Die Empörung ist groß darüber, dass einige Versicherer sich weigern, für Schäden durch Betriebsschließungen aufgrund des Corona-Virus zu zahlen. Jetzt haben sich das bayerische Wirtschaftsministerium, der Hotel- und Gaststättenverband Bayern und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft mit den Versicherern Allianz, Versicherungskammer Bayern und Haftpflichtkasse auf eine Lösung geeinigt. Dabei übernehmen die Versicherer 10 bis 15 Prozent der in den Betriebsschließungspolicen vereinbarten Tagessätze. Die Beteiligten hoffen, dass weitere Versicherer und Bundesländer dem Beispiel folgen. Die Generali hat für von der Corona-Krise betroffene Kunden und Partner einen Nothilfefonds aufgelegt.
Industrieversicherung
Der neue Corona-Alltag bei Ecclesia
Auch bei der Detmolder Maklergruppe Ecclesia hat das Corona-Virus den Arbeitsalltag massiv verändert. Der Großteil der Mitarbeiter arbeitet aus dem Homeoffice. Statt Terminen beim Kunden vor Ort und internen Besprechungen in größerer Runde ist jetzt verstärkt Kommunikation per E-Mail, Telefon oder Video angesagt. Noch gibt es keine Corona-Infektion innerhalb der Belegschaft, berichtet Stefan Ziegler, einer der drei Geschäftsführer der Ecclesia Holding, im Interview mit dem Versicherungsmonitor. Das Unternehmen sei darauf aber gut vorbereitet. Ziegler rechnet damit, dass die Corona-Krise die Versicherungsbranche verändern wird, und zwar auch in positiver Hinsicht.
Südvers rechnet mit Sammelklagen nach Corona
Wenn Geschäftsführer Florian Karle derzeit in seinem Büro beim Makler Südvers sitzt, ist er ziemlich allein. Neun von zehn Mitarbeitern sind aktuell im Homeoffice. Auf die Handlungsfähigkeit des Unternehmens habe das aber keinen Einfluss. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor berichtet er außerdem, was er selbst aktuell am meisten vermisst, wie Risikomanagement bei Unternehmen an Bedeutung gewinnt und warum er Sammelklagen im Bereich Betriebsunterbrechung erwartet.
Corona zwingt Munich Re zu Gewinnwarnung
Die Munich Re, einer der größten Rückversicherer weltweit, hat wegen der Corona-Krise ihr Gewinnziel für 2020 zurückgenommen. Eigentlich wollte die Gesellschaft in diesem Jahr 2,8 Mrd. Euro verdienen. Aber die Schäden im Zusammenhang mit dem Virus seien im ersten Quartal 2020 bereits so hoch, dass dieses Ziel nicht mehr erreicht werden kann, teilte der Konzern am Dienstagabend mit. Vor allem Veranstaltungsausfalldeckungen werden teuer für die Münchener.
Gastronomen und Hoteliers schreiben Brandbrief
Durch die behördlich angeordnete Schließung von Restaurants und Hotels aufgrund der Corona-Krise sind die Umsätze der Inhaber von einem Tag auf den anderen radikal eingebrochen. Umso größer ist der Ärger über Versicherer, die den Schaden durch die Betriebsschließung nicht ausgleichen wollen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein hat 20 Versicherer angeschrieben und aufgefordert, Farbe zu bekennen – bisher mit gemischtem Erfolg.
Corona-Roundup: Scor, Corona-Betrug und Wimbledon
Die Corona-Krise sorgt für Unmut zwischen dem französischen Rückversicherer Scor und dem Investor CIAM, der rund ein Prozent der Aktien hält. Nachdem CIAM den Termin für die Hauptversammlung am 17. April scharf kritisiert hatte, verlegte Scor sie auf den 30. Juni. In den USA weitet sich unterdessen der Streit zwischen Regierung und Versicherern aus. Der Kongress droht nun mit einem Gesetz, das Versicherer zur Zahlung von Schäden aus Betriebsschließungen verpflichten soll. Außerdem machen sich Betrüger mit neuen Versicherungstricks die Corona-Krise zunutze. Der All England Club, Veranstalter des jährlichen Tennisturniers in Wimbledon, überlegt, die Sportveranstaltung abzusagen. Eine spezielle Pandemie-Police wäre vorhanden.
Corona macht W&W vorsichtig
Im vergangenen Jahr hat der Bauspar- und Versicherungskonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) gut verdient. Unter dem Strich standen 249 Mio. Euro, das sind 16 Prozent mehr als 2018. Eine fundierte Prognose für 2020 mag Konzernchef Jürgen Junker wegen der Corona-Krise nicht abgeben. Sollte sie deutlich länger andauern, wäre ein Ergebnisrückgang zu erwarten, sagte er.
