Exklusiv Bei den Gesprächen zwischen Erst- und Rückversicherern in Baden-Baden ging es vor allem um ein Thema: die steigende Inflation. Rückversicherer pochen deswegen auf höhere Preise. Erstversicherer versuchen darzulegen, warum speziell bei ihnen keine starken Erhöhungen notwendig sind. „Jeder einzelne Kunde hat eine Story rund um die Inflation zu erzählen“, berichtet Frank Reichelt, Nord-, Zentral- und Osteuropa-Chef bei der Swiss Re. Mit welchen Argumenten sie bei dem Rückversicherer punkten können und wie es um die Stimmung in der Branche bestellt ist, erklärt er im Interview mit dem Versicherungsmonitor.
Archiv ‘Cyberversicherung’
Cyber: Ransomware bleibt bedrohlichstes Risiko
Ransomware-Angriffe sind für Unternehmen die größte Bedrohung in der Cyber-Sparte. Aber auch andere Risiken werden für Versicherer und Kunden zu immer größeren Problemen. Das zeigt der aktuelle Cyber-Report der Allianz-Tochter Allianz Global Corporate & Specialty. Bei dem Industrieversicherer gingen im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Cyber-Schadenmeldungen ein.
Nicht vor dem Cyberrisiko zurückschrecken
Die Lage auf dem Cybermarkt ist angespannt, viele Versicherer und Rückversicherer halten sich angesichts großer Kumulrisiken derzeit stark zurück. Thierry Derez, Chef des französischen Versicherers Covéa, warnte die Branche beim Auftakt des Rückversicherertreffens in Baden-Baden davor, sich des Risikos nicht in ausreichendem Maße anzunehmen. Außer in der Cyberversicherung gibt es zumindest für europäische Erstversicherer keine Kapazitätsengpässe, glaubt der Rückversicherungsmakler Guy Carpenter.
Munich Re: Cyber ist profitabel
Während viele Anbieter mit der Cyberversicherung hadern, hält der Rückversicherer Munich Re profitables Wachstum in der Sparte nach wie vor für möglich. „Die Cyberversicherung in Europa ist ein profitables Geschäft“, sagte Munich Re-Deutschlandchefin Claudia Hasse bei einer Online-Veranstaltung. Auch in Deutschland seien die Ergebnisse des Rückversicherers besser als der Markt, der laut Zahlen des Versichererverbands GDV 2021 mit einer Schaden- und Kostenquote von 124 Prozent abgeschlossen hatte. Dennoch pocht Hasse auf höhere Preise.
Bitis: „Die Kunden merken, dass es sich lohnt“
Exklusiv Für Unternehmen wird es immer schwieriger und auch teurer, eine Cyberversicherung abzuschließen. Dass sich die hohen Ausgaben für die Deckung lohnen, sehen die Unternehmen spätestens im Schadenfall ein, sagt Howden-Experte Theodoros Bitis. Der Jurist leitet als Head of Cyber bei der deutschen Einheit des britischen Maklers ein 15-köpfiges Cyber-Team. Am Rande des Ferma-Forums in Kopenhagen in der vergangenen Woche äußerte sich Bitis gegenüber dem Versicherungsmonitor zur aktuellen Erneuerungsrunde in der Sparte, den Personalengpässen in der Branche und den steigenden Anforderungen der Versicherer.
Everest erhält grünes Licht für Deutschland-Expansion
Mit Everest Insurance startet ein neuer Industrieversicherer in Deutschland. Die Tochter der Everest Re Group aus Bermuda hat die Genehmigung der Finanzaufsicht BaFin erhalten. Wie der Versicherungsmonitor bereits im Mai berichtet hatte, ist Bernd Wiemann für das Deutschlandgeschäft verantwortlich. Sitz der Niederlassung ist das Hochhaus GAP15 (Bild) in Düsseldorf. Everest Insurance steigt mit einem großen Versprechen in den Markt ein: Das Unternehmen will Kapazitätslücken schließen.
Streit von Mondelez und Zurich nimmt Fahrt auf
Der Lebensmittelhersteller Mondelez, zu dem Marken wie Milka, Oreo und Toblerone gehören, streitet sich schon seit längerem mit seinem Versicherer Zurich darüber, ob Schäden, die er 2017 durch einen Angriff mit der Erpressungssoftware Notpetya erlitten hat, unter den Kriegsausschluss fallen oder nicht. Jetzt haben die beiden Kontrahenten ihre Eröffnungsstatements vor einem Gericht im US-Bundesstaat Illinois gehalten. Während Zurich Mondelez als Kollateralschaden einer von Russland orchestrierten Cyberattacke auf die ukrainische Wirtschaft sieht, argumentiert Mondelez, dass es zu Zeiten des Notpetya-Angriffs noch keinen Ukraine-Krieg gab.
