Nach der Nachricht über den Verkauf der Generali Leben an Viridium rumort es heftig in der Versicherungsbranche. Die deutsche Lebensversicherung steht vor dem größten Run-off-Deal ihrer Geschichte. Mehr als vier Millionen Verträge sollen zusammen mit rund 300 Generali-Mitarbeitern zu Viridium wechseln. Heftige Kritik an der BaFin äußert der Bund der Versicherten und spricht vom „Sündenfall der Deutschen Lebensversicherung“. Verbraucherschützer honorieren indes, dass Generali eine Minderheitsbeteiligung behält. Die BaFin will genau prüfen, ob Viridium einen Bestand dieser Größe stemmen kann. In der Politik klaffen die Meinungen zum Deal auseinander. Die Grünen werfen der großen Koalition Untätigkeit vor.
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Liverani: Das könnte eine Blaupause werden
Wir erreichen Giovanni Liverani in Triest. Der Deutschland-Chef der Generali hat an einer Vorstandssitzung teilgenommen und bereitet sich auf die Rückfahrt nach München vor. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor sagte Liverani, dass der Run-off-Deal mit Viridium zum Vorbild für andere ähnliche Übernahmen im deutschen Markt werden könnte. Deshalb begrüßt er die genaue BaFin-Prüfung. Nachteile habe niemand aus dem Geschäft.
Warum der Generali-Deal gut sein kann
Kommentar Mit der Unterschrift von Generali und Viridium unter die Vereinbarung zum Verkauf der Generali Leben ist der Kampf um den Verkauf von Run-off-Beständen nicht vorbei – im Gegenteil, der beginnt gerade erst richtig. Verbraucherschützer und Politiker haben Widerstand angekündigt, sie fürchten um die Interessen der vier Millionen Kunden. Die Versicherungsbranche ist tief gespalten in der Frage. Dabei hat noch kein Mensch erklärt, warum ein interner Run-off mit steigenden Kosten pro Versichertem bei abschmelzendem Bestand besser sein soll als eine professionelle Abwicklung, in der die Bestände wachsen. Dennoch: Die Gegner haben wichtige Argumente, die man ernst nehmen muss.
Generali verkauft Leben an Viridium
Die italienische Versicherungsgruppe Generali, in Deutschland der zweitgrößte Privatkundenversicherer, verkauft 89,9 Prozent an ihrer stillgelegten Tochter Generali Leben an den Abwicklungsspezialisten Viridium. Dabei wird die Generali Leben mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. 300 Mitarbeiter gehen zu Viridium. Die Generali beteiligt sich sehr wahrscheinlich an dem Abwicklungsspezialisten. Der umstrittene Deal dürfte zu heftiger Kritik von Politikern und Verbraucherschützern führen, die Nachteile für Kunden befürchten. In der Branche selbst gibt es schon jetzt eine scharfe Spaltung zwischen Gegnern von Run-off-Lösungen und Versicherern, die einen Bestandsverkauf für eine mögliche Option halten.
Generali einig mit Viridium über Run-off-Verkauf
Der Versicherer Generali hat sich nach Informationen von Süddeutscher Zeitung und Versicherungsmonitor aus Finanzkreisen mit dem Abwicklungsspezialisten Viridium im Grundsatz über einen Verkauf der Mehrheit an der Generali Lebensversicherung in München geeinigt. Ein Minderheitsanteil soll bei der Generali bleiben. Allerdings ist der Verkauf noch nicht formal besiegelt. Aktuell sprechen die Viridium-Gruppe und deren Anteilseigner, der britische Investor Cinven und die Talanx-Tochter Hannover Rück, mit der Finanzaufsicht BaFin über die Transaktion. Generali, Viridium und die Finanzaufsicht wollten nicht Stellung nehmen.
Viridium: Wir haben das Thema Run-off unterschätzt
In der öffentlichen Debatte um den Verkauf von geschlossenen Lebensversicherungsbeständen an Abwickler hat sich die Versicherungsbranche nicht gerade mit Ruhm bekleckert, glaubt Heinz-Peter Roß, Chef des Abwicklers Viridium. Es fehlte eine einheitliche Kommunikationsstrategie. Er mahnte auf einer Lebensversicherungskonferenz in Köln eine Versachlichung der Diskussion an, Versicherer sollten Übertreibungen tunlichst vermeiden. Zudem nannte er Details zu Viridiums Abwicklungsplattform.
Run-off und e-Gesundheitsakte
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Lebensversicherungskonferenz des Instituts für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig und Jahrestagung des PKV-Verbands.
Run-off-Spezialisten brauchen langen Atem
Herbert Frommes Kolumne Zurich-Finanzchef Torsten Utecht fand am Dienstag beim 15. Kölner Rückversicherungssymposium der TH Köln deutliche Worte: Die spezialisierten Run-off-Plattformen haben derzeit vermutlich deutlich höhere Verwaltungskosten als die traditionellen Lebensversicherer, weil sie kaum Volumen aufweisen können. Tatsächlich sind die Run-off-Anbieter in einer schwierigen Situation: Wenn sie zu viel für Bestände bezahlen, rechnet sich ihr Geschäft nicht und die Anleger würden zu Recht unruhig. Bieten sie zu wenig, kriegen sie nicht das Volumen. Deshalb ist ein möglicher Generali-Deal mit vier Millionen Verträgen für die Plattformen so wichtig.
