Die Finanzaufsicht BaFin hat ein neues Rundschreiben veröffentlicht, das sich an kleine Versicherer mit Prämieneinnahmen unter 5 Mio. Euro richtet. Das Schreiben, das am 1. April 2020 in Kraft treten soll, definiert die Mindestanforderungen der Aufsicht an die Geschäftsorganisation dieser Gesellschaften. Dabei hat die BaFin viele Kritikpunkte an dem ursprünglichen Entwurf aufgegriffen – aber nicht alle.
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Fitch: Hybride Lebenspolicen allein reichen nicht
Europäische Lebensversicherer müssen sich dringend an die andauernden Niedrigzinsen anpassen. Aktuell setzten deshalb viele von ihnen auf neuartige hybride Produkte, bei denen klassische Garantien mit fondsgebundenen Komponenten kombiniert werden, schreibt die Ratingagentur Fitch in einer aktuellen Analyse. Doch nicht in allen Ländern reiche das aus, um die niedrigen Renditen auszugleichen. Auch in Deutschland ist das der Fall. Dafür sind deutsche Lebensversicherer bei den Solvency II-Quoten besser aufgestellt als Anbieter aus anderen europäischen Ländern.
Debeka: Vollversicherung hui, Riesterrente pfui
Die Debeka hat im vergangenen Jahr in der privaten Krankenversicherung erneut zugelegt und in der Vollversicherung den Marktanteil weiter ausgebaut. Weniger Freude macht der Gruppe angesichts der schwer zu erwirtschaftenden Beitragsgarantie zurzeit die Riesterrente. Sie ist im Neugeschäft zunächst einmal auf Eis gelegt, bis Signale von der Politik kommen, wie es mit der geförderten Altersvorsorge weitergehen soll. Bei der Kapitalanlage und darüber hinaus will die Debeka verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen.
Die drei Wunder der Aufsicht
The Long View – Der Hintergrund Bleibt das Zinsniveau auf dem derzeitigen Niveau, wird spätestens in zwei Jahren das Thema Zinszusatzreserve wieder akut. Es müssten also schnell die Erträge der Lebensversicherer wieder steigen. Dazu könnten zwei wundersame Entwicklungen bei der Finanzaufsicht beitragen – allerdings könnte ein drittes Wunder sie wieder relativieren.
ICS-Test: Versicherer müssen selbst entscheiden
Während eine Reihe von französischen Versicherern und Rückversicherern, unterstützt durch ihren Branchenverband FFA, geschlossen die Teilnahme an der Testphase des globalen Kapitalstandards ICS verweigert, gibt es beim deutschen Versichererverband GDV keine Signale in diese Richtung. Jedes Unternehmen müsse selbst entscheiden, ob es mitmacht, sagte GDV-Experte Götz Treber. Ob die von den Franzosen gefürchtete alternative Bewertungsmethode der Amerikaner wirklich zum Problem wird, hänge von deren Ausgestaltung ab.
GDV setzt auf Nachhaltigkeit
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) will sich für eine klimaneutrale und nachhaltige Ökonomie einsetzen. Versicherer seien ideale Partner für die Energiewende, heißt es in einem Papier, in dem der Verband seine sieben politischen Positionen für das Jahr 2020 veröffentlicht hat. Er fordert unter anderem eine neue Risikokultur für den Cyberspace, flexiblere Regulierung und größere Vorsorge-Anstrengungen angesichts des demographischen Wandels.
Brexit und kein Ende
Herbert Frommes Kolumne Der Brexit wird zur Tatsache. Das führt zu interessanten Effekten in der Übergangszeit, in der beide Seiten noch in dem jeweils anderen Gebiet Policen zeichnen dürfen, während die Zukunft der Beziehungen im Bereich Financial Services und damit auch Versicherung offen ist. Geklärt ist bislang überhaupt nichts – deshalb müssen sich die Versicherer in Großbritannien und in der EU auch auf einen harten Brexit vorbereiten.
