Kommentar In der Welt der deutschen Fintechs gab es diese Woche gleich zwei Pleiten. Cringle und Lendstar, zwei Anbieter von Bezahllösungen für Privatpersonen, mussten Insolvenz anmelden. Aus den USA kommt die Nachricht, dass die wichtigsten Insurtechs zwar ordentlich wachsen, aber kein Geld verdienen. Eine gute Nachricht für etablierte Anbieter ist das allerdings nicht. Vor allem, wenn man sich die wirklichen Gründe für das Scheitern von Cringle und Lendstar ansieht.
Archiv ‘Digitalisierung’
US-Insurtechs wachsen, aber noch nicht profitabel
Die Wachstumsraten von amerikanischen Insurtechs sind beeindruckend. So hat der Kfz-Versicherer Root, der seit kurzem mit einer Bewertung von über 1 Mrd. Dollar zu den Einhörnern der Branche zählt, im zweiten Quartal seine Prämien um 88 Prozent auf 14,9 Mio. Dollar gesteigert. Auch Lemonade und Metromile weisen immer noch hohe Zuwächse bei den Prämien auf, schreiben die Insurtech-Experten Matteo Carbone und Adrian Jones in einer Analyse. Profitabel ist das Wachstum allerdings noch lange nicht, die Schaden- und Kostenquoten liegen weit über 100 Prozent.
Gothaer gründet neue Digitaleinheit
Der Kölner Versicherer Gothaer hat eine eigene Digitaleinheit gegründet. Die neue Firma namens Digital GmbH soll ab September den Betrieb aufnehmen und zur Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle beitragen. Noch ist das Unternehmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitern für das Team, das im Insurlab Germany in Köln sitzen soll. Die ersten Projekte sollen dennoch in einigen Wochen starten.
Europäische Versicherer reden viel über Blockchain
Die Datenanalysefirma S&P Global Market Intelligence, eine Schwesterfirma der Ratingagentur S&P, sieht die europäischen Versicherer weiter vorn als ihre US-Konkurrenten, was die Anwendung der Blockchain-Technologie angeht. Zumindest reden sie häufiger darüber, denn S&P hat analysiert, ob das Thema bei den Telefonkonferenzen zur Sprache kommt. Der unangefochtene Blockchain-Vorreiter kommt mit dem Ping An-Konzern allerdings aus China.
PKV unter Druck
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Digitalisierung, Kundenrückgang und Kosten in der privaten Krankenversicherung
Blockchain in der Assekuranz: Revolution oder Hype?
Meinung am Mittwoch Sollten Sie in diesen Tagen wieder einmal eine Einladung zu einer der üblichen Fachkonferenzen rund um das Thema „Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft“ erhalten haben, werden Sie im Programm in zehn von zehn Fällen einen Beitrag zum Thema Blockchain-Technologie finden. Jeder Veranstalter derartiger Tagungen, der etwas auf sich hält, hat zumindest einen qualifizierten Redner auf der Liste. Digitalisierung ohne Blockchain – geht das überhaupt noch?
Digitale Rezeptabrechnung für Privatpatienten
Mit der digitalen Rezeptabwicklung will ein neues Unternehmen den Service für Privatpatienten verbessern. Das Ziel: Die Versicherten müssen für die Medikamente in der Apotheke nicht mehr in Vorleistung treten, Belege einreichen und sich das Geld dann erstatten lassen. Stattdessen läuft die Abwicklung komplett digital über die Noventi Factory. Das wäre gerade für Beihilfeberechtigte eine große Erleichterung. Die Direktabrechnung bei Arzneimitteln wird zunächst beim Marktführer Debeka erprobt und soll im Frühjahr 2019 ausgerollt werden. Ein positiver Nebeneffekt für die Versicherer: Das Betrugspotenzial wird minimiert.
Bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze werden überflüssig
Der digitale Wandel kostet die Versicherungswirtschaft schon jetzt viele Arbeitsplätze. Der Unternehmensberater McKinsey erwartet eine Fortsetzung des Trends. Langfristig können durch Automatisierung und Analytik 20 bis 40 Prozent der Stellen wegfallen. Momentan sind die Fortschritte der Versicherer durch die Digitalisierung noch überschaubar. Außerdem rücken Versicherer das positive Kundenerlebnis oft zu sehr in den Fokus. Darunter leidet die Optimierung der internen Prozesse.
Blockchain als vertrauensbildende Maßnahme
Legal Eye – Die Rechtskolumne Die Versicherungswirtschaft benötigt Vertrauen, dies belegen regelmäßig Studien. Eine Lösung könnte die sogenannte Blockchain-Technologie sein. Auch wenn sich ihre rechtlichen Implikationen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vollständig übersehen lassen, verspricht die Technologie zumindest von ihrer Konzeption her Transparenz und Sicherheit. Auch die auf der Blockchain fußenden Smart Contracts bieten großes Potenzial. Sie könnten dynamische, bedarfsgerechte und vollautomatische Versicherungskonzepte ermöglichen.
Spätstarter Versicherungswirtschaft
Herbert Frommes Kolumne Der Online-Zahlungsabwickler Wirecard ist an der Börse heute 21,7 Mrd. Euro wert, die Deutsche Bank 20,3 Mrd. Euro, ein auf den ersten Blick bizarres Verhältnis. Jetzt wird das weitgehend unbekannte Unternehmen aus Aschheim bei München möglicherweise die Commerzbank (Börsenwert 10,3 Mrd. Euro) im Index Dax 30 verdrängen. Investoren bewerten die junge britische Digitalbank Monzo in der aktuellen Finanzierungsrunde mit 1,5 Mrd. Dollar, viermal so hoch wie im November 2017. Das Start-up gewinnt 18.000 Kunden pro Woche. In der digitalen Finanzwelt tut sich viel – nur nicht in der Versicherungswirtschaft. Oder?
Flypper mit kostenlosem Beratungsangebot
Der neue digitale Versicherer Flypper bietet schon vor seinem Start Beratung in Versicherungsfragen an. Der Dienst „Flypper hilft” ist für die Nutzer kostenlos. Als Gegenleistung bittet Flypper um eine gute Online-Bewertung. Das Insurtech will so auf sich aufmerksam machen und Kunden gewinnen. Der Start des Insurtechs um Gründer Dominik Groenen verzögert sich allerdings nochmals, 2019 soll es nun soweit sein.
Betrugsbekämpfer erweitern Angebot
Der Pariser Spezialist Shift Technology, der Versicherer beim Aufspüren von betrügerischen Schäden hilft, baut sein Angebot aus. Er will jetzt die gesamte Schadenbearbeitung digitalisieren. Die neue Software soll Ende des Jahres einsatzfähig sein. Shift Technology ist seit 2013 auf dem Markt und sieht sich als einer der Marktführer beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Betrugsabwehr. Bislang hat das Unternehmen 34 Mio. Euro bei Investoren eingesammelt.
Weniger Versicherung, mehr Wassermelone
Nachschlag – Der aktuelle Kommentar Mitten in der Hitzewelle setzt Ergos neuer Digitalversicherer Nexible einen erfrischenden Post ab. „Weniger Versicherung, mehr Wassermelone“, lautet die harmlos-banale Botschaft der Düsseldorfer. Sommerloch eben. Die Reaktionen einiger Facebook-Nutzer fallen hitzig aus und dürften den Social-Media-Experten die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Die Kunden lassen sich nicht mit Frischobst-Bildern beglücken, sie beschweren sich über mangelnde Kommunikation und falsche Prämienberechnungen bei Nexible.