Hielkema: „Proportionalität ist der Schlüssel“
Firmeneigene Versicherer, die sogenannten Captives, klagen ebenso wie kleine Versicherer darüber, dass sie die regulatorischen Anforderungen des Solvency II-Regelwerks überfordern. Petra Hielkema, Vorsitzende der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa, betonte auf dem Ferma-Forum in Kopenhagen mit Blick auf die laufende Solvency II-Überprüfung, dass der Grundsatz der Proportionalität bei der Captive-Regulierung künftig stärker zum Tragen kommen soll.
Kunden wollen mehr über Versicherungen wissen
Deutsche Verbraucher wissen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viel über Versicherer und Policen. Trotzdem nehmen sie sich als relativ schlecht informiert wahr und würden gerne mehr zum Thema lernen. Das zeigt eine Umfrage der Scor-Tochter Remark. Der Studie zufolge machen sich Kunden keine Sorgen darum, ihre Daten zu teilen – solange sie davon profitieren.
Datentransparenz ist keine Einbahnstraße
Die Risikomanager in Unternehmen sind auf die Versicherer derzeit nicht gut zu sprechen, vor allem nicht in Problem-Sparten wie der Cyberversicherung. Das Problem sind nicht nur knappe Kapazitäten und ausufernde Risikofragen, sondern auch einseitige Datenströme, kritisierten Risikomanager beim Ferma-Forum in Kopenhagen. Die Versicherer verlangten von Kunden viele Daten und tiefe Einblicke, ließen aber gleichzeitig nur wenig Transparenz im Underwriting-Prozess zu. HDI Global-Chef Edgar Puls, Axa XL-Europachef Xavier Veyry und AGCS-Vorstand Henning Haagen waren um Antworten bemüht.
Munich Re kauft Softwarefirma von Allianz
Exklusiv Der Rückversicherer Munich Re hält jetzt 100 Prozent am Münchener Softwareunternehmen Apinity, das sich auf Schnittstellen für die Versicherungswirtschaft, die Verbreitung von Software in der Branche und die Rolle als Marktplatz für Programme spezialisiert hat. Verkäufer ist die Allianz, die Apinity als Teil ihrer Tochter Syncier entwickelt hatte. Syncier ist gescheitert, deshalb braucht die Allianz auch die App-Spezialisten nicht mehr. Dem Rückversicherer kommen sie gerade recht.
Lohrmanns Verunsicherung: In den Flegeljahren
An dieser Stelle nimmt sich unser Zeichner Konrad Lohrmann jeden Freitag ein Thema aus der Branche vor. Heute: Der Cyberversicherungsmarkt ist den Kinderschuhen entwachsen.
Hiscox: Cyberversicherer spielen mit dem Feuer
Während Unternehmenskunden über hohe Preise und schrumpfende Kapazitäten bei Cyberpolicen klagen, gehen dem Versicherer Hiscox die Reaktionen der Anbieter nicht weit genug. Der deutsche Markt habe weniger schnell und drastisch auf die steigenden Schäden in der Sparte reagiert als Anbieter in den USA, sagte Deutschland-Chef Markus Niederreiner. Die Prämien seien nach wie vor nicht adäquat. Wer sich jetzt noch opportunistisch mit Geschäft eindecke, spiele mit dem Feuer, warnte er. Die unzureichenden Preise seien aber nicht die einzige Baustelle in der Cyberversicherung.
Eiopa warnt vor versteckten Cybergefahren
Versteckte Cyberrisiken, die in Versicherungsverträgen lauern, die gar nicht für die Deckung solcher Gefahren gedacht waren, waren vor ein paar Jahren ein großes Thema in der Branche. Viele Versicherer haben inzwischen einen weitgehenden Ausschluss solcher Risiken gemeldet. Aus Sicht der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa haben die Anbieter aber noch nicht genug getan. Sie bezweifelt, dass alle Versicherer diese Gefahren unter Kontrolle haben. In einer Stellungnahme fordert Eiopa die nationalen Aufseher auf, dem Thema größere Aufmerksamkeit zu schenken.