GDV warnt vor zu viel Regulierung
Feste Regeln sind für eine gute Marktwirtschaft unverzichtbar, findet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Doch in Deutschland gibt es seiner Meinung nach eine zu hohe Regulierungsdichte. Das schwäche das Bruttoinlandsprodukt. Auch die Versicherer hadern mit einigen Pflichten.
S&P: Eiopa-Vorschläge drücken auf Solvenzquoten
Die Vorschläge der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa für die 2020 anstehende Überarbeitung des Aufsichtsregimes Solvency II könnten die Solvenzquoten der Versicherer erheblich verringern. Besonders stark wäre der Effekt laut einer Analyse der Ratingagentur Standard & Poor’s auf Lebensversicherer mit langlaufenden Garantien, wie sie die Gesellschaften in Deutschland oder den Niederlanden in den Büchern haben. Für einige Lebensversicherer geht es um ein Minus um 100 Prozentpunkte oder mehr, schätzen die Analysten.
Große Anforderungen an kleine Versicherer
Legal Eye – Die Rechtskolumne Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Konsultation bezüglich des geplanten Rundschreibens zu aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen an die Geschäftsorganisation von kleinen Versicherungsunternehmen beendet. Der aktuelle Entwurf sieht eine weitgehende Übertragung der für Solvency-II-Versicherungsunternehmen geltenden allgemeinen Governance-Anforderungen auf kleine Versicherer vor. Bei konsequenter Anwendung des Proportionalitätsprinzips muss kleinen Versicherern jedoch ein größerer Gestaltungsspielraum verbleiben. Offen ist, ob die BaFin künftig ähnliche Anforderungen an die Geschäftsorganisation von Pensionskassen und Pensionsfonds stellen wird.
Europäische Versicherungsaktien: Überraschend positiv
The Long View – Der Hintergrund Es gibt drei unerwartete Folgen für Versicherungsaktien aus der aktuellen Situation, die durch Brexit, Niedrigzinsen und Solvency II bestimmt wird. Die britischen Kfz-Versicherer werden gewinnen, wenn das Pfund sich stabilisiert und die Importe von Ersatzteilen billiger werden. Lebensversicherer, die Altbestände abwickeln, stehen dadurch viel besser da. Und das alternative Kapital in der Rückversicherung wird wohl kaum noch stärker wachsen.
BaFin sieht Nachholbedarf bei Risikofrüherkennung
Der neue Paragraf 132 des Versicherungsaufsichtsgesetzes verpflichtet Versicherer dazu, geeignete Verfahren einzuführen, um eine Verschlechterung ihrer finanziellen Lage zu erkennen. Deutet sich an, dass die Unternehmen ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können oder ihre Zahlungsfähigkeit gefährdet ist, müssen sie die Finanzaufsicht BaFin sofort informieren. Mit der Umsetzung der Vorschrift ist die Behörde aber alles andere als zufrieden. Nach einer Pilotabfrage bei Lebensversicherern und Pensionskassen attestiert sie der Branche erheblichen Nachholbedarf. Auch Versicherern aus anderen Sparten will sie bald auf den Zahn fühlen.
Ferma will mehr Proportionalität für Captives
Die europäische Risikomanager-Vereinigung Ferma stört, dass der im Aufsichtsregime Solvency II verankerte Grundsatz der Proportionalität von den nationalen Aufsichtsbehörden immer noch sehr uneinheitlich interpretiert und angewendet wird. Darunter leiden vor allem die konzerneigenen Versicherer, die Captives. Der Verband hat für die Überarbeitung von Solvency II ein eigenes Proportionalitäts-Modell erarbeitet und auf dem Ferma Forum in Berlin vorgestellt. Mit dem System soll nach den Vorstellungen der Ferma künftig festgelegt werden, ob eine Gesellschaft Erleichterungen bei den Berichtspflichten nach Solvency II erhält oder nicht.













