Um 26 Prozent ist die Zahl der Lebensversicherer in Deutschland zwischen 2004 und 2024 zurückgegangen. Von einer Konsolidierung im großen Stil, die man dahinter vermuten würde, könne allerdings keine Rede sein, sagte Matthias Wolf, Professor an der TH Köln, auf dem SZ-Versicherungstag. Seiner Ansicht nach wird künstliche Intelligenz in der Branche neben der zunehmenden Regulierung aber für Konsolidierung sorgen – auf die eine oder andere Art und Weise.
Versicherer
Moody’s: Verhaltene Aussichten für deutsche Versicherer
Moody’s lobt die starken Zahlen der deutschen Versicherer, die der Branchenverband GDV in der vergangenen Woche vorgelegt hat. Allerdings zeigt sich die Ratingagentur skeptisch, ob es ihnen gelingt, Wachstum und Profitabilität aufrechtzuerhalten. Den Schaden- und Unfallversicherern drohen steigende Naturkatastrophenschäden. Und ob die Lebensversicherer von der Altersvorsorge-Reform wie erhofft profitieren, ist laut Moody’s noch nicht ausgemacht.
Rückversicherer nicht belastet durch Wintersturm „Fern“
Die Ratingagentur Fitch erwartet durch den Wintersturm „Fern“ in den USA keine Auswirkungen auf die Rückversicherer. Der erwartete versicherte Schaden von bis zu 7 Mrd. Dollar (6 Mrd. Euro) sei nicht hoch genug, um die Attachment Points zu erreichen, also die Schwellenwerte, ab denen der Rückversicherer einspringt. Folgen hat der Sturm aber wohl für zahlreiche Kunden in den besonders betroffenen Gebieten, die jetzt mit höheren Prämien rechnen müssen.
Cyberdirekt weitet Angebot aus
Makler können über die Plattform des Spezialmaklers Cyberdirekt künftig ein Angebot für eine Cyberdeckung für Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 250 Mio. Euro einholen. Auch bei der Versicherungssumme legen die Berliner nach. Und: Der Service des Schwesterunternehmens Rapid Response für Prävention ist künftig ebenfalls direkt über die Plattform buchbar. 2025 ist der Makler weiter gewachsen.
Anwälte werfen Rechtsschutzversicherern Trickserei vor
Die Bundesrechtsanwaltskammer unterstellt Rechtsschutzversicherern, in die Arbeit von Anwälten einzugreifen. Eine Umfrage decke „alarmierende Praktiken“ auf: Versicherer sollen Mandanten rechtlich beraten und teils auch Geld anbieten, um sie von Gerichtsverfahren abzuhalten. Die Branche reagiert gereizt.
Schildknecht: Zurich Deutschland steht vor KI-Durchbruch
Die Zurich Deutschland kommt bei der künstlichen Intelligenz (KI) laut Vorstandschef Carsten Schildknecht im zweiten Quartal einen entscheidenden Schritt weiter: In der Schadenbearbeitung, in der KI bislang in isolierten Anwendungsfällen arbeitet, sollen KI-Agenten ganze Prozesse „end to end“ abwickeln, kündigte er beim SZ-Versicherungstag an. Versicherer, die KI als neues Betriebssystem begreifen, können sich schon in wenigen Jahren bei Prämienwachstum, Effizienz und Kundenzufriedenheit vom Markt absetzen, ist er sich sicher.
Geneva Association: Versicherbarkeit ist eine politische Entscheidung
Klimawandel, Cyberangriffe und Pandemien: Die Risiken werden weltweit immer komplexer. Eine Antwort darauf könnten staatlich-private Programme sein. Doch auch sie reichen allein nicht aus, schreibt die Geneva Association in einer aktuellen Analyse. Vielmehr brauche es einen neuen sozialen Vertrag, der nicht nur regelt, wer nach Schäden zahlt, sondern auch, wer sie wie verhindern kann.
