium-Töchter Heidelberger Leben und Skandia Deutschland. Weitere Vorstandsposten besetzen Rudolf Geburtig, Falko Loy und Markus Deimel.

Generali prüft Verkauf der Lebens-Tochter

Die Generali hat die Investmentbank Morgan Stanley damit beauftragt, alle Optionen für die Tochter Generali Lebensversicherung in München zu überprüfen. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Seit Monaten denkt der Konzern über die Zukunft der Gesellschaft und ihres Vertriebs nach. Neben der Generali Leben gehören die Aachen Münchener Leben und die Cosmos Direkt zum Konzern, der also die Lebensversicherung nicht ganz aufgeben würde. Insider rechnen mit einer Entscheidung über die Zukunft der Generali Leben noch in diesem Jahr. Deutschlandchef Giovanni Liverani hat dabei drei Optionen.

BaFin genehmigt Arag Leben-Verkauf

Die Arag Leben darf an die Run-off-Plattform Frankfurter Leben verkauft werden. Das hat die Finanzaufsicht BaFin entschieden. Arag und die dem chinesischen Investor Fosun gehörende Frankfurter Leben hatten die Transaktion im vergangenen September vereinbart und seitdem auf die Genehmigung der BaFin gewartet. Für die Frankfurter Leben ist es bereits der zweite große Run-off-Deal. Insgesamt verwaltet das Unternehmen jetzt rund 450.000 Verträge mit Kapitalanlagen von rund 5 Mrd. Euro.

Faßbender: Arag Leben-Verkauf kurz vor Abschluss

Der Düsseldorfer Versicherer Arag steht kurz davor, seinen Lebensversicherer an die Frankfurter Leben zu verkaufen. Der Arag-Vorstandsvorsitzende Paul-Otto Faßbender erwartet noch in diesem Monat eine Entscheidung der BaFin, ob der Abwicklungsspezialist Frankfurter Leben das Unternehmen mit dem geschlossenen Bestand übernehmen darf. Bei der Digitalisierung will Arag Tempo machen und investiert in den kommenden drei Jahren 50 Mio. Euro in den digitalen Umbau. Dezentral und von innen heraus – also ohne digitale Beiboote, wie sie manche Versicherer nutzen – soll die Digitalisierung gelingen. Der VW-Skandal beschäftigt die Düsseldorfer Rechtsschutzspezialisten weiterhin.

WordPress Cookie-Hinweis von Real Cookie Banner