Generali: Schrumpfkur endet dieses Jahr
Der italienische Versicherungskonzern Generali will sich nur auf seine Kernmärkte konzentrieren. Im vergangenen Jahr hat er bereits einige Töchter verkauft. Der Schrumpfprozess werde noch dieses Jahr abgeschlossen, sagte Generali-Chef Philippe Donnet. Zur Zukunft der Generali Leben in Deutschland stehe eine Entscheidung kurz bevor, kündigte er an. Nach wie vor sei sowohl ein Verkauf als auch ein interner Run-off eine Option.
Abwickler bieten für Generali Leben
Im Gegensatz zur Munich Re-Tochter Ergo, die ihre Verkaufspläne nach öffentlicher Kritik wieder beerdigt hat, wagt die Generali einen weiteren Schritt in Richtung externer Run-off. Nach Informationen des Versicherungsmonitors und der Süddeutschen Zeitung haben die Abwicklungsspezialisten Frankfurter Leben, Viridium und Athene Angebote gemacht. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über das Interesse von Athene und Viridium berichtet.
Run-off: Die Frage ist nicht ob, sondern wann
Das Geschäft mit Verkäufen geschlossener Lebensversicherungsbestände könnte bald deutlich an Fahrt aufnehmen. Aufkäufer wie Frankfurter Leben und Viridium sehen mehr Interesse bei Versicherern, geschlossene Portfolien abzugeben. Viridium-Chef Heinz-Peter Roß (Bild) würde gerne schneller bei Übernahmeangeboten zuschlagen. Doch noch hat das Thema Run-off in Deutschland ein Imageproblem, sind sich die Diskussionsteilnehmer bei der SZ-Fachkonferenz zum Thema Run-off in Hamburg einig. Athene-Chefin Ina Kirchhof sieht Vorteile in einer strengen Kontrolle durch die Aufsicht BaFin und empfiehlt den engen Dialog mit der Behörde.
BaFin: Externer Run-off ist nicht immer schlecht
Die Finanzaufsicht BaFin bricht eine Lanze für Versicherer, die Lebenstöchter oder -bestände an einen externen Abwickler wie Viridium, Frankfurter Leben oder Athene Leben abgeben wollen. Das in der Öffentlichkeit verbreitete Pauschalurteil, dass ein externer Run-off per se schlecht für die Kunden sei, halte einer näheren Prüfung nicht stand, schreiben Experten der Aufsicht im hauseigenen BaFin-Journal. Zudem verraten sie, worauf sie bei der Prüfung einer Übertragung besonders achten.
Viridium bekommt neuen IT-Vorstand
Leute – Aktuelle Personalien Viridium, der Spezialist für Abwicklungen aus Heidelberg, hat einen neuen IT-Vorstand. Martin Setzer übernimmt zum 1. April 2018 die Position von Markus Deimel, der aus dem Unternehmen ausscheidet. Setzer soll vor allem die Digitalisierung vorantreiben. Außerdem: Der Axa-Chef Thomas Buberl wurde in den Aufsichtsrat des Bertelsmann-Konzerns berufen. Die Zurich Schweiz hat einen neuen Chef: Juan Beer. Jochen Leiber ist seit 1. Januar 2018 Vertriebsleiter bei der bbg Betriebsberatung.
Viridium sieht neue Geschäftschancen
Der Abwicklungsspezialist Viridium, vormals Heidelberger Leben, hofft auf weitere Bestandsübertragungen. Das derzeitige Zinsumfeld in Verbindung mit den EU-Eigenkapitalregeln Solvency II und dem zunehmenden Wettbewerb im Neugeschäft zwinge Versicherer, die strategische Ausrichtung ihres Lebensversicherungsgeschäfts auf den Prüfstand zu stellen, schreibt das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht. Im vergangenen Jahr hat der Konzern einen Jahresüberschuss von 93 Mio. Euro eingefahren, nach 64 Mio. Euro im Vorjahr.
Frankfurter Leben: Run-off kein Reputationsrisiko
Der Finanzvorstand des Abwicklers Frankfurter Leben Bernd Neumann kann die aufgeregte Diskussion um Run-off-Geschäfte einzelner Versicherer nicht nachvollziehen. Von einer Abwicklung alter Bestände könnten alle beteiligten Parteien profitieren, wenn denn professionell gearbeitet werde, sagte er auf einer SZ-Fachkonferenz in Köln. Von einem möglichen Imageschaden für die Versicherungswirtschaft will Neumann nichts wissen. Eine Run-off-Plattform ist in seinen Augen ein ganz normaler Lebensversicherer.