Howden sichert sich 703 Mio. Dollar für weiteres Wachstum
Der britische Großmakler Howden hat von Investoren 703 Mio. Dollar (596 Mio. Euro) durch die Ausgabe von Anleihen erhalten, wie das Unternehmen mitteilte. Das frische Geld will der Makler in Fusionen und Übernahmen (M&A) stecken und weiter wachsen. Die Ratingagenturen Moody’s und S&P bewerten Howden als stabil und vertrauen auf die finanzielle Robustheit des Maklers.
BaFin will Auffangeinrichtung für Schaden- und Unfallversicherer
Die Pleite des Versicherungs-Start-ups Element führt die Finanzaufsicht BaFin zu dem Schluss, dass der Umgang mit strauchelnden Schaden- und Unfallversicherern in Deutschland nicht optimal geregelt ist. Auch für sie sollte es einen Sicherungsfonds geben, forderte Versicherungsaufseherin Julia Wiens beim SZ-Versicherungstag. Bislang gibt es hierzulande nur Auffangeinrichtungen für Lebensversicherer und private Krankenversicherer. Die Branche und die BaFin hatten sich auf internationaler Ebene bislang gegen einen Zwangs-Rettungsfonds für die Schaden- und Unfallversicherung ausgesprochen.
Versicherte Spiele: „Die eine Olympia-Police gibt es nicht“
Keine Sportveranstaltung ist so groß wie Olympia – und deswegen auch keine so riskant. Ohne Versicherungen, sagen die Versicherer, wären Events wie die anstehenden Winterspiele von Mailand und Cortina gar nicht möglich. Und ein Blick in die Dokumente der Veranstalter zeigt: Sie lassen sich die Absicherung ihrer Spiele eine Menge kosten. Dass sich das lohnt, belegt die jüngere Vergangenheit.
Stefanie Schlick: Erleben die Versicherer gerade ihren Kodak-Moment?
Wie Kodak, der Erfinder der Digitalkamera, könnten auch die Versicherer bald in der Bedeutungslosigkeit versinken, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht umstellen. Davor warnte Stefanie Schlick, Vorstandschefin der SV Versicherung Sachsen, auf dem Versicherungstag der Süddeutschen Zeitung in Bensberg. Auch Provinzial-Chef Wolfgang Breuer und Axa-Vorstandschef Thilo Schumacher mahnten tiefgreifende Veränderungen an, zeigten sich aber zuversichtlich.
Helvetia streicht Baloise aus dem Markennamen
Nach der im Dezember 2025 abgeschlossenen Fusion hat sich der Schweizer Versicherer Helvetia Baloise nun für einen einheitlichen Markenauftritt entschieden: Künftig wird er nur unter dem Namen Helvetia firmieren. Der Markenname Baloise wird gestrichen, das kostet allein im laufenden Jahr mehr als 1 Mrd. Schweizer Franken (1,1 Mrd. Euro) an Abschreibungen auf den Markenwert.
Terzariol: Versicherer müssen aktiv gestalten
Die Versicherungswirtschaft sieht sich vielen Herausforderungen, aber auch Chancen gegenüber. Es gelte, die Zukunft aktiv zu gestalten, betonte Giulio Terzariol, der stellvertretende Chef des italienischen Versicherers Generali, beim Versicherungstag der Süddeutschen Zeitung. Insbesondere sieht er die Versicherer gefragt, wenn es darum geht, Deckungslücken bei der Absicherung gegen Klimarisiken sowie in der Altersvorsorge und Pflege zu schließen und die Resilienz der Gesellschaft zu stärken.
Marsh: Industriepreise sinken weiter
Weltweit sind die Preise in der Industrieversicherung im letzten Quartal des abgelaufenen Jahres zurückgegangen – wie auch schon in den fünf Quartalen zuvor. Das zeigt der Global Insurance Market Index des Großmaklers Marsh. Doch der Trend gilt nicht für alle Sparten und Regionen. Außerdem könnten einzelne Events die Entwicklungen rasch verändern. Einen Ausblick für dieses Jahr wagt Marsh dennoch.