Dual holt Munich Re an Bord
Exklusiv Vor zwei Jahren hatte der Kölner Assekuradeur Dual das zu Scor gehörende Channel-Syndikat als Kapazitätsgeber in der Cyberversicherung verloren, jetzt hat das Unternehmen Ersatz gefunden. Das Londoner Lloyd’s-Syndikat des Rückversicherers Munich Re hat Dual eine Zeichnungsvollmacht über 10 Mio. Euro erteilt. Damit und einem neuen Bedingungswerk will der Assekuradeur in der Cyberversicherung durchstarten. Die Corona-Krise befeuere die Nachfrage nach Cyberpolicen, glaubt Dual Deutschland-Geschäftsführer Olaf Jonda.
Vermittler suchen Krisenhilfe
Die Corona-Krise bedroht die Umsätze der Vermittler, weil die Kauflaune eher sinkt und der direkte Kundenkontakt wegfällt. Wohl dem, der auf die Arbeitsweise im Homeoffice vorbereitet ist. Einige Vertreter suchen bereits das Gespräch mit Versicherern über Erleichterungen für die Krisenzeit wie Vorauszahlungen auf Provisionen. Makler im Gewerbekundengeschäft befinden sich dagegen noch in einer recht komfortablen Situation. Aber das wird eher nicht so bleiben.
Aon: Das IOC zog rechtzeitig die Reißleine
Dass die Olympischen Sommerspiele 2020 einige Monate vor Beginn der Wettkämpfe verschoben wurden, wird den Schaden für das IOC (International Olympic Committee) und seine Versicherer deutlich verringern. Das sagt Aon-Veranstaltungsexperte Simon Specovius. Der Makler und Berater Aon hat die Veranstaltungsausfallpolice für das IOC vermittelt. Andere Faktoren wie die Schadenminderungspflicht könnten sich positiv für die Versicherer auswirken, das IOC aber Geld kosten. Auf jeden Fall wird es laut Specovius einer der größten Schäden in der Sparte.
Corona-Roundup: Versicherer-Zoff, Makler, Prudential
Der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler kritisiert das Verhalten einiger Versicherer in der Corona-Krise scharf. Sie lehnten derzeit zunächst jeden Schaden mit dem Verweis auf eine Pandemie oder die Nichtnennung des Corona-Virus ab. Außerdem: Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute startet wegen Corona für seine Mitglieder eine Soforthilfe in Sachen Rechtsberatung. Zehn Interessenverbände der europäischen Finanzwirtschaft, darunter der Versichererverband Insurance Europe, haben an die Europäische Union appelliert, die Finanzmärkte nicht zu schließen. Die Krise setzt Cat Bonds unter Druck, und in den USA verklagen Ureinwohner AIG und Axa XL, weil Spielcasinos der Stämme wegen des Virus schließen mussten.
Armon: In der Krise ist mehr Kommunikation nötig
Exklusiv In der Versicherungsbranche arbeiten fast alle Mitarbeiter inzwischen im Homeoffice. Mit jedem Tag treten die Herausforderungen für Führungskräfte deutlicher zutage. Auch Marcel Armon, Geschäftsführer des Spezialmaklers Hendricks, wurde ins kalte Wasser geworfen und schwimmt sich allmählich frei. Auf welche Probleme er gestoßen ist und welche positiven Effekte die neue Situation mit sich bringt, erklärt er im Interview mit dem Versicherungsmonitor.
Olympia-Absage: Auswirkungen noch nicht absehbar
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich nach langem Zögern zu einer Entscheidung durchgerungen und die Olympischen Sommerspiele 2020 um ein Jahr verschoben. Für Athleten und Besucher bedeutet das zwar endlich Klarheit, für Japan und das IOC allerdings erhebliche finanzielle Verluste. Ein Teil davon könnte durch eine Versicherung abgefedert werden. Wie viel die Police allerdings tatsächlich abdeckt, ist noch unklar.
Corona-Roundup: Kreditversicherer, Lloyd’s, M&A
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schlägt Alarm: Immer mehr Kreditversicherer kürzen wegen der Krise die Versicherungslimits exportierender Unternehmen, moniert der DIHK – und ruft nach dem Staat. Außerdem: Fitch stuft den Ausblick für Lloyd’s of London herab, die Krise kommt britische Reiseversicherer teuer zu stehen – und belastet auch US-Krankenversicherer erheblich. Bei jüngst beschlossenen Übernahmen wie der von Partner Re durch Covéa könnten wegen rückläufiger Aktienkurse Nachverhandlungen drohen.